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Seit zwei Jahren gibt es im Comenius-Kindergarten elf Arbeitsgemeinschaften für alle Kinder

Kreativ sein, Geschick zeigen, Neues ausprobieren

Rinteln (clb). Mit blauen Händen sitzen Andreas, Melih, Agnessa und Niklas an dem kleinen Holztisch und kneten und formen nach Herzenslust Figuren und Tiere. "Ich mache eine Schnecke", ruft Andreas und reißt sich ein neues Stück von der mehligen Knetmasse ab. Niklas hat andere Pläne: "Ich will ein Nest machen, mit Eiern drin. Ich weiß ja jetzt, wie das geht." Es ist Mittwochmorgen, Zusammenkunft der Modellier-AG des Comenius-Kindergartens, bei der die gestalterische Arbeit im Mittelpunkt steht - es geht darum, kreativ zu sein, Geschick zu zeigen und neue Dinge auszuprobieren.

veröffentlicht am 19.06.2008 um 00:00 Uhr

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Seit fast zwei Jahren gibt es im evangelischen Kindergarten in der Nordstadt elf Arbeitsgemeinschaften für Kinder von drei bis sechs Jahren. Diese umfassen die verschiedensten kreativen Bereiche: Es gibt die Kreis- und Singschul-AG, eine Musik-AG, Entspannungs-, Sport- und Kunst-AG, eine für textiles Gestalten, eine, wo gekocht wird, gebastelt und modelliert. Jeden Morgen, nach dem Begrüßungslied und vor dem offiziellen Beginn des Kindergartenprogramms, trifft sich eine andere Kleingruppe (in der bis zu zehn Kinder sind) zum gemeinsamen Musizieren oder Gestalten. Jede der elf AGs wird von einer Erzieherin geleitet. Auf die Idee, Arbeitsgemeinschaften für Kinder ab drei Jahren zu gründen, ist Kindergartenleiterin Jutta Meves durch eine Fortbildung gekommen: "Ich war sofort begeistert von dieser Idee", erzählt sie. Was ihr in den fast zwei Jahren, in denen es die AGs inzwischen gibt, besonders aufgefallen ist: "Egal wie der Bildungs- oder Entwicklungsstand der Kinder ist, egal ob sie erst einen Monat oder schon dreieinhalb Jahre hier sind - alle identifizieren sich unheimlich schnell mit ihrer AG!" Das hat sich auch am vergangenen Wochenende bei der AG-Party, die zum Abschluss jedes Kindergartenjahres stattfindet, gezeigt: Jede Arbeitsgemeinschaft bereitet einen Stand oder eine Aktion vor, um damit Eltern, Verwandte oder Freunde zuüberraschen, ihre Arbeitsergebnisse zu präsentieren und die Besucher gleichzeitig mit in das Gelernte zu integrieren. So hatten die Erwachsenen beim Stand der Kunst-AG die Möglichkeit, ihre malerischen Leistungen unter Beweis zu stellen, sich von den Kindern der Entspannungs-AG massieren zu lassen, mit der Musik-AG gemeinsam Lieder zu singen oder von dem leckeren Salat zu probieren, den die Koch-AG zubereitet hat. "Die AG-Party ist super gelaufen", freut sich Jutta Meves. "65 von 100 Kindern waren da! Und von den 35, die gefehlt haben, waren immerhin 15 entschuldigt." Auch habe sie den Eindruck gehabt, schildert die Leiterin weiter, dass die Eltern sich richtig für die einzelnen Projekte interessiert hätten: "Die Atmosphäre war unheimlich entspannt und gelöst." Während Andreas, Melih, Agnessa und Niklas in der Modellier-AG inzwischen nicht mehr kneten, sondern zum Basteln übergegangen sind - ein aufgepumpter Luftballon soll durch Zeitungsschnipsel und genügend Tapetenkleister zu einem Sparschwein werden -, stellen die Kinder der Koch-AG malerisch dar, was sie im letzten Jahr gelernt haben und was ihnen davon am besten gefallen hat. Die Verlockung, sich anderweitig abzulenken, ist jedoch groß: Von der AG-Party sind nämlich noch massenhaft Haferkekse übrig geblieben, die die Gruppe zuvor gebacken hat. Leiterin Ingrid Hoff hat sich aus mehreren Gründen dafür entschieden, eine Koch-AG ins Leben zu rufen: Einerseits, weil sie selber jahrelang ihre eigenen Kinder bekocht hat, andererseits, um die Kinder an die Bedeutung gesunder Ernährung heranzuführen. "Viele essen zu Hause gar nicht mehr richtig oder nur noch Fertiggerichte", erklärt sie. "Ich finde es wichtig, dass Kinder lernen, wie Essen zubereitet wird." Und deshalb wird in der Koch-AG von der Pike auf alles selber hergestellt: Gemüse wird in kleine Stückchen geschnippelt, Zutaten der Reihe nach zusammengemischt, verrührt, gewürzt und abgeschmeckt. Und einmal im Monat findet dann ein Frühstück im Freien statt - für alle Comenius-Kinder.

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