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Von 6500 bis 20 000 Euro: Die Symposiums-Künstler haben die Verkaufspreise für ihre Werke festgelegt

Künstlerische Qualität, deren Wert auch ihren Preis hat

Obernkirchen. Alle Künstler waren einer Meinung: "Könnt ihr nicht zuerst einen anderen fragen?" baten sie durch die Bank, als der Vorstand des veranstaltenden "Internationalen Obernkirchener Bildhauer-Symposiums" (IOBS) nachfragte, was denn bei den jeweiligen Arbeiten für eine Preisvorstellung herrsche. Vorgestern wurden dann die Preise festgelegt - ohne große Debatten, wie bei der 6. Auflage des Symposiums vor drei Jahren, als einen langen Abend über den Preisrahmen diskutiert wurde.

veröffentlicht am 31.08.2006 um 00:00 Uhr

Das ist meiner: Kai Lölke hat nicht nur den Kopf seines Koffer-M

Autor:

Frank Westermann

Erwartungsgemäß wird die Preisliste von Ted Carrasco angeführt, der für seinen "Eingang" 20 000 Euro haben möchte. Einen größeren Garten sollte der neue Besitzer allerdings haben. Danach folgt Emil Adamec, dem für seine leicht buddhistisch angehauchte Arbeit mit dem schönen Titel "Rain Cloud IV" eine Entlohnung von 15 000 vorschwebt. Auf Platz drei der Rangliste folgt der Niederländer Jos Beurskens, der für seine "Träume der Liebe" mit 12 500 Euro entlohnt werden möchte. Wer sich durch Thomas Reifferscheids "Dreibein" zu Gedanken über die Vermessung und Aneignung der Welt im eigenen Garten inspirieren lassen möchte, muss 11 000 Euro investieren. Die gleiche Summe möchte Itay Nyama beim Verkauf seines Werkes "The Flow" auf sein Konto fließen sehen. Kai Lölke und Tanja Stelljes verkaufen ihre Werke "Mensch mit Koffer" und "Drei" für jeweils 10 000 Euro, Christoph Schindler hat den Preis für sein "Kleid" auf 9500 Euro festgelegt und Dominika Griesgraber würde sich für 8000 Euro für immer von ihrem Werk "Enigma" trennen. Am günstigsten ist Tutani Mgabazi, der seine "Relaxing Beauty" mit 6500 Euro taxiert. Der Verkauf der Werke ist ein Standbein, das dem Veranstalter das nächste Symposium sichert. Denn 20 Prozent des Erlöses werden dem Veranstalterverein vom Künstler in Form einer Spende zur Verfügung gestellt. Beim Symposium 2003 konnten immerhin drei verkauft werden: "13959" von Thorsten Bisby-Saludas, die "Zeitenläuferin" von Gisela Milse, die ins Auetal umzog, und "Behütet" von Ricarda Stella Skibbe, die sich mit ihrer Spendenzuwendung an "IOBS" allerdings mächtig viel Zeit ließ. Wie aus den letzten Symposien gewohnt, werden die Werke nach dem Ende des Events am Sonntag noch längere Zeit auf dem Kirchplatz stehen bleiben, damit sie nachwirken können. Bis auf eine Ausnahme: Ted Carrascos Monumentalwerk (im Vergleich zu den anderen Exponaten) wird in der nächsten Woche umgestellt. Der neue Platz wird im Bereich von Schluke und der Straße "Hinter dem Graben" sein. Einen neuen Standort direkt am Kirchplatz haben gestern schon die niederländischen Liebesträume erhalten. Von dort wird das Werk unübersehbar Besucher und Bürger grüßen, ihnen zuwinken, wie es Jos Beurskens als verantwortlicher Künstler ausdrückte. Für die anderen Werke werden ebenfalls neue Plätze gesucht, sie werden natürlich in den Skulpturenpfad integriert, aber dies, so IOBS-Vorsitzende Kristiane Allert-Wybranietz, werde nicht übereilt, sondern in aller Ruhe geschehen. Was gibt es noch? Ein gefundenes Schlüsselbund, das im Trafohäuschen abgeholt werden kann, ein nicht zu übersehender ansteigender Zuschaueranspruch, Führungen um 15 Uhr (für Kinder und Jugendliche) und 17 Uhr (für Erwachsene), den Herrgottsschnitzer-Film über Jupp Franke um 18 Uhr in der Sakristei der Marienkirche - und eine kleine, aber vernehmbare Debatte über den Altmeister. Denn Ted Carrascos "Eingang" sprengt den vorgegebene Rahmen von maximal einem Kubikmeter Stein für jeden Künstler denn doch erheblich. Mittlerweile hat sich aber alles geklärt. Der Bolivianer war am Montag erschienen, also zwei Tage später als die anderen Künstler, war dann in den Steinbruch gefahren und hatte sich drei Blöcke ausgesucht. Und niemand brachte es über das Herz, ihm dort zu sagen, dass er das vorgegebene Maß sprenge. Das ist dann wohl der Respekt,den sich der 73-Jährige im Laufe von 45 Jahren (nicht nur) auf Symposien in aller Welt verdient hat. Und das ist auch gut so.

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