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Kreuzweg

Gestern fand derökumenische Kreuzweg der Jugend in Rinteln statt. Bestimmt finden Sie in den kommenden Tagen einen Bericht in der Zeitung. Kreuzweg, das heißt kurz gesagt: Menschen gehen den letzten Weg Jesu nach von seiner Gefangennahme bis zu seinem Tod. Dieser Weg zum Kreuz führt über verschiedene Stationen. Da ist der Prozess vor Pilatus, die Verurteilung, die Folter, der lange Weg vom Gefängnis zur Hinrichtungsstätte mit dem schweren Kreuz auf dem Rücken, der Todeskampf am Kreuz, das Sterben und das Begräbnis. Da können alle Höhen und Tiefen des menschlichen Wesens vor Augen geführt werden: die Brutalität der Henker, das grausame Johlen der Masse, das zwiespältige Verhalten der Freunde, der Jünger. Ihre Angst, ihr Verrat, ihre Verleugnung und ihre Flucht.

veröffentlicht am 23.02.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Pastor Heiko Buitkamp

Auf der anderen Seite die Zuwendung und die Treue der Frauen, die an Jesu Seite blieben und nicht wie die Männer wegliefen, die vereinzelten helfenden Hände, die sich Jesus auf seinem Leidensweg entgegenstreckten. An jeder Station werden Worte aus der Bibel zu diesem Geschehen gelesen, es wird ein Gebet gesprochen, es wird gesungen und dann geht es möglichst schweigend weiter zur nächsten Station. Das ist ein Kreuzweg. Und weil erökumenisch ist, machen verschiedene Rintelner Kirchengemeinden mit. Und weil er sich an die Jugend richtet, sind viele Konfirmanden dabei, interessierte Jugendliche und auch einige Erwachsene. So weit, so gut. Ein solcher Kreuzweg ist eine gute Sache. Er bietet unzählige Anregungen zum Nachdenken über sich selbst und zum Vertiefen des Glaubens. Wie hätte ich mich damals verhalten? Wäre ich standhafter geblieben als Petrus, der seinen Herrn drei Mal verleugnete? Was bedeutet Jesu Tod für mich und mein Leben? Vieles davon ist allerdings harter Tobak und man kann fragen, warum man sich all dem aussetzen soll. Das Ende des Kreuzwegs ist dunkel, denn er endet mit dem Tod. Für mich lässt er sich nur verstehen und aushalten, weil die Geschichte nicht in diesem Dunkel stecken geblieben ist. Weil Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Weil Jesus nach seiner Auferstehung seine vermeintlich so schwachen Jünger an die Hand genommen hat und sie neu ausgesandt hat. Ein Kreuzweg bleibt wichtig, weil das Leiden vor dem Tod bestehen bleibt und wir viel über Leiden und unseren Umgang damit lernen können. Doch dieses Leiden verliert seine erdrückende Endgültigkeit durch das befreiende Osterfest. Heiko Buitkamp ist Pastor der evangelisch-reformierten Jakobi-Gemeinde.



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