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Horst Knuhr führt Hotel und Restaurant auf Hamelns Hausberg / Potenzielle Investoren abgesprungen

Klüt-Chef: „Ich bin kein Strohmann der Fards“

Hameln (CK). Horst Knuhr kämpft. Der 56-Jährige kämpft um seine Existenz, seinen Arbeitsplatz und den seiner 27 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende. Knuhr kämpft im Rahmen einer Existenzgründung – der ehemalige Finanzdirektor der insolventen Cemag-Holding der Gebrüder Fard hatte im Herbst vergangenen Jahres das Hotel und Restaurant Klütturm (vormals „La Résidence“) übernommen und ist dort geschäftsführender Gesellschafter; sein Arbeitgeber ist die TNG (Treuhandgesellschaft Niedersachsen).

veröffentlicht am 19.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Restaurant und Hotel am Klüt werden derzeit im Auftrag der Spark

Hameln (CK). Horst Knuhr kämpft. Der 56-Jährige kämpft um seine Existenz, seinen Arbeitsplatz und den seiner 27 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende. Knuhr kämpft im Rahmen einer Existenzgründung – der ehemalige Finanzdirektor der insolventen Cemag-Holding der Gebrüder Fard hatte im Herbst vergangenen Jahres das Hotel und Restaurant Klütturm (vormals „La Résidence“) übernommen und ist dort geschäftsführender Gesellschafter; sein Arbeitgeber ist die TNG (Treuhandgesellschaft Niedersachsen). Jetzt kämpft Knuhr gegen Behörden und Banken, vor allem aber gegen ein Vorurteil: dass er ein Strohmann der Familie Fard sei.

Ursprünglichm erhielt Knuhr, der einst von der Stadtsparkasse kam und seit 2001 für die Cemag gearbeitet hatte, sein Gehalt als Chef des Klüt via Treuhandgesellschaft von der Arbeitsagentur. Da er aber ein Gewerbe angemeldet habe, so heißt es, sei sein Vertrag als Geschäftsführer nichtig, er soll zwei Gehälter an die Arbeitsagentur zurückzahlen. „Stimmt nicht“, sagt der 56-Jährige zur Begründung der Behörde. Nicht er habe ein Gewerbe angemeldet, sondern vielmehr die Betriebs-GmbH, die auch einen Teil des Anlage-Vermögens und die Vorräte der Résidence gekauft, die Immobilie im Übrigen gepachtet habe. Darüber gebe es eine zunächst bis zum 31. März befristete Nutzungsvereinbarung mit dem Hamelner Rechtsbeistand Bernhard Fahs, der wiederum im Auftrag der Sparkasse Weserbergland handelt. Das Geldinstitut ist Hauptgläubiger, steht an erster Stelle im Grundbuch und möchte für die Immobilie auf jeden Fall 1,65 Millionen Euro erzielen – 1,5 Millionen, mit denen sie den Umbau finanziert hat, 150 000 als Honorar für den Insolvenzverwalter.

Knuhr könnte rein theoretisch das Gebäude, für dessen Instandsetzung und exklusive Möblierung mehr als fünf Millionen Euro geflossen sein sollen, auch kaufen, hält aber die Summe von 1,65 Millionen Euro inzwischen für zu hoch, vor allem angesichts der Baumängel, die er erst nach und nach entdeckt hat. So sei zum Beispiel auf den Dächern kein Schneefang installiert worden; die Schneelawinen der vergangenen Tage haben so die Dachrinnen mit sich gerissen. Auch die Haustechnik sei noch nicht zur Gänze fertiggestellt, sagt Knuhr, aber immerhin: „Obwohl Handwerker noch auf ihr Geld warten, haben sie mich bei Problemen unterstützt.“

Unterstützung hingegen wünscht sich der Geschäftsführer vor allem von heimischen Kreditinstituten, denn: „keines von denen begleitet mich bisher“. Das aber sei nötig, wenn er die Immobilie erwerben wolle, für die der Landkreis aus dem Programm „Pro-Invest“ immerhin die Bewilligung eines Förderantrages in Aussicht gestellt hat. Potenzielle Investoren wie die Hamelner Hoteliersfamilie Güse, die Familie Popken („Schlosshotel Münchhausen“) in Schwöbber und die Familie Petri – sie möchte in Glesse Ziegen in großem Stil halten – kamen zwar auf Einladung der Sparkasse Weserbergland zur Besichtigung – winkten anschließend aber wieder ab.

Immerhin: Die beiden Restaurants mit 60 Sitzplätzen im oberen und 100 im Erdgeschoss sind in Betrieb, das angeschlossene Hotel mit seinen zwei Suiten und sieben Zimmern ebenfalls. Das Hotel, sagt Knuhr, sei derzeit zu immerhin 35 Prozent ausgelastet, stolz verweist er auf zwölf Firmenrahmenverträge, die ihm ebenfalls Übernachtungen bescheren sollen.

Dabei haben ihm noch im Dezember Altlasten schwer zu schaffen gemacht: Weil etwa hochwertige Gardinen und Lampen, darunter ein Kronleuchter für 25 000 Euro, noch nicht bezahlt worden seien, habe die Firma Möbel-Hesse aus Hannover am 10. Dezember letzten Jahres sieben Lkw geschickt; der Chef höchstpersönlich, begleitet von Anwälten und Handwerkern, ließ ausräumen und mitnehmen, was ihm rein rechtlich noch gehört – Einkaufswert rund 240 000 Euro, darunter allein die 90 000 Euro teure Außenbestuhlung. „Ich hatte an dem Tag volles Haus und hätte eigentlich zumachen müssen“, sagt Knuhr verbittert. Schließlich sei es ihm gelungen, im Sauerland Ersatz für Vorhänge und Lampen auf Kosten der GmbH zu kaufen, der Betrieb konnte weitergehen.

Was das neue Jahr angeht, so ist der Geschäftsführer verhalten optimistisch, jedenfalls, sofern er die baulichen Mängel in den Griff bekommt und eine Einigung mit zwei Leasingfirmen hinsichtlich der Möbel erzielt. „Mitarbeiter und die Qualität des Essens sind top, und alle sind hochmotiviert“, sagt er. Jetzt setzt die Küche – Knuhr hat die Preise auf ein erträgliches Niveau zurückgefahren – vor allem auf heimische Produkte und auf Veranstaltungen, die über das gesamte Jahr bereits geplant sind, darunter zweimal im Monat Tanztee, Jazz oder aber auch standesamtliche Trauungen. „Ich hätte nach der Cemag-Insolvenz auch etwas ganz anderes machen können“, meint Knuhr. „Aber am Klüt, diesem Hamelner Hausberg, hängt mein ganzes Herzblut.“



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