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Samtgemeindebürgermeister Reese kommt nicht zu Aussprache

Krise zwischen Präventionsbeirat und Verwaltungsspitze eskaliert

Bad Nenndorf (tes). Stillstand im Präventionsbeirat. Aufgrund nachhaltiger Kommunikationsprobleme mit der Nenndorfer Verwaltungsspitze ist in der letzten Sitzung nicht nur die Arbeitsform als Beirat infrage gestellt worden, sondern auch der Weltkindertag in Bad Nenndorf steht auf der Kippe. Die vom Landespräventionsrat moderierte Aussprache ist geplatzt - weder der Samtgemeindebürgermeister noch ein Vertreter sind erschienen. Eine letzte Chance soll Bernd Reese noch eingeräumt werden. Danach sehen Beiratssprecherin Annette Schediwy und deren Stellvertreter Michael Andreas Meier nur noch zwei Alternativen: hinschmeißen oderals Verein weitermachen.

veröffentlicht am 14.06.2008 um 00:00 Uhr

"Unsere Gesprächsangebote sind von Reese bisher ausgeschlagen worden", bedauerte Meier die verfahrene Situation des Präventionsbeirates. Die derzeitige Zusammenarbeit als Beirat der Samtgemeinde sei nicht erquicklich. "Es sind unschöne Dinge passiert", sagte der Polizeichef. Auslöser war der wegen eines Formfehlers abgelehnte Antrag über 145 Euro für eine Präventionsreihe in der Rodenberger Stadtschule. Hierzu habe Reese nicht das persönliche Gespräch gesucht, sondern den Beirat über die Presse geschulmeistert, berichtete Schediwy. "All' das hat uns veranlasst, uns in dieser Form insgesamt infrage zu stellen", erklärte Meier. Michael Hoff vom Landespräventionsrat kam, um den Disput zu moderieren - vergeblich. Reese und Stellvertreter Kurt Junior hatten sich kurzfristig entschuldigt. Die Sprecher sahen daraufhin keine Kommunikationsbasis mehr. "Wenn das so weitergeht, machen wir nicht mehr mit", sagte Meier, "das habe ich nicht nötig, wir machen das ehrenamtlich". Auch Schediwys Geduld ist am Ende: "Laut Satzung - pardon ,Arbeitsgrundlage' - das musste ich ja von Reese aus der Zeitung lernen, würde ich mein Amt niederlegen", sagte die Jugendamtsmitarbeiterin, "obwohl wir viel erreicht haben mit den Kinderwünschen und dem Weltkindertag". Hoff wunderte sich mit Blick auf die Zeitungsberichte, dass sich die Verwaltung so distanziert, obwohl in diesem Gremium Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Vereinen, Schulen und Kindergärten sitzen. "Das ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebe", bedauerte der Experte, der Präventionsräte in ganz Niedersachsen betreut. "Gerade in Bad Nenndorf hatte ich am Anfang ein sehr gutes Gefühl, dann kam die Kommunalwahl und jetzt scheint Stillstand vorzuherrschen." Hoff riet, sich diesen Umgang nicht gefallen zu lassen und Hilfe bei der Opposition zu suchen: "Das Ding würde ich hochfahren lassen." Netzwerke und Projekte will der Beirat auf keinen Fall hinwerfen. Die Alternative lautet: Gründung eines Vereins. "Mit identischer Zielrichtung, aber nicht als fünftes Rad der Samtgemeinde", betonte Meier. Als Verein könnten Spenden eingeworben werden, ohne jedes Mal einen Antrag stellen zu müssen. Potenzielle Unterstützer gebe es genug, habe er von Möbelhäusern, Kreditinstituten, Verlegern und einigen Fraktionsvorsitzenden nur Zustimmung erfahren. Zudem ließe sich als Verein die Zusammenarbeit mit Rodenberg einfacher gestalten, ergänzte Meier: "Die Jugendparlamente wollen bei uns mitarbeiten." Ulrike Polke, Sozialpädagogin der Stadtschule, plädierte für eine gemeinsame Präventionsgruppe aus Rodenbergern und Nenndorfern. Gymnasiallehrer Torsten Deist meinte, trotz vielfacher Enttäuschungen solle sich kein Gegeneinander entwickeln. Ohnehin glaubt die Mehrheit im Beirat nicht, dass die Nenndorfer Politik etwas gegen den Präventionsbeirat hat. Auch aus Rücksicht auf die Mitglieder, die im Dienstverhältnis mit der Samtgemeinde stehen, wurde daher beschlossen, Reese eine letzte Chance für ein klärendes Gespräch einzuräumen. Auch Hoff erklärte sich bereit, nochmals als Moderator zu fungieren, betonte jedoch: "Reese muss sich dem stellen." Schwer wieder aufeinander zuzugehen, meinte Meier, "aber da müssen wir durch". Dessen Antrag für eine Vereinsgründung bleibtbestehen. Die Mitglieder sind aufgefordert, einen Namen zu suchen.

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