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Können Spekulanten den Euro zerstören?

Heinz-Walter Wiedbrauck, Der Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen, äußert sich im Interview zur Euro-Krise.

veröffentlicht am 13.05.2010 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Herr Wiedbrauck, was müssen wir darunter verstehen, wenn Hedgefonds gegen den Euro „wetten“?

Die Hedgefonds erkannten frühzeitig die Probleme der Eurozone. Vor allem Griechenland konnte mit der ausufernden Verschuldung als „Problemland“ identifiziert werden. Der Euro galt die letzten Jahre als die stabilste, große Weltwährung und hatte deswegen deutlich an Wert gewonnen. Die Hedgefonds verkauften nun an den Devisenmärkten den Euro, um ihn nach einem Kursrutsch günstiger wieder zurückzukaufen. Gleichzeitig spekulierten sie gegen die Kreditwürdigkeit von Griechenland, sie kauften Kreditausfallversicherungen und erhöhten damit den Zinssatz für Griechenland an den internationalen Finanzmärkten. Diese Versicherungen dienen Kreditgebern als Absicherungsinstrument, werden aber ohne direkte Bindung an Kredite gehandelt. Eine stark steigende Nachfrage treibt die Preise der Versicherungsprämien und damit auch die Zinssätze nach oben. Griechenland kann auf diese desolate Situation aber nicht mit einer Abwertung der eigenen Währung reagieren, die die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern würde und die EU kann einen Ausfall der griechischen Kredite nicht zulassen, da das zu enormen Problemen in der Eurozone führen würde. Ein Grundproblem der Eurozone besteht darin, dass es für ein solches Szenario keine vertraglichen Regelungen gibt.

Was sind Hedgefonds eigentlich und woher nehmen die so viel Geld zum Spekulieren?

Hedgefonds sammeln Gelder von Anlegern ein, um es in alternativen, meist spekulativen Strategien zu investieren. Oft arbeiten sie mit zusätzlichen Krediten oder auch an Terminmärkten, so können sie große Hebeleffekte erzielen. Sie können beispielsweise einen Kredit in Euro aufnehmen und das Geld in US-Dollar anlegen. Haben sie dafür eine Summe von einer Million Euro zur Verfügung, nehmen sie zehn Millionen Euro als Kredit auf und legen den Gegenwert in US-Dollar an. Das von Investoren bereitgestellte Geld dient nur als Sicherheit für das Kreditgeschäft. Der gesamte Sektor ist kaum reguliert, die investierten Beträge liegen aber weit über der Eine-Billion-Dollar-Marke.

Kann sich ein Land gegen Devisen-Spekulationen überhaupt schützen oder wehren?

In freien Kapitalmärkten kann sich ein Land langfristig nur durch eine solide Politik gegen Spekulationen wehren. Spekulanten weisen meist nur auf Missstände und Ungleichgewichte hin, um sie für ihre Spekulation auszunutzen. Länder können zwar den freien Kapitalverkehr einschränken, dieses behindert aber im Allgemeinen die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes enorm.

Gehören solche Spekulationen einfach zum globalen Finanzmarkt, den wir ja wollen?

Spekulationen gehören dazu, allerdings muss eine Regulierung durchgesetzt werden. Das Problem ist, dass nur auf internationaler Ebene ein Erfolg erzielt werden kann, da alle Märkte miteinander vernetzt und für Investoren aus jedem Teil der Welt zugänglich sind.

Können Spekulanten am Ende den Euro zerstören?

Nein, ich denke sie haben dazu keine Möglichkeit, allein die Politik und die Europäische Zentralbank bestimmen durch ihr Handeln das Schicksal des Euro. Die Spekulanten lösen lediglich Wechselkursbewegungen und damit verbundene Folgen aus.



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