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Jung und zeitlos und ohne jede kommerzielle Absicht / Interview mit Prof. Karl-Heinz Kämmerling

Künstlerische Erfolge belegen IMAS-Nachhaltigkeit

Bückeburg. Ein Kreis aus privaten Förderern und namhaften Professoren der Hannoverschen Musikhochschule hat 1978 die Internationale Meisterakademie für Solisten (IMAS) als einen Verein gegründet, um in Weltoffenheit und Eigenverantwortlichkeit hervorragend befähigte Solisten aus dem In- und Ausland in Meisterklassen zu fördern. Entscheidend für den Erfolg waren die vorhandene Bereitschaft und das Engagement international ausgewiesener Dozenten. Die Liste der bedeutenden Lehrerpersönlichkeiten bei der IMAS ist inzwischen so umfangreich, dass sie an dieser Stelle nicht vollständig genannt werden kann. In der frühen Phase standen der IMAS so bedeutende Künstlerpersönlichkeiten zur Verfügung wie Birgit Nilsson (Gesang), André Navarra (Violoncello), André Gertler (Violine, selbst ehemaliger Schüler Zoltan Kodalys und enger Freund und künstlerischer Berater Bela Bartoks) sowie Karl-Heinz Kämmerling (Klavier), einer der weltweit gefragtesten Klavierpädagogen, der seither kontinuierlich als Dozent bei der IMAS unterrichtet.Bis zu seiner Emeritierung war er Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und am Mozarteum Salzburg und lehrt in vielen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.

veröffentlicht am 03.09.2008 um 00:00 Uhr

Kursteilnehmer Joo Hyeon Park aus Südkorea (v.l.) mit Christiane

Weltweit kommen Pianisten zur Vervollkommnung ihrer Studien zu ihm und empfinden es als hohe Auszeichnung, von ihm unterrichtet zu werden. Es gibt kaum einen Preisträger internationaler und nationaler Wettbewerbe, der nicht eine Zeit lang in seiner Klasse war. Auch als Lehrer ganz junger Pianistentalente am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (IFF) genießt er weltweites Renommee. Christiane Bessert-Nettelbeck vom IFF sprach mit Prof. Karl-Heinz Kämmerling über die Entwicklung der IMAS in den zurückliegenden 30 Jahren und über die Perspektive der Meisterkurse. Was sagen Sie heute am 30. Geburtstag rückblickend zur Entwicklung des Geburtstagskindes "IMAS"? Allein die Tatsache, dass die IMAS auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken kann, spricht für sich, umso mehr, als unter den ehemaligen Teilnehmern zahlreiche Musiker zu finden sind, die schon einen Namen haben und an führenden Stellen im Musikleben tätig sind. Die IMAS wollte aus künstlerischen Beweggründen nie zum "Event" werden, sondern blieb unverändert jung und zeitlos und ohne jede kommerzielle Absicht auf die Förderung junger hochbegabter Musikerpersönlichkeiten ausgerichtet. Dabei wird sie dankenswerterweise vor allem von privater finanzieller Förderung und vieluneigennützigem Engagement getragen. Hätten Sie sich als junger Student seinerzeit in Leipzig eine IMAS gewünscht? Ja, gewiss, das habe ich mir immer gewünscht und ich glaube, ich hätte alles dafür getan und jede Mühe auf mich genommen, um eine solche Meisterklasse besuchen zu können. Gab es für Sie in den vergangenen Jahren als "Dozent der Meisterklasse Klavier" bei der IMAS besonders glückliche Momente? Ja, sehr viele. Die Tatsache, dass eine große Reihe von besonders begabten Pianisten häufig den Weg zur IMAS und damit auch immer wieder in die Ruhe des Arbeitens fand, hat zu jahrzehntelangen erneuten Kursteilnahmen und einer ebenso langen, tiefen Verbindung zur IMAS geführt. Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist die Teilnehmerin Sara Agnes Ott, die über viele Jahre lang die Meisterkurse besucht hat und kürzlich einen besonders herausragenden Erfolg erlangte. Nach Anne Sophie Mutter wurde sie nach langen Jahren wieder als erste Deutsche in die Künstlerliste der Deutschen Grammofon Gesellschaft aufgenommen. Ein Teil der Vorbereitungen für ihre erste CD, die gerade auf dem japanischen Markt erschienen ist, fiel in die IMAS Arbeitsphasen in Bückeburg. Welche Bedeutung für den Erfolg der IMAS hat für Sie gerade auch die räumliche Umgebung des Bückeburger Schlosses? Der "genius loci" stellt eine nicht unerhebliche Rolle dar. Es sind ganz wunderbare und einmalige Gegebenheiten, die der IMAS hier zur Verfügung stehen. Das Bückeburger Schloss, das die Fürstenfamilie in traditioneller Großzügigkeit für die IMAS öffnet, lässt in seiner Ruhe und Abgeschiedenheit die Meisterkurse jedes Jahr zu einem bedeutenden Erlebnis für alle Beteiligten werden. Zwei Arbeitswochen am Stück fern vom Alltagstrubel sind für das musikalische Wirken eine Kostbarkeit. Es gibt nur sehr wenige internationale Meisterkurse, die länger als eine Woche dauern. Die Gastfreundschaft und das offene Entgegenkommen der Bückeburger Gasteltern haben in den vergangenen Jahren zu Freundschaften mit den jungen Musikern geführt, die auch die Verbindung mit der Stadt Bückeburg vertiefen und damit zum Gelingen und dem nachhaltigen Erfolg der IMAS beitragen. Wenn Sie wieder die Gelegenheit hätten, die IMAS neu zu gründen, was würden Sie gern verändern? Ach, zum Glück muss die IMAS nicht neu gegründet werden, denn Sie besitzt ihren festen Standort und schon einen fast legendären Ruf innerhalb der "Familie" der internationalen Meisterkurse in der ganzen Welt. Die Nachhaltigkeit der IMAS drückt sich doch überzeugend aus in ihren künstlerischen Erfolgen. Die Erfolgsbilanz der IMAS ist schon beeindruckend, angesichts der Tatsache, dass von Ihren ehemaligen Studierenden und damit auch ehemaligen IMAS-Teilnehmern inzwischen etwa 21 als Professoren an internationalen Musikhochschulen wirken und Ihre Schüler weit über 100 Preise auf nationaler und internationaler Ebene eingebracht haben. Sie haben allein in den letzten Jahren, etwa in China, Korea, Japan, New York, St. Petersburg, Italien und Griechenland unterrichtet und waren als Juror in fast 40 großen Wettbewerben tätig. Wie sehen Sie im internationalen Vergleich denn heute den Anteil junger deutscher Künstler im Hinblick auf den pianistischen Nachwuchs? Es ist schon sehr erfreulich, dass man im Vergleich zu den Nachkriegsjahren heute auf allen musikalischen Ebenen zunehmend jungen deutschen Nachwuchskünstlern begegnen kann. Was erhoffen Sie sich für Ihre Zukunft und was wünschen Sie abschließend der IMAS zum Geburtstag? Ich erhoffe mir einen geeigneten Nachfolger, der diese wunderbaren Gegebenheiten zu schätzen weiß und weiterhin auch erfolgreich nutzen kann und der der IMAS in Zukunft hervorragende Talente zuführen kann. Ich wünsche der IMAS alles Gute, eine sichere Zukunft und vor allem, dass sie weiterhin auf ihre Freunde und Förderer bauen kann, auf Menschen, die in der Musik einen nicht unwesentlichen Teil unseres Lebens sehen.

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