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Belegschaft der "Rheuma-Kurklinik Schaumburg" ab 1. April freigestellt / Lehmann: Reißleine gezogen

Klinik-Insolvenz: 31 Mitarbeiter entlassen

Bad Nenndorf (fox). Die insolvente "Rheuma-Kurklinik Schaumburg" an der Horster Straße schließt zum 1. April. Die 31 Mitarbeiter haben bei der Betriebsversammlung am 27. Februar ihre Kündigung erhalten und müssen sich ab April arbeitssuchend melden. Einen Betriebsrat gibt es nicht, ebenso wenig einen Sozialplan. Insolvenzverwalter Matthias Lehmann (Bückeburg) hat nach den 13 Verfahrensmonaten keine andere Möglichkeit gesehen, als den Betrieb einzustellen. "Wir mussten die Reißleine ziehen."

veröffentlicht am 07.03.2007 um 00:00 Uhr

Klinik-Geschäftsführer Jens Schinske bedauert die gescheiterten

Am Ende sind alle Anstrengungen um den Erhalt der Klinik vergebens gewesen. Für den Interimsmanager Jens Schinske (42) bleibt die Erkenntnis, dass die privat geführte Kurklinik nicht wirtschaftlich zu betreiben ist und hat dafür eine Erklärung: "Wir sind von den Kostenträgern sitzen gelassen worden." Damit spricht der einstige "Fresenius"-Manager, der seit Juni 2006 gemeinsam mit Thomas Kupczik (49) befristet als Geschäftsführer eingesetzt ist, das Verhalten der Landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK) an. Diese war Hauptbelegungsträger der Kurklinik und sorgte bislang dafür, dass die 120 Betten des Hauses belegt werden - oder auch nicht. "Wir hatten im Vergleich zu 2005 im vergangenen Jahr rund 30 Prozent weniger Belegung", sagte Schinske. Gewissermaßen sei die Klinik dadurch in eine "Zwickmühle" geraten. Denn die LAK habe für die Zuweisung von mehr Patienten verlangt, das Haus umzustrukturieren. "Damit wir nicht nur Heilverfahren anbieten können, sondern auch Anschlussheilbehandlungen (Reha-Maßnahmen)" Beispielsweise ist das Gebäude nicht behindertengerecht ausgebaut. Ein Umbau hätte rund1,5 Millionen Euro gekostet. Geld, das die Sparkasse Schaumburg als Hauptgläubiger nicht mehr bereit war zuzuschießen, bevor die Klinik nicht wirtschaftlich arbeitet. "Und dies ist mit den Belegungszahlen nicht drin gewesen." Die Sparkasse hatte bereits zwei Massekredite in Höhe von 90 000 und 40 000 Euro genehmigt. Zum Ende des ersten Quartals steigt das Kreditinstitut aus. Sparkassen-Vorstandsmitglied Günther Klußmeyer bedauerte den Vorgang: "Wir haben über mehrere Jahre versucht, eine zukunftsorientierte Lösung zu finden. Es gibt keine Alternative zur Schließung." Nun ist das Kreditinstitut auf der Suche nach einem Nachfolger für das Objekt. Insolvenzverwalter Lehmann bestätigte den Rückgang der Belegungszahlen. "Die Geschäftsführung hat sich ins Zeug gelegt, die Klinik wieder auf die Beine zu stellen." So seien Angebote ausgearbeitet worden, um Unterbelegungen auszugleichen. "Die Preise konnten attraktiv gestaltet werden, da die Bank auf Miete verzichtet hat." Auch seien Teile der Ausfälle über Hotel-Belegungen abgefangen worden. "Wir haben mehr als 90 Gespräche mit Krankenkassen geführt", sagte Lehmann. Letztlich ohne Erfolg. Ab 1. April wird die Klinik liquidiert. Ganz schließen wird das Haus jedoch nicht, denn im unteren Teil des Gebäudes befindet sich eine intakte Arztpraxis.

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