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"Literarisches Kabinett" behandelt den Satiriker / Jiddische Volkslieder und israelische Speisen

Kishon hasste Kommunisten und Bürokraten

Luhden (sig). Wenn man die erfolgreichsten Autoren unserer Zeit nennt, gehört zweifellos Ephraim Kishon dazu. Weltweit sind von ihm Hunderte von Büchern in 37 Sprachen veröffentlicht worden. Die Gesamtauflage liegt bei 43 Millionen, der größte Teil davon ist in Deutschland erschienen. Jetzt hat sich das "Literarische Kabinett" des Eilser Heimat- und Kulturvereins mit dem Mann befasst, der in einer ungarisch-jüdischen Familie in Budapest aufgewachsen ist.

veröffentlicht am 14.06.2008 um 00:00 Uhr

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Bei der Zusammenkunft im Luhdener Kirchenzentrum stellte Friedrich Winkelhake zunächst den Schriftsteller vor, von dessen 20-köpfiger Familie nur vier Mitglieder überlebt haben. Kishon hat die Verfolgungen wegen seiner jüdischen Herkunft nur überstanden, weil er viel auf der Flucht war, falsche Papiere hatte und sich immer wieder versteckte. Im Jahre 1944 wurde der damals 20-Jährige von Ungarn aus in ein polnisches KZ deportiert. Auf dem Weg in das Vernichtungslager Sobibor gelang ihm die Flucht. Damit entging er dem sicheren Tod. Winkelhake: "Die Kommunisten, die er als Retter betrachtet hatte, wurden damals für ihn zum Alptraum. Deshalb entwickelte er einen großen Hass auf sie." Weil er wegen seiner Abstammung nicht studieren durfte, absolvierte Kishon zunächst eine Goldschmiedelehre. Später erwarb er ein Diplom als Metallbildhauer und wurde Kunsthistoriker. Der vielseitig Begabte durchlief weitere Stationen als Journalist, Schriftsteller und Regisseur beim Theater und Film. Im Jahre 1950 verließ Kishon das kommunistische Ungarn und wanderte nach Israel aus. Dort erlernte er zunächst Hebräisch und lebte in einem Kibuzz. In seiner politischen Ausrichtung stufte ihn Winkelhake als erzkonservativ an. Die komplizierten politischen Verhältnisse in Israel waren häufig Gegenstand seiner spitzen Feder. In satirischen Beiträgen nahm er sie ebenso aufs Korn wie die Bürokratie. Zeit seines Lebens blieb Kishon Israel treu, auch wenn er ein Haus in der Schweiz erwarb. Sein Hauptwohnsitz befand sich nahe Tel Aviv. Die Produktivität dieses Mannes war beispielhaft. Seine "Familiengeschichten" wurden zum absoluten Renner. Aber auch viele andere überwiegend satirische Werke sowie Romane. Dazu kamen zwölf Theaterstücke und etliche Filme. Man mag es kaum glauben: Nebenbei war Kishon auch einer der weltbesten Billardspieler und auch eine Größe am Schachbrett. Er starb 2005 an einem Herzinfarkt in seinem Schweizer Haus. Zu den vorwiegend von Winkelhake vorgetragenen biografischen Lebensdaten und Informationen kamen zahlreiche Anekdoten und erheiternde Geschichten, die Lutz Gräber und Dieter Gutzeit vortrugen. Kishon hatte Sinn für einen durchaus trockenen Humor. Von ihm stammt zum Beispiel die Aussage: "Es ist nicht leicht, gleichzeitig Satiriker und fromm zu sein." Das "Literarische Kabinett" wurde bereichert durch die Mitwirkung von Thomas Denker aus dem Bremer Raum. Er trug zur Akkordeonüberwiegend Lieder in jiddischer Sprache vor - und das in beeindruckender Weise. Der Musiker gehört seit 25 Jahren einem Klezmer-Trio an. In der Pause gab es israelische Speisen und Bier und Wein aus dem fernen Land.



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