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CDU: „Geben Geld aus, das wir nicht haben“ / Kleinbahngelände für einen Euro – aber Ausbau teuer

Kritik an Trassenkauf – zu hohe Folgekosten

Salzhemmendorf (hen). Wenn jemand ein 51 000 Quadratmeter großes Grundstück für einen Euro kauft, klingt das zunächst einmal nach einem Schnäppchen. Herbe Kritik an dem Beschluss des Salzhemmendorfer Verwaltungsausschusses, das Areal, das ehemals in Besitz des aufgelösten Fördervereins Kleinbahn war, für diesen symbolischen Preis zu erwerben, äußert allerdings Friedrich-Wilhelm Knust. „Wir geben eine Menge Geld aus, das wir nicht haben; noch dazu geht es hier um Steuergelder“, schimpft der Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat.

veröffentlicht am 06.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

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Wie berichtet, soll in dem Bereich ein Radweg gebaut werden – und genau das halten die Christdemokraten für überflüssig: „Schließlich gibt es dort schon einen Radweg; den von Salzhemmendorf bis Ockensen haben wir sogar gerade erst erneuert“, so Knust. „Realistisch“ hätte er es gefunden, lediglich ein etwa 600 Meter langes Teilstück, das die Lücken zur Nachbargemeinde Duingen geschlossen hätte, zu erwerben. „Dann hätte man eine Fahrradtrasse von Salzhemmendorf bis Duingen gehabt, das wäre mit geringen Mitteln möglich gewesen“, meint Knust. Nach seinen Berechnungen wäre ein Ausbau nur dieses kürzeren Abschnittes mit 25 000 Euro zu Buche geschlagen. Der Wunsch, den Radweg auf der gesamten Länge der ehemaligen Bahnstrecke bis zur Domäne Eggersen für Radtouristen auszubauen, würde unterm Strich rund 200 000 Euro kosten. Denn mit dem 1-Euro-Kauf sei es längst nicht getan: Hatte die Politik zunächst gehofft, durch den Verkauf der Schienen sogar Geld einzunehmen, habe sich jetzt herausgestellt, dass der Abbau und die Entsorgung der Gleise im Gegenteil hohe Kosten verursache. „Das ist Sondermüll“, so der CDU-Fraktionschef, der berichtet, es liege inzwischen ein Angebot für den Umbau vor: Demnach koste die Entsorgung pro laufenden Meter 19,50 Euro (bei einer Breite von drei Metern). Hinzu kommen die Kosten für das Aufbringen des Schotters für 15 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer: unterm Strich 41 Euro. „Das wären bei 4,5 Kilometern rund 200 000 Euro – und da sind Straßenquerungen, Brücken, Gräben oder das Bahnhofsgelände in Thüste noch nicht einmal berücksichtigt. Das kostet bestimmt weitere 200 000 Euro.“ Das Schlimmste, so Knust weiter, seien aber die Pflegekosten für das Gelände, für das der Flecken jetzt die Verkehrssicherungspflicht übernommen hat: „Da werden rund 500 Stunden im Jahr für unsere Bauhofmitarbeiter anfallen, das sind auch bis zu 12 000 Euro“, rechnet der Christdemokrat.

Der notarielle Vertrag ist seinen Angaben zufolge bereits geschlossen. Im zuständigen Fachausschuss hatte die Politik dafür votiert, das gesamte Gelände zu erwerben; der Radweg könne ja auch Stück für Stück entstehen. Nun fragt Knust aber mit Blick auf die Haushaltslage in Richtung Mehrheitsgruppe: „Ich weiß gar nicht, wie die das machen wollen…“ Denn die Liste dessen, was im Etat für das kommende Jahr unausweichlich angegangen werden muss, ist lang – darunter die Erweiterung des Kindergartens Oldendorf, die Reparatur des Regenwasserkanals und der Straße Glocksee in Wallensen, das Freibad – das allein würde schon 1,35 Millionen Euro ergeben. „Und da sind die Hochwasserschutzmaßnahmen nicht einberechnet, die ebenfalls dringlich sind“, so Knust, der sagt: „Ich warte auf eine Prioritätenliste der Mehrheitsgruppe.“

Die Trasse des ehemaligen Fördervereins Kleinbahn – hier könnte künftig ein Radweg entlangführen.

Foto: gök



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