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Im Jahr 1966 haben sie ihr Abi am Schiller-Gymnasium gemacht

Klassentreffen als Bildungsfahrt

HAMELN. „Islamabad oder Kopenhagen? Das war die erste Bemerkung von Ingo Brasat, der mitteilte, dass ich für 1999 an der Reihe wäre, das nächste Klassentreffen der 13 b zu organisieren“, berichtet Michael Nousch.

veröffentlicht am 07.05.2019 um 12:19 Uhr

33 Jahre waren seit dem Abitur am Schiller-Gymnasium vergangen und des Öfteren traf man sich bisher in Hameln und Umgebung, im südlichen Franken, an der Küste oder in Bonn, dem Wohnsitz von Martin Schmidt aus dem Kirschendorf Gellersen, dem auch Gerd-Peter Frensel entstammt. Horst Quante war Gastgeber in seinem großen Haus bei Bückeburg. Und es war normal, dass die am reinen Jungen-Gymnasium Aufgewachsenen zumeist unter sich feierten, sprich ohne die holde Weiblichkeit.

Nachdem es den Verfasser dieser Zeilen nach Kopenhagen verschlagen hatte, kam die nicht spontan von allen Mitschülern goutierte Idee, diese „Klassenfahrt“ unter Einschluss unserer Ehefrauen zu planen. Versuchsweise erst einmal, denn die heitere dänische Metropole wollte man dann doch nicht den Damen vorenthalten. Hotelzimmer wurden bestellt, dazu Fahrkarten. Am Abteilfenster Orientierungsschild befestigt, denn es ging zur Klassenfahrt nach København. Den Weg in den Vorort Charlottenlund am Hirschpark gefunden, wo sie von Angelika und Michael Nousch gleich per „Du“ empfangen wurden; denn in Dänemark wird ein jeder und eine jede geduzt. Ist man allerdings bei Königin Margrethe zu Gast, dann wird geknickst und gedienert und wenn man angesprochen wird per „Sie“ geantwortet.

Wenngleich das „Du“ eine vertrauensbildende Maßnahme war, blieben die ehemaligen Schillerschüler nach vorgerückter Stunde in der Kellerbar unter Männern und komplimentierten eine neugierige Dame rasch hinaus.

Kopenhagen mit seinem Vergnügungspark „Tivoli“, in dessen Achterbahn sich Ulrike Arnecke und Ingo Brasat mutig in die Tiefe stürzten, brachte die Damen auf den Geschmack, nämlich zukünftig stets dabei zu sein. Das wurde aber erst einmal von den Herren verworfen, zumindest vertagt. „Vielleicht beim übernächstenmal.“ Erwähnenswert in der Reihe kommender Treffen das im Jahr 2004 in Bayerns Hauptstadt mit dem alten hochgeschätzten Klassenlehrer Max Emrich, der einen Tag vor seinen Ex-Schülern nach München anreiste, um sich mit der Lokalität und besonders den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut zu machen. Er übernahm die „Leitung“, dabei immer mit seinem Schirm den Weg weisend. Hierbei wurde der „gute Max“ erstmalig mit bayrischen Gebräuchen von den Ausrichtern Axel Mayer und Wilfried Börgerling vertraut gemacht, trank das erste Weizen seines Lebens und staunte, dass es sogar am Feiertag (1. Mai) frische Brezeln im Hofbräuhaus gab. Ja, mei, mit den Bayern war der gebürtige Schlesier nicht so vertraut. Max Emrich nahm bis zu seinem Tode im Jahr 2016 Anteil an unserem Leben.

In enger Kooperation mit den beiden Vertretern der Parallelklassen (Ulrich Dettmer und Günther Niemeyer) wurden 40 Jahre Abi zelebriert, mit Lehrern und auch mit Damen. 1966 verließen sie das Schiller-Gymnasium.

Die Frauen nahmen sich immer mehr Mitsprache bei den anspruchsvoller werdenden Reisen mit Kunst, Kultur und reichlich Geschichte, ob in preußischen Schlössern oder dem Kanzlerbungalow in Bonn: Seit 2016 (Potsdam Gerd Söhlke) jedes Jahr und unumkehrbar mit Damen. Es folgten 2017 (Bamberg Klaus Arnecke), 2018 (Bonn Martin Schmidt), 2019 (Dresden Manfred Schmidt). Dazwischen in Aken bei G.-P. Frensel oder Holger Elten im heimischen Hessisch Oldendorf. Eckard Hörmann musste stets die Dankesrede halten als Klassensprecher auf Lebenszeit.

Nach Süd, West und Ost bleibt für 2020 der Norden. Das verantwortliche Ehepaar hat insgeheim schon einen Plan, über den noch abgestimmt wird. Ja, mit 20 Schülern haben wir das Schiller verlassen, gedenken unserer Mitschüler Joachim Weith und Wilfried Börgerling und sind zufrieden damit, dass sich zwei Drittel regelmäßig, seit den „Potsdamer Beschlüssen“, ganz selbstverständlich mit unseren Ehefrauen auf Klassenfahrt begeben. Und das ist auch gut so!



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