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Von den Gefahren, die vom „Vogel des Jahres“ für heimische Fischarten auf der Roten Liste ausgehen

Kormorane bedrohen Artenvielfalt

Weserbergland (kv). Wesionär Jürgen Gemoll vom Sportfischereiverein Hameln-Pyrmont möchte die Öffentlichkeit über die Gefahren für die heimische Natur aufklären, die von einer Überpopulation der Kormorane ausgeht. Er informiert bei Wesio über diese Problematik: „ Am 4. Dezember 2008 haben mehr als 96 Prozent aller Abgeordneten des Europäischen Parlamentes aus allen 27 Mitgliedsstaaten dafür gestimmt, wegen der extremen Populationszunahme des Kormorans in den letzten 20 Jahren, ein europäisches Kormoranmanagement zu prüfen.

veröffentlicht am 17.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:21 Uhr

Kormorane sind Nahrungsopportunisten, aber daraus folgt leider nicht nur ein geringer Anteil an „Edelfischen“. Die TU München hat den aus dem Kormoranfraß resultierenden Schaden zum Beispiel bei Äschen mit 96 Prozent wissenschaftlich sicher bestimmt. Mehr als 90 Prozent aller typischen Fließgewässerfischarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Aal wird gerne gefressen. Selbst wenn Aale nur 4 Prozent der Gesamtfraßmenge ausmachten, wäre dies aufgrund der hohen Individuendichte der Kormorane, des langsamen Wachstums der Aale und ihrer leicht zu schluckenden Körperform ein bedeutender Eingriff. Karpfen hingegen sind bereits nach etwa drei Jahren dem Kormoranschnabel entwachsen. Und genau dieser Europäische Aal ist Gegenstand einer bisher einmaligen europäischen Artenschutzmaßnahme.

Kormorane halten sich oft in Rückzugsräumen seltener Fischarten auf.

Kormorane fressen zwischen 400 und 600 Gramm pro Tag. Kormorane sind beim Fressen dreipfündiger Hechte beobachtet worden. Bei der Magenanalyse eines Kormorans am ‚Großen Eutiner See‘ wurde ein Zander von 42 Zentimeter Länge und einem Gewicht von 810 Gramm sowie ein Barsch von 350 Gramm gefunden wurden.

Nicht jede Jagd ist erfolgreich und Fische, die durch die Schnabelspitzen der Kormorane verletzt wurden, gehen durch Verpilzungen oder Parasitenbefall ein. Dies erhöht die Menge an Fischverlusten. Der Bissreflex trifft sogar Fische, die größenbedingt gar nicht aufgenommen werden könnten.

Fischarten, wie der vom Aussterben bedrohte Aal, halten dem Kormoran-Druck nicht mehr stand. Der geschützte Kormoran kann nicht ‚wertvoller‘ als der nach der FFH-Richtlinie geschützte Nordseeschnäpel sein.

Die Natur soll nicht nur ihrer selbst willen existieren. In ihr soll – abgesehen von Schutzgebieten, in denen die dortigen Schutzgüter Vorrang genießen – auch ein vom Menschen nutzbarer Überschuss erwachsen. Jeder Fisch kann nur einmal gefressen oder gegessen werden. Es ist richtig, die Betrachtung des Kormoran-Problems ganzheitlich

statt einseitig vorzunehmen.

Nur die Anglerinnen und Angler setzen sich für den Schutz von Fischarten ein. Das ist bei weitem nicht so öffentlichkeitswirksam wie Schutz für Robben, Otter oder Eisvögel zu fordern. Eines Schutzes bedürfen die Fische jedoch trotzdem und sie erhalten ihn von uns mit einem enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand - auch weiterhin. Quelle: Robert Vollborn, Landesfischereiverband Baden-Würtemberg.“

Soweit Jürgen Gemoll. Was ist Ihre Meinung dazu? Diskutieren Sie mit uns bei Wesio.



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