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Reaktion auf Politik des Landkreises: "Vereinszweck nicht mehr erfüllt" / Dieter Hanke Nachfolger

Krankenhaus-Förderer: Buchholz tritt zurück

Rinteln (wer). Karl-Heinz Buchholz ist als Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins zurückgetreten. Rintelns Bürgermeister zieht damit die Konsequenzen aus der neuen Krankenhauspolitik des Landkreises, die auf einen Verkauf der beiden Kreiskrankenhäuser oder deren Fusion mit Bückeburg zielt.

veröffentlicht am 29.05.2008 um 00:00 Uhr

Neben Buchholz ist auch Vereins-Geschäftsführerin Iris van Houten-Eichler zurückgetreten. Anders als der Vorsitzende begründete sie ihre Entscheidung auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montag nicht. Buchholz verwies auf die Satzung des Vereins, in der von der "Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege" und der Unterstützung für das "Kreis"-Krankenhaus die Rede ist. Durch die Ambitionen zur Privatisierung werde "der Vereinszweck nicht mehr erfüllt", kommentiert Buchholz seinen Rücktritt gegenüber unserer Zeitung. Der Bürgermeister stand seit 1999 an der Spitze der Freunde und Förderer des Krankenhauses, hat den Verein mit aus der Taufe gehoben. Nach fast zehn Jahren folgt ihm jetzt Dieter Hanke, der einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Hanke war bis 2003 Regionaldirektor der AOK und in dieser Eigenschaft auch an den Pflegesatz- und Budgetverhandlungen für das Rintelner Krankenhaus beteiligt. Der Ruheständler kennt sich bestens aus im Gesundheits- und Krankenhauswesen. Die Geschäftsführung des Vereins übernimmt Dr. Horst-Helmut Krause, Chefarzt der Inneren Abteilung und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Den umgekehrten Weg, statt eines Rückzugs den Förderverein für die eigene Position zu gewinnen, wollte Buchholz nicht gehen: "Das hätte den Verein gesprengt." Zu den Mitgliedern zählen zahlreiche Mitarbeiter des Rintelner Krankenhauses, die sich, wenn es um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze geht, zum Stillhalten verpflichtet fühlen - oder verpflichtet worden sind. Intern wird der Vorwurf laut, von Dienstvorgesetzten einen "Maulkorb" verpasst bekommen zu haben. Wie zurückhaltend mittlerweile auch führende Politiker agieren, die im Krankenhaus beschäftigt sind, hat jüngst Astrid Teigeler-Tegtmeier demonstriert: Obwohl Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes, vermeidet sie zum wichtigsten lokalpolitischen Thema jede Stellungnahme. Die Presse war zur Mitgliederversammlung, auf der kritische Worte von Buchholz zu erwarten waren, vorsichtshalber gar nicht erst eingeladen worden. Stattdessen erreichte die Redaktion gestern eine "Pressemitteilung" von Dr. Krause, in der von emotionalen Abschiedsworten seitens des ehemaligen Vorsitzenden die Rede ist, das Motiv des Rücktritts aber mit keiner Silbe erwähnt wird. Wörtlich heißt es hier sogar, Buchholz habe das Amt "aus persönlichen Gründen" niedergelegt. Keine guten Erfahrungen mit der Informationspolitik des Krankenhauses hatübrigens auch die (den Plänen des Landkreises nicht wohlgesinnte) Gemeinde Extertal gemacht. Sie wollte in Erfahrung bringen, wie viele Patienten aus dem Extertal die Rintelner Klinik in Anspruch nehmen. In einer Beschlussvorlage der Verwaltung an den Rat findet sich der Satz: "Die konkrete Anzahl wollte die Verwaltung des Klinikums Rinteln selbst auf mehrfache Nachfrage nicht nennen."

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