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Konkurrent hat "Corvett" den Namen abgekauft

Lügde (jhe). Nur der graue „Corvett“-Flachbau erinnert noch daran, dass in Lügde bis vor kurzem feine Dessous-Spitzen hergestellt wurden. Im Innern des Gebäudes ist vom Lebenswerk des Unternehmensgründers Hans Otto Siekmann nicht viel übrig geblieben. In den Produktionshallen stehen nur noch vereinzelt Maschinen, die derzeit abgebaut werden. Bis Ende September sollen die Hallen ganz leer sein.

veröffentlicht am 09.09.2009 um 21:50 Uhr

Corvett-Halle
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 „Das Anlagevermögen“, darunter Maschinen, Computer, Büromöbel, restliche Garnbestände „ist zum überwiegenden Teil an zwei Firmen verkauft worden“, sagt Dr. Henning Mordhorst vom Hamburger Insolvenzverwalter White & Case. Wieviel Geld das Inventar des insolventen Spitzen-Herstellers eingebracht hat, mag Mordhorst nicht sagen, da das Verfahren nicht öffentlich sei.
 Die beiden Unternehmen, die große Teile des Maschinenparks aufgekauft haben, sind ihrerseits Spitzenfabrikanten. Die Spiga GmbH aus Falkenau bei Chemnitz hat die gesamte Produktionsanlage übernommen. Die Wickel-, Schneide- und Durchsichtmaschinen für die Endbearbeitung stehen inzwischen bei „Chanty“ im hessischen Urberach. Auf seiner Internetseite wirbt die Firma damit, „die Produktpalette und Rechte der ,Corvett-Spitzen GmbH’ erworben“ zu haben.
  Bis Ende Juni haben die verbliebenen 20 von einst rund 100 Mitarbeitern noch die restlichen Produktionsaufträge bearbeitet. Zwar kamen bis zum Schluss noch vereinzelte Aufträge herein, doch der Insolvenzverwalter lehnte alles ab, was eine längere Zeit gedauert hätte. Denn „es waren keine so wesentlichen Aufträge, dass wir die Produktion ohne Verlust hätten fortsetzen können“, erklärt Mordhorst.
 Ehemalige Mitarbeiter sehen das anders: „In einem kleineren Rahmen von 50 Mitarbeitern hätte man bei der Auftragslage gut weitermachen können“, sagt einer, der namentlich nicht genannt werden möchte – so wie viele ehemalige Corvett-Beschäftigte.
 Aber nun ist das Unternehmen ausgeschlachtet. Die letzten Einnahmen aus Produktion und Inventar-Verkäufen fließen in die Insolvenzmasse, aus der die Gläubiger bezahlt werden – darunter auch die ehemaligen Mitarbeiter. Sie werden laut Mordhorst „auf jeden Fall“ noch Geld erhalten, das anhand des aufgestellten Sozialplans ausgezahlt werden solle.  „Das wird gerade berechnet“ und solle in diesem Jahr noch abgeschlossen werden, so der Jurist.
 Einige ehemalige Mitarbeiter haben derweil beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklagen gegen den Insolvenzverwalter angestrengt. Doch Mordhorst ist zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass keine Klage Erfolg haben wird.“ Denn „eine ganze Reihe“ Klagen sei bereits vor Gericht abgewiesen worden.
 Rund 40 Verfahren werden allerdings noch über die IG Metall abgewickelt. Sie ruhen derzeit beim Arbeitsgericht in Detmold. „Es gibt Indizien dafür, dass das Unternehmen weitergeführt wird“, sagt Erich Koch von der IG Metall und erklärt: „Wenn die Maschinen eines Betriebsteils übernommen werden, dann geht man von einem Betriebsübergang aus.“ In diesem Fall müssten die ehemals Beschäftigten von dem neuen Unternehmen übernommen werden, glaubt der Gewerkschafter.

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