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Probleme mit dem Untergrund lassen Bäume vertrocknen / Sommerstress erschwert die Sache

Kugelahorne auf dem Marktplatz verdursten

Stadthagen (ej). Viele Stadthäger haben es längst bemerkt: Die Bäume auf dem Marktplatz sehen nicht gesund aus. Vertrocknete, braune Blätter hängen schlaff von den verdörrten Zweigen herunter. Doch ist es nur die Hitze, die den 20 Jahre alten Kugelahornen zu schaffen macht? Eine Anfrage beim Bauamt der Stadt Stadthagen ergab, dass gleich mehrere Gründe für das Vertrocknen der Bäume verantwortlich sind.

veröffentlicht am 29.07.2006 um 00:00 Uhr

Die Bäume am Stadthäger Marktplatz sehen nicht gesund aus. Weil

"Zunächst gibt es natürlich die normale Reaktion aller Straßenbäume, die besonderem Stress ausgesetzt sind", erklärt Bauamtsleiter Manfred Fellmann. Demnach werfen Bäume ihre Blätter ab, um ihren inneren Wasserhaushalt runterzufahren. "Das ist eine ganz normale Stressreaktion", so Fellmann. "Hier am Markt haben wir aber viel gravierendere Probleme." Demnach seien vor allem die Bäume an der Nordseite des Marktes voll der Sonne ausgesetzt. An der Südseite und vor der Sparkasse seien die Ahorne durch die Schatten spendenden Gebäude vor der Sonne geschützt. Das erkläre auch, warum einige der Bäume noch völlig intakt sind. Doch es gibt ein weitaus schlimmeres Problem, das die Stadt kürzlich dazu veranlasst hat, einen Baum auf Höhe des Brunnens zu entfernen. "Wir wollten der Sache auf den Grund gehen", erklärt Fellmann. Nachdem dieser Baum entfernt worden war, sei das Schadensbild ausführlich dokumentiert worden. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Verbindung des Wurzelwerkes mit dem am Marktplatz vorhandenen natürlichen Boden nicht stattgefunden hat." Grund: Es hat eine so genannte "Blumentopfsituation" gegeben. Über dem natürlich gewachsenen Lehmboden habe man im Bereich der Baumanpflanzungen ein Sand-Kies-Gemisch installiert, das das Wasser besser aufnehmen kann. Zudem sei ein Drainagerohr angebracht worden, um die Bäume zu bewässern. "Die Wasseraufnahme wurde aber immer geringer", so Fellmann. Und durch den Blumentopfeffekt habe sich das Wurzelwerk so weit verdichtet, dass die Drainagerohre durch das Zuwachsen letztlich völlig unbrauchbar wurden. Das Problem gebe es auch in anderen Städten in versiegelten Bereichen, so Fellmann. Künftig wolle man richtige Pflanzbereiche schaffen und ein Pflanzsubstrat einsetzen, das die Feinwurzeln animiert, nach unten zu wachsen, um eine Verbindung zum eigentlichen Boden herzustellen. "Wir sind auf dem Weg, zu einer Auswechselung der Bäume zu kommen", verriet Fellmann. Der Umweltausschuss werde sich nach der Sommerpause mit dieser Angelegenheit befassen. Eines steht jedoch bereits heute fest: Das Herrichten des Untergrundes wird wohl deutlich teurer werden als die Bäume selbst.

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