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Wie sieht Salzhemmendorfs touristische Zukunft nach dem Wegfall der „staatlichen Anerkennung“ aus?

Kurort war gestern – gesucht wird ein neues Image

Salzhemmendorf. Wird der Ort Salzhemmendorf auch in zwei Jahren noch das Prädikat „Staatlich anerkannter Kurort mit Solebetrieb“ tragen?, fragte die Dewezet im Januar 2008. Nach Ablauf dieser zwei Jahre steht die Antwort fest: Nein.

veröffentlicht am 04.12.2009 um 10:30 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

Kerstin Hasewinkel

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Ressortleiterin zur Autorenseite

Kurort war gestern, der neue Briefkopf des Fleckens erhält den Slogan „…natürlich & aktiv!“, behält das alte Logo mit Baum, Bergen und Seen – in leicht abgewandelter grafischer Form und mit den gleichen Farben, blau, gelb und grün – bei.

Anlass der Leitbildsuche war die Verordnung über die staatliche Anerkennung von Kur- und Erholungsorten, die nach dem 30. April 2010 in Kraft tritt und nach der die Orte ein neues Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen. Ein Verfahren, das aufwendig und kostenintensiv wäre. Eine Heilwasseranalyse und ein Klimagutachten hätten unter anderem erstellt werden müssen; zudem eine Lärmschutzsatzung, eine Tourismusinformationsstelle und eine Veranstaltungs- und Kommunikationseinrichtung in Salzhemmendorf. „Ist der Kurort das Image, das wir wollen, lohnt es sich, weiter in so ein Gutachten zu investieren?“, lautete damals die Frage. „Lieber mit dem werben, was man hat“, war die Antwort.

Wie in diesen Fällen üblich, wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Inhalten auseinandersetzen sollten und die zunächst eine Analyse erstellten: Was macht Salzhemmendorf aus? Was ist gut? Die Bereiche Umwelt, Energie, Nachhaltigkeit. Die Verwaltung arbeite als modernes Dienstleistungszentrum. Gefragt wurde aber auch: Was ist schlecht? Der Flecken ist kein attraktiver Wirtschaftsstandort.

„Salzhemmendorf bietet eine hohe Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger. Die vielfältigen und offenen Angebote in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Freizeit sowie die ländlichen Werte sind Voraussetzung für soziale Kontakte, funktionierende Nachbarschaften, ehrenamtliches Engagement und Toleranz“, heißt es unter der Rubrik Gemeinde mit hoher Lebensqualität. „Einiges ist durch die rosarote Brille gesehen“, meint Hans-Joachim Höflich (SPD), Mitglied im Tourismusausschuss, der jetzt diejenigen Beschlüsse vorzubereiten hatte, die der Rat abschließend fassen soll. Dass nicht nur Logo und Slogan, sondern auch das Leitbild und die Formulierung der Außendarstellung dort auf die Tagesordnung gehören, war Wunsch der Ausschussmitglieder.

Auch inhaltlich scheinen nicht alle Politiker so recht glücklich mit dem, was zu Papier gebracht und damit richtungweisend für das Salzhemmendorf der Zukunft sein soll. „Was zusammengetragen wurde, trage ich mit; mit dem Ergebnis bin ich nicht in vollem Umfang zufrieden“, sagt Dietmar Müller (Grüne). Gut sei, dass „die Profis“ – gemeint sind touristische Leistungsträger, Wirtschaft und Banken – in der Diskussion dabei waren; sie müssten auch weiterhin mit einbezogen werden. Doch jetzt sei es eben die Kunst, „das umzusetzen“, „zwei, drei konkrete Projekte auch in Angriff zu nehmen“. Wenn das Gesammelte schließlich Grundlage des künftigen politischen Handelns sein solle, müsse eine umfassende Thematisierung durch den Rat erfolgen. „Eine bloße Kenntnisnahme“ (durch den Ausschuss) sei „der direkte Weg in die Schublade“. Es habe Arbeitsgruppen gegeben, ja; „aber das Finale fand nicht statt“, so Karl-Heinz Grießner (SPD).

„Die Salzhemmendorfer Bürgerinnen und Bürger empfangen und begleiten ihre Gäste freundlich, offen und herzlich“, heißt einer der entwickelten Leitsätze unter der Rubrik „attraktiver Urlaubsort“. Als touristische Besonderheiten werden die Ith-Sole-Therme, das Rasti-Land, die Duinger Seen sowie die „vielfältigen natur- und landschaftsbezogenen Aktiv-Urlaubs-Angebote“ angesehen.

Das, was man hat, besser zu vermarkten und auszubauen – darauf baut auch die „Interkommunale Zusammenarbeit Tourismus (IKZ)“, die als ein Leader-Projekt kürzlich Zustimmung erhielt. 71 400 Euro Gesamtkosten dafür, Angebote Salzhemmendorfs mit denen von Coppenbrügge und Bad Münder unter der Dachmarke Weserbergland zusammenfassend besser an den potenziellen Gast zu bringen. Die EU-Mittel betragen 30 000 Euro, der Landkreis zahlt 20 700 Euro; die beiden Flecken im Ostkreis müssen jeweils knapp 8200 Euro aufbringen; etwas mehr als die in ihrer Strategie bereits besser aufgestellte Stadt Bad Münder mit 4300 Euro. Einen „Versuchsballon“ nennt Gemeindebürgermeister Martin Kempe das Vorhaben und erntet dafür die Kritik von der Bad Pyrmonter Bürgermeisterin Elke Christina Roeder, das Projekt sei dafür zu teuer. Auch hier die Suche nach einer Leitlinie; der Versuch, das einzige Standbein, das der wirtschaftsschwachen Region bleibt, den Tourismus, als Brötchengeber weiter zu etablieren – und vor allem auf die Bedürfnisse der künftigen Reisegenerationen auszurichten. Thomas Heiming von der Getour Bad Münder hatte bei der Vorstellung des Projektes in Coppenbrügge gemahnt: Heute müsse man dafür sorgen, dass man bei dem Internetsuchdienst „Google“ ganz oben steht, wenn ein potenzieller Tourist auf der Suche nach einem Reiseziel „Mountainbike-Urlaub“ eingebe.

Auch hier soll zunächst die Analyse erfolgen, sollen Stärken und Schwächen ermittelt werden, und dann mit neuem Konzept der Markt erobert werden.

Statt „staatlich anerkannter Kurort mit Solekurbetrieb“ soll es künftig „natürlich & aktiv“ heißen. Das alte Logo bleibt – leicht abgewandelt – erhalten.

Montage: Dana



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