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Klangreise um die halbe Welt

Von Martin Jedicke

Hannover. Vielleicht ist es eine glückliche Fügung, dass Carmen Souza nicht auf den Kapverdischen Inseln, sondern in Lissabon geboren wird. Die Familie lebt dort in einer kapverdischen Gemeinschaft, pflegt die alten Traditionen und die kreolische Sprache, in der Souza auch singt. Später zieht sie nach London, der europäischen Rock- und Popmetropole. Doch sie interessiert sich für den Jazz, Weltmusik in ihrer ganzen Vielfalt liegt ihr im Blut. So bekommen die Gäste des ausverkauften Jazzclubs Hannover am Samstagabend eine zweistündige Klangreise rund um die Welt geboten. Portugiesischer Fado, afrikanische Percussion, lateinamerikanische Rhythmen, Jazzvokalismen von mädchenhaftem Gezwitscher über Sprechgesang bis zu einer atemberaubenden Stimmakrobatik, die Souza in Höhen schraubt, die Sumpfblumen-Besucher an Maria Joãs Auftritte erinnern mögen. Mühelos aber erreicht Souza auch sonore Tiefen einer Cassandra Wilson, und wenn sie vor dem nur vom Piano begleiteten „Perguntá sem fim“ befürchtet, dass sie ihre Stimme verlassen könnte, so steht ihr das Rauchige in der Intonation durchaus gut. Was kann schlecht sein, was bei Billie Holiday erst den Charme ausmacht.

veröffentlicht am 21.11.2010 um 14:45 Uhr

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Von Martin Jedicke

Hannover. Vielleicht ist es eine glückliche Fügung, dass Carmen Souza nicht auf den Kapverdischen Inseln, sondern in Lissabon geboren wird. Die Familie lebt dort in einer kapverdischen Gemeinschaft, pflegt die alten Traditionen und die kreolische Sprache, in der Souza auch singt. Später zieht sie nach London, der europäischen Rock- und Popmetropole. Doch sie interessiert sich für den Jazz, Weltmusik in ihrer ganzen Vielfalt liegt ihr im Blut. So bekommen die Gäste des ausverkauften Jazzclubs Hannover am Samstagabend eine zweistündige Klangreise rund um die Welt geboten. Portugiesischer Fado, afrikanische Percussion, lateinamerikanische Rhythmen, Jazzvokalismen von mädchenhaftem Gezwitscher über Sprechgesang bis zu einer atemberaubenden Stimmakrobatik, die Souza in Höhen schraubt, die Sumpfblumen-Besucher an Maria Joãs Auftritte erinnern mögen. Mühelos aber erreicht Souza auch sonore Tiefen einer Cassandra Wilson, und wenn sie vor dem nur vom Piano begleiteten „Perguntá sem fim“ befürchtet, dass sie ihre Stimme verlassen könnte, so steht ihr das Rauchige in der Intonation durchaus gut. Was kann schlecht sein, was bei Billie Holiday erst den Charme ausmacht.
 Um den Wert menschlicher Beziehungen, um helfende Hände, um Toleranz, Vertrauen und die Hoffnung auf eine bessere Welt drehen sich Souzas Texte, während der Bassist Theo Pas’cal sich für die Kompositionen verantwortlich zeigt. Jonathan Idiagbonyas perlendes Klavier sowie Dado Pasqualinis Schlagzeug und Percussion fließen mit Carmen Souzas Akustikgitarre zu einem wunderbar harmonisierenden Quartett zusammen. Dass die Gruppe bei der Tourfortsetzung auch beim brasilianischen Publikum gut ankommen wird, lässt die lateinamerikanische Lesung von Horace Silvers Jazzhit „Song For My Father“ vermuten.
 Die Nähe der Kap Verden zu Afrika spiegelt sich textlich sowohl in dem zur Gitarre solo vorgetragenen „Sem valor“ wider, das Hunger und Leid beklagt, als auch in dem zu Hilfe aufrufenden „Afri Ká“, das Souza am Ende des Abends ein zweites Mal spielt.



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