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Polizei erklärt sich Unfallursache mit Unachtsamkeit an den Gleisen

Knall im ganzen Dorf zu hören

Hohnhorst (rwe). Viele Anwohner der Hauptstraße am Ortsausgang hatten es kommen sehen. Es war nur eine Frage der Zeit. Am Dienstag um 21.20 Uhr trat das Unglück ein. Eine S-Bahn aus Bad Nenndorf rammt auf dem unbeschrankten Übergang einen VW Passat Kombi. Darin sitzt eine fünfköpfige Familie aus Wunstorf, die gerade von einer Geburtstagsfeier bei Bekannten kommt. Die Eltern sterben, auch für die beiden Jungs kommt jede Hilfe zu spät. Einzige Überlebende sind die zweijährige Michelle und der Terrier-Welpe der Familie.

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

Feuerwehrleute decken das Auto ab.

Der Knall ist nicht zuüberhören. Kinder schrecken aus dem Schlaf. Anwohner schrecken hoch. Wie Wilfried Steege aus dem Haus Nummer 3 ahnen sie, dass es nun passiert ist. Die ersten sind schnell an der Unglücksstelle. Die Sirenen springen an. Sie sind laut. "Zu laut für eine Übung", denkt sich die stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Koch, die weiter hinten in der Straße wohnt. Ihr Mann macht sich auf den Weg zum Unglücksort, kehrt aber zurück. "Hilfe ist da", sagt er. Doch die Hilfe kommt für vier Menschen zu spät. Die 33-jährige Wunstorferin, die den Passat fuhr, gab laut Polizei noch Lebenszeichenvon sich. Doch die Notärzte können sie nicht retten. Auch nicht ihren Mann (36), der wie der vierjährige Sohn Manuel noch im Wrack stirbt. Der elfjährige Marcel wird zwar noch aus den Trümmern geborgen, aber auch er überlebt die Tragödie nicht. Einzig die zweijährige Michelle hat an diesem Tag einen Schutzengel. Es ist der Autositz, der sie vor dem Schlimmsten bewahrt. Mit einer Wunde am Kopf bringt sie der Rettungshubschrauber "Christoph 4" in die Medizinische Hochschule. Eine Freundin, die eben noch mit der Familie gefeiert hat, begleitet das Mädchen. Für die Retter aus den Feuerwehren ist es ein Einsatz am Limit. Vor allem jüngere Helfer nimmt der Anblick der Leichen sichtlich mit. "Immer wenn Kinder beteiligt sind, ist es besonders schlimm", sagt Gemeindebrandmeister Uwe Blume. Auch er ringt um Fassung. 90 Feuerwehrkräfte sind an diesem Abend vor Ort, vier Notärzte werden gerufen, fünf Rettungswagen. In Teamarbeit befreien die Bergungstrupps die Opfer aus den Trümmern. Gut zehn Meter schleuderte die Bahn den Wagen, der total zerquetscht auf dem Dach liegt. Die Wucht des Aufpralls lässt sich kaum erahnen. Die Großeltern treffen ein. Bekannte sind nach Wunstorf gefahren, um sie zu holen. Sie wissen nur von einem Unfall. Das Ausmaß der Katastrophe erkennen sie erst jetzt. Ein Schock. Pastor Gero Cochlovius, der den Knall und die Sirenen hörte und sich auf den Weg machte, nimmt sich ihrer an. Die Unfallursache kann sich die Polizei nur mit Unachtsamkeit erklären. Das Blinklicht an dem Übergang habe funktioniert. Das bestätigen später der 28-jährige Lokführer und die Fahrer der Wagen, die auf der anderen Seite warteten.



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