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Zu: „Problemkind Inklusion“, vom 12. November und „Das ist auch ein Kampf in mir selber“, vom 13. November

Kooperationsklassen eine Erfolgsgeschichte

Inklusion in der Schule ist ein komplexes Thema, bei dem leider immer wieder ideologisch gefärbte Vereinfachungen geäußert werden. Fakten werden verdreht oder für einseitige Sichtweisen benutzt. Für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sind andere Aspekte zu betrachten als für alle anderen Förderschwerpunkte.

veröffentlicht am 27.11.2020 um 21:31 Uhr

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Herr Grosch (Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, Anm. d. Red.) bleibe beim Thema Inklusion „ein Freund der Radikalität“ – diese Haltung ignoriert schlichtweg das Wohl der Betroffenen. Herr Grosch argumentiert ausschließlich aus seiner Perspektive. Es ist richtig, dass er selbst Betroffener ist. Seine Schlussfolgerungen aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen sind nachvollziehbar, aber: Er kann nicht aus seiner Perspektive für unsere Schülerschaft argumentieren, denn er ist nicht Betroffener mit einer geistigen Behinderung.

Die Arbeit in den Kooperationsklassen ist eine Erfolgsgeschichte gemeinsamen Lernens und selbstverständlichen Miteinanders als Ausdruck gelungener Inklusion; gleichzeitig gibt es Rückzugsräume, um besondere Förderangebote anzubieten. In Kooperationsklassen sind unsere Schülerinnen und Schüler auch Teil einer eigenen Peergroup – und hier werden Erfolgserlebnisse als wichtige Bausteine einer positiven Entwicklung ermöglicht, sie sind nicht immer der oder die „Schlechteste und Letzte“. Insbesondere im Jugendalter ist die Peergroup von enormer Bedeutung für eine Stabilisierung im sozial-emotionalen Bereich. In einer Phase der Orientierungslosigkeit und Suche nach der eigenen Identität benötigen gerade Jugendliche mit einer geistigen Behinderung besondere Aufmerksamkeit und Angebote, für die die eigene Peergroup unerlässlich ist. Häufig vereinsamen sie in dieser Lebensphase nach einer erfolgreichen inklusiven Beschulung in der Grundschule. Die Arbeit in der Förderschule Geistige Entwicklung zielt auf eine größtmögliche Selbstständigkeit und damit größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Erwachsenenalter.

Die Notwendigkeit des Erhalts der Förderschule Geistige Entwicklung ist unstrittig, hier sind sich Fachleute und Landespolitik einig. Ohne an dieser Stelle ins Detail gehen zu können: Die jetzigen Räumlichkeiten der Heinrich-Kielhorn-Schule reichen bei weitem nicht aus für eine zeitgemäße und optimale Förderung. Der Neubau von Elisabeth-Selbert- und Heinrich-Kielhorn-Schule in Nachbarschaft bietet vielfältige Möglichkeiten, Synergieeffekte zu nutzen, die Kooperation auszuweiten und neue Formen zu finden. Beide Schulen fühlen sich einer hohen Durchlässigkeit in beide Richtungen verpflichtet. Bei den Vorgesprächen wurde deutlich, dass sich auch für neue, bisher noch nicht in den Fokus genommene Bereiche Chancen für Kooperationen ergeben.

Voraussetzung für eine gelingende Inklusion und Kooperation sind Ressourcen. Und es ist Aufgabe der Politik, diese zur Verfügung zu stellen.



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