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Krankenhaus: Wieder 25 Betten stillgelegt

Rinteln (dil). „Wir reagieren nur auf nicht mehr vorhandene Nachfrage“, begründet Klinikum-Geschäftsführer Christian von der Becke die nächsten Einschnitte am Kreiskrankenhaus Rinteln. Seit Anfang dieses Monats sind die 25 Betten der zentralen Aufnahme stillgelegt, ab Jahresbeginn 2102 wird die Gynäkologie nicht mehr stationäre, sondern nur noch ambulante Behandlung bieten.

veröffentlicht am 07.10.2011 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 06.12.2012 um 14:00 Uhr

„Wir haben die Funktion der zentralen Aufnahme auf die verbleibenden Stationen verteilt, nehmen aber weiter rund um die Uhr auf“, sagt von der Becke. „Auch ein Notarzt ist weiter 24 Stunden verfügbar. Wir haben damit die Leistung verdichtet und die Auslastung verbessert.“ Eine der Folgen: Weiter wird ausscheidendes Personal nicht mehr ersetzt, auf betriebsbedingte Kündigungen jedoch verzichtet. In den vergangenen beiden Jahren wurden in Rinteln bereits rund 130 Mitarbeiter abgebaut.

„Pro Arbeitstag haben wir unter 50 Patienten bei noch 100 stationären Betten“, so von der Becke. „Wir diskutieren, wie wir diesen hoch defizitären Standort sicher in die Zukunft bringen können.“

Das Thema Schließung noch vor Inbetriebnahme des neuen Klinikums in Vehlen (voraussichtlich 2014) werde bereits seit etwa zwei Jahren erörtert, vor allem bezogen auf die Folgen für die Wirtschaftlichkeit und die Versorgungsqualität, bestätigt von der Becke. Am 24. September habe darüber die Gesellschafterversammlung der Krankenhaus-Projektgesellschaft gesprochen. „Da wurden schon verschiedene Möglichkeiten vorgestellt“, so von der Becke. „Das sind aber noch Gedanken, es gibt noch keine Entscheidung.“ Am 17. Oktober befasst sich mit dem Thema der Betriebsausschuss des Klinikums Schaumburg.

Die Einführung der „frührehabilitativen geriatrischen Komplexbehandlung“ zum 1. Juli vergangenen Jahres – exklusiv für den Landkreis Schaumburg – hat ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Das wird nachgefragt, aber nicht so, wie wir es erwarten durften“, beklagt von der Becke.

Mit Sorge wird seit Langem die Entwicklung der gynäkologischen Abteilung beobachtet. „Sie muss Ende des Jahres aufgegeben werden. Sie hat im Schnitt nur noch einen Fall pro Tag, dem steht aber ein großer Kostenaufwand gegenüber“, stellt von der Becke fest. „Das können wir uns nicht mehr leisten.“

„Wir haben gewartet, bis wir zwei gynäkologische Arztsitze der Frauenheilkunde an das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am und im Krankenhaus Bethel in Bückeburg angliedern konnten“, fährt von der Becke fort. Seit Anfang Oktober gehören die bisher in Rinteln niedergelassenen Frauenärzte Dr. Marianne See-Boroske und Dr. Christian Bader zum MVZ in Bückeburg. „Einer von beiden wird bald in der bisherigen gynäkologischen Station des Kreiskrankenhauses Rinteln für ambulante Behandlungen tätig sein. Dadurch wird eine gynäkologische Versorgung in Rinteln sichergestellt“, beruhigt von der Becke. Im Moment werden auf dem Anrufbeantworter von Dr. See-Boroske noch Sprechstunden in ihrer Praxis angekündigt, bei Dr. Bader in Kürze. Die Sprechstunden sind dann immer in der Praxis von Dr. See-Boroske.

„Einen Versorgungsauftrag hat das Klinikum Schaumburg insgesamt, nicht bezogen auf einen einzelnen Standort“, schränkt von der Becke Erwartungen ein, eine vorzeitige Schließung sei rechtlich nicht möglich. „Und wenn das neue Klinikum aus irgendwelchen Gründen deutlich später eröffnet als geplant, dann wird es für Rinteln immer enger. Aber noch haben wir nur einen Bettenteil geschlossen, die Funktionen des Krankenhauses bleiben jedoch wie bisher erhalten.“

Über die immer geringere Auslastung des Kreiskrankenhauses Rinteln spricht die Klinikleitung seit Kurzem intensiv mit den niedergelassenen Ärzten. Warum überweisen diese so viele Patienten an andere Häuser? Was kann man dagegen und für Rinteln tun? Von der Becke: „Wir suchen demnächst wieder das gespräch mit den Ärzten.“



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