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Waldbauern sperren Knotenpunkt im Wesergebirge / Protest gegen NRW-Forstpolitik

Künftig Wegezoll für den Waldspaziergang?

Porta Westfalica (ly). Nichts geht mehr. Ausgerechnet an einem wichtigen Knotenpunkt für Jogger, Reiter oder Spaziergänger versperren geschlossene Schranken und andere Hindernisse den Durchgang. Am Mauthäuschen führt kein Weg vorbei. Eintritt für den Wald?

veröffentlicht am 29.10.2007 um 00:00 Uhr

Der Wald hat viele Aufgaben: Bei der Demo am Sonnabend machen di

Sie können auch anders: Mit der Sperrung eines Waldstücks im Wesergebirge beim Fernsehturm haben Portaner Privatwaldbesitzer Sonnabend gegen die nordrhein-westfälische Forstpolitik protestiert. Christoph Freiherr von Schellersheim (Eisbergen) und seine Mitstreiter werfen NRW-Umweltminister Eckard Uhlenberg Wortbruch vor, nachdem das Land forstliche Dienstleistungen privatisieren will, Staatswald verkauft, Forstämter schließt, Stellen streicht. Und von 56 Millionen Euro aus einem Sonderprogramm zur Beseitigung der Schäden durch den Orkan "Kyrill" im Januar sowie den ebenfalls angekündigten Steuererleichterungen sei bisher nichts in Porta angekommen, so von Schellersheim. Natürlich durften am Sonnabend alle Waldbesucher passieren, ob Radler, Reiter oder Fußgänger. Sie bekamen lediglich einen "Informationsbrief" in die Hand gedrückt, verbunden mit erklärenden Worten und der Bitte um Solidarität. Schließlich profitieren alle vom Wald, von reiner Luft, sauberem Wasser, dem umweltfreundlichen Rohstoff Holz und nicht zuletzt von der Naherholung. Doch eines Tages könnte das Szenario mit Schranke, Wegzoll und Kassenhäuschen Wirklichkeit werden. Der Hintergrund: Nach dem Landesforstgesetz darf privater Wald von allen Bürgern auf eigene Gefahr frei betreten werden. Im Gegenzug erhalten Waldeigentümer seit mehr als 30 Jahren günstige Dienstleistungen des Landesbetriebes Forst, außer Waldpflege vor allem Hilfe bei der Holzvermarktung. Beratung ist sogar kostenlos. "Von dieser Regelung will die jetzige Landesregierung nichts mehr wissen", kritisiert von Schellersheim. "Sie will die forstlichen Dienstleistungen privatisieren, die Anzahl der Förster reduzieren. Wir privaten Waldbesitzer empfinden das als Wortbruch." Von 35 Forstämtern seien 15 geblieben, 150 Stellen gestrichen - bisher. Den Schaden hätten vor allem die vielen Klein- und Kleinstwaldbesitzer, denn die sind angewiesen auf staatliche Pflege für relativ wenig Geld und die Hilfe von Förstern. Der nachgefragte Rohstoff Holz bleibe im Wald. "Wenn der Staat uns nicht subventioniert und unterstützt, können wir keine Waldwirtschaft betreiben", erklärt von Schellersheim. Und dann der befürchtete Ausverkauf des Staatswaldes. Großflächig, so hieß es, werde Bürgerwald an Investoren verkauft, die sicher andere Interessen verfolgten als Waldbauern, wie von Schellersheim vermutet. Profit nämlich, Ausbeutung. "Chinesen nehmen unser Holz und schicken verseuchtes Spielzeug zurück", wettert der Eisberger Gutsherr, ein Mitglied der Waldwirtschaftsgenossenschaft Jakobsberg. Nach Angaben der Veranstalter haben sich bis zu 50 Waldbesitzer an der Aufsehen erregenden Demonstration beteiligt, darunter Kleinenbremer, Wülpker und Nammer. Auf den Beinen waren auch die Nammer Kindergartenkinder, die kürzlich "Waldtage" hatten. Begrüßt hatte von Schellersheim Akteure und Zuschauer zur "ersten historischen Waldsperrung". Hoffentlich, so fügte er hinzu, sei dies auch die letzte.



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