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Internationale Konzerte im Stift: Klaviervirtuose Bertrand Giraud aus Paris zeigt sein Können

Klangliche Wucht und fließende Lebendigkeit

Obernkirchen (dis). Bertrand Giraud ist ein Pianist, für den es manuelle Schwierigkeiten nicht zu geben scheint. Seine Vorträge sind Abbilder kontrollierten Virtuosentums, das verdeutlichte der Franzose bei der internationalen Konzertreihe im Stift in Meisterwerken der Romantik.

veröffentlicht am 18.10.2006 um 00:00 Uhr

Mit unerschöpflicher Energie öffnete der Pariser Künstler Hörräume für "Tre Sonetti di Petrarca" - 47, 104 und 123 - von Franz Liszt, die er ausdrucksbetont ins Visier nahm, um gut gemeißelt "Prélude", "Ricordanza" und "Harmonies du soir" der "Études d´exécution transcendante" in all' ihrer Beredsamkeit und Eleganz nachzuschicken. Beeindruckend wirkte dabei die Kombination von klanglicher Wucht in der einen und fließender Lebendigkeit in der anderen Hand. Was der jugendbewegte 21-jährige Beethoven-Fan Johannes Brahms in dessen "f-Moll-Sonate op. 5" als Synthese aus strengster motivischer Folgerichtigkeit und bohrender Leidenschaft 1854 zusammenband, fächerte Bertrand Giraud nach dem Liszt-Teil mit allen poetischen Entrückungen und Erregungen formbewusst auf und punktete durch Tastenbravour. Der Solist beherrschte die Materie und zwang sie vollgriffig - aber nicht vorlaut - unter seinen Willen. Das Scherzo mit dem Nebeneinander von Dramatik, Besonnenheit und Leichtigkeit schien dem Interpreten ebenso zuzusagen wie das wohldosierte Andante, in dem er sich viel Muße für lyrische Empfindungen nahm. Abermals standen die ausgezeichnete Technik und Fingerfertigkeit des Professors am Conservatoire de Colombes einer vordringlichen musikalischen Aussage zu Diensten. Johannes Brahms spielte dieses Stück einst Robert und der von ihm angebeteten Clara Schumann vorund brachte beide, hauptsächlich den älteren Komponisten-Kollegen und Lehrer, mit der "verschleierten" Sinfonik ins Schwärmen. Das Wohlwollen für die Kondition und Konzentration verlangenden Darbietungen äußerte sich in herzlichem, andauernden Applaus. Als Dankeschön spendierte Bertrand Giraud ein zugkräftiges Chopin-Nocturne.

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