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Klinikum-Gegner: „Einzigartige Landschaft erhalten“

Obernkirchen (rnk). Eine Liste mit bislang 150 Unterschriften und eine umfangreiche Petition haben Thomas Knickmeier, Barbera Lohmann und Dietrich Steinmann von der „Bürgerinitiative gegen den Bau eines Krankenhauses in der Feldmark Vehlen“ jetzt der Verwaltungsspitze übergeben. Es sei, so Knickmeier, erst der Beginn der Unterschriftensammlung, die nach der Ferienzeit intensiv fortgesetzt werde.

veröffentlicht am 17.07.2010 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 14:11 Uhr

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Offiziell richtet sich die Petition gegen den Bebauungsplan, der den Weg zum Klinikum freimachen soll, sowie der Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt sowie einer Änderung des Raumordnungsplanes des Landkreises.

Begründet wird der Widerspruch mit dem bereits heute sehr stark zersiedelten Landkreis; daher sollte die freie Landschaft zwischen Obernkirchen, Röhrkasten, Vehlen, Bückeburg und Ahnsen „zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erhalten (...) und für nachfolgende Generationen bewahrt werden“.

Die Feldmark, in der das Klinikum gebaut werden soll, sei nach Ansicht der Vertreter der Bürgerinitiative „aufgrund ihres vielfältigen, eigenartigen und schönen Landschaftsbildes, ihrer Funktion für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder ihre Bedeutung für die Erholungsnutzung als wertvoll einzustufen“. Dieses Gebiet sei vor Beeinträchtigungen zu schützen, naturschutzrechtlich zu sichern und durch Pflege zu erhalten oder zu entwickeln. Daher fordert die Bürgerinitiative den Landkreis auf, das Landschaftsschutzgebiet nicht zu löschen, sondern den Bereich als Vorranggebiet für Natur und Landschaft, als Naturschutzgebiet, einzustufen und den gesamten Bereich als Vorsorgegebiet (Landschaftsschutzgebiet): Nur so bestehe die Möglichkeit, Korridore für Wildtiere von Feldmark bis zu den Höhenzügen Harrl und Bückeberg zu erhalten. Mit dem Bau des Krankenhauses und den zugehörigen, „gravierenden Erschließungsmaßnahmen“ würde die Landschaft „unwiederbringlich zerstört“. Generell erwartet die Bürgerinitiative, dass im Abwägungsprozess zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Stadt und dem Erhalt einer „einzigartigen Landschaft“ der Erhalt der Naturräume „jetzt endlich Priorität“ genieße.

Die Bürgerinitiative befürchtet grundsätzlich ökologische und ökonomische Folgen. Neben dem direkten Verlust von Boden und Lebensräumen würden mehr Lärm, mehr Abgase gase und ein gesteigerter Energieverbrauch die Folge sein. Außerdem werde die Grundwasserneubildung gestört und die Hochwassergefahr gesteigert – „mit immensen Schäden für Mensch und Natur und erheblichen Folgekosten“.

Negative Auswirkungen werden auch auf die soziale Struktur und die Lebensqualität im Landkreis erwartet: Einwohner, die nicht in der Lage seien, lange Wege zurückzulegen (wie etwa aus dem Auetal), würde ausgegrenzt, betroffen seien vor allem Behinderte, ältere und sozial schwache Menschen. Auch die Verkehrsproblematik sei zu beachten: „Eine auf die Zukunft ausgerichtete Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr ist am aktuell geplanten Standort in Vehlen nicht möglich.

Auch die Infrastrukturkosten würden steigen, weil Personen und Güter über weitere Strecken transportiert werden müssen. Die Hoffnung der Stadt auf zusätzliche Steuereinnahmen werde sich nicht erfüllen, da aufgrund der Nähe zum geplanten Klinik-Standort eher mit einer weiteren Expansion des Bückeburger Gewerbegebietes „Kreuzbreite“ zu rechnen sei: Dieser Bereich sei vom geplanten Klinikum mit dem Pkw am schnellsten zu erreichen, argumentieren die Klinik-Gegner. Außerdem würden durch die Zentralisierung der Schaumburger Krankenhäuser am geplanten Standort die traditionellen Mittel- und Grundzentren in Bückeburg, Stadthagen und Rinteln gefährdet.

Die Bürgerinitiative schlägt als Beispiel einen alternativen Standort für das Klinikum in Gelldorf,vor. Die Vorteil: direkte Nähe zum Grundzentrum Obernkirchen, eine größere Fläche, geringe Erschließungskosten, direkte Anbindungen an Bundesstraße und Eisenbahn; zudem seien weder Straßenneubau noch Brückenbau erforderlich. Generell gebe es alternative Flächen, argumentieren die Vertreter der Bürgerinitiative, und kommen zum Schluss, dass im Rahmen der Planung „offensichtlich nur eine oberflächliche Bewertung“ weiterer Standorte erfolgt sei.

Insgesamt sind in der Petition 24 Punkte aufgelistet, die gegen den Vehlener Neubau sprechen würden: vom Lebensraum des Eisvogels, der vernichtet würde, über den Verlust von alten Bäumen, die bisher als Brutplatz genutzt werden, bis hin zu den Flächen selbst, die verloren gehen würden. „Bestes Ackerland“, bewertet die Bürgerinitiative: „Bedingt durch den Klimawandel wird Deutschland in Zukunft wieder mehr auf eigene landwirtschaftliche Ressourcen angewiesen sein, da die Erträge weltweit sinken werden.“ Zudem sei damit zu rechnen, dass aufgrund des ansteigenden Ölpreises die Importe von Futtermitteln aus Übersee in den nächsten Jahren „stark zurückgehen“ würden: „Es wird nicht mehr rentabel (vielleicht sogar nicht mehr möglich) sein, Futtermittel aus Übersee zu importieren. Die heimischen Flächen müssen deshalb geschützt werden, damit auch in Zukunft die Ernährung der Bevölkerung sichergestellt werden kann.“ Kopien der Petition sollen per Post an vier niedersächsische Ministerien geschickt werden, kündigte die Bürgerinitiative an.

Geht es nach ihnen, wird das Klinikum hier nicht gebaut: Thomas Knickmeier, Barbera Lohmann und Dietrich Steinmann sammeln Unterschriften gegen den Neubau in der Gemarkung Vehlen.



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