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Zum ersten Mal gibt es mehr unbesetzte Stellen als Bewerber / Rose: „Betriebe beweisen Weitsicht“

Krise rüttelt kaum am Ausbildungsmarkt

Weserbergland (wul). Die Wirtschaftskrise hat sich entgegen den Befürchtungen kaum auf den heimischen Ausbildungsmarkt niedergeschlagen. Stattdessen hätten die Unternehmen Weitsicht bewiesen, sagte die Chefin der Agentur für Arbeit in Hameln, Ursula Rose. Den Betrieben sei klar geworden, dass sie sich ihre Fachkräfte selbst heranziehen müssten. „Nach der Krise werden wir sie wieder brauchen.“

veröffentlicht am 14.10.2009 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Weserbergland (wul). Die Wirtschaftskrise hat sich entgegen den Befürchtungen kaum auf den heimischen Ausbildungsmarkt niedergeschlagen. Stattdessen hätten die Unternehmen Weitsicht bewiesen, sagte die Chefin der Agentur für Arbeit in Hameln, Ursula Rose. Den Betrieben sei klar geworden, dass sie sich ihre Fachkräfte selbst heranziehen müssten. „Nach der Krise werden wir sie wieder brauchen.“ Lediglich 52 (zwei Prozent) weniger freie Ausbildungsstellen als im Vorjahreszeitraum seien der Agentur für Arbeit von Oktober 2008 bis September 2009 gemeldet worden. Insgesamt waren es im Agenturbezirk (Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont, Holzminden und die Stadt Springe) 2501 Ausbildungsstellen, die zu besetzen waren.

„Schule als Fluchtweg“ immer beliebter

Erstmals, so Rose, gebe es mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als Ausbildungssuchende: 32 offenen Stellen standen am Stichtag 30. September 26 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die noch keinen Ausbildungsplatz hatten. Grund sei die Diskrepanz zwischen Anforderungen seitens der Arbeitgeber und der Qualifikation der Jugendlichen. Hinzu kommen 210 junge Menschen, die an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teilnehmen, weitere 77, die sich noch im Aufnahmeverfahren befinden und 177 in außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen, die von der Agentur für Arbeit finanziert werden. Sie alle werden statistisch nicht als „unversorgt“ geführt.

Besonders auffällig ist im Berichtsjahr der starke Rückgang der Anzahl an Bewerbern, die der Agentur für Arbeit gemeldet sind. 3316 waren es im Vorjahr; diesmal sind es nur noch 2775 (minus 16,3 Prozent). Zum einen mache sich jetzt erstmals der demografische Wandel bemerkbar, sagt Rose – ein Faktor, den sie besonders hervorhebt, weil er künftig eine noch stärkere Rolle spielen wird, den die Betriebe in ihrer Planung berücksichtigen müssten. Dies seien noch die Jahre, „in denen aus dem Vollen geschöpft werden könnte“. Zum anderen nähmen viele Jugendliche, vornehmlich die schulisch Stärkeren die persönliche Hilfe der Berufsberatung gar nicht mehr in Anspruch, sondern informierten sich zunehmend selbstständig über die Jobbörsen, allen voran über das Jobportal der Agentur, so Rose. Oder sie knüpften selbst direkt Kontakte zu den Betrieben während ihrer Praktika. Überdies entschieden sich immer mehr Jugendliche für eine längere Schulzeit nach Schulabschluss. Eine Entwicklung, die auch der Teamleiter der Berufsberater, Thorsten Tünnemann, bedenklich findet. Schule als Fluchtweg zu benutzen, zum Beispiel nur weil da die Freunde hingehen, hält er nicht für den richtigen Weg. Und nicht immer gelinge es den Schülern, ihre schulische Ausgangssituation zu verbessern, was wiederum bei der Ausbildungsplatzsuche hinderlich sein könnte, ergänzt Rose.

Um vor allem auch die Bildungsschwächeren noch besser zu begleiten, und dafür zu sorgen, dass sich Schüler frühzeitig richtig entscheiden könnten, wie die Agentur-Chefin sagt, setzen die Berater auf präventive Maßnahmen schon in den Vorabschluss- und Abschlussklassen. Mittlerweile würde an allen Schulen des Agenturbezirkes vertiefte Berufsorientierung angeboten, außerdem gibt es an vier Schulen ein noch junges Projekt, bei dem ganz gezielt in Einzelgesprächen von Berufseinstiegsbegleitern „Schüler auf die Spur gesetzt werden“, so Tünnemann. Die Hamelner Albert-Schweitzer-Schule ist dabei.

Für das Jahr 2010 hofft Ursula Rose, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nicht sinkt. „Gut ist, dass das Handwerk nicht in der Krise ist und die Konjunkturprogramme greifen – das wirkt hoffentlich noch länger“, so die Vorsitzende Geschäftsführerin. Für die Schüler gelte: „Jetzt bewerben“ für das kommende Jahr. Das darauffolgende Jahr dann birgt eine weitere Herausforderung: Im Jahr 2011 strömt der doppelte Abitur-Jahrgang auf den Markt und will in Studium und Ausbildung unterkommen.

Die Anzahl der gemeldeten Bewerber für Ausbildungsplätze sinkt auffallend. Die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist dagegen nur wenig gesunken im Vergleich zum Vorjahr.

Montage: Dana

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