weather-image
14°
"Evangelisch - aus welchem Grund?" / Reformierter Kirchenpräsident zu Gast

Kirche lebt nicht davon, dass Tante Emma gut unter die Erde kommt

Bückeburg (bus). In der Quintessenz sei es nicht unbedingt wichtig zu begreifen, was den genauen Unterschied zwischen reformiert und lutherisch ausmache, hat Jann Schmidt während der jüngsten Veranstaltung der federführend vom Evangelischen Forum in Schaumburg-Lippe organisierten Reihe "Evangelisch - aus welchem Grund?" herausgestellt. "Für die Menschen ist vor allem wichtig", akzentuierte der Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche, "dass sie eine Kirche erleben, die ihnen etwas zu sagen und zu bringen hat."

veröffentlicht am 09.02.2008 um 00:00 Uhr

Jann Schmidt

Und dass die Kirchen - lutherisch wie reformiert - für sie da seien. Schmidt erläuternd: "Dass Gottes Menschenfreundlichkeit unter die Leute kommt und dass es eine gute Botschaft gibt, die auf unterschiedliche Weise gesagt und gelebt werden kann - und doch die gleiche Botschaft bleibt." Der Kirchenpräsident ging noch einen Schritt weiter und stellte die weltweite Kirche einem Orchester gleich, in dem "durchaus unterschiedliche Instrumente" anzutreffen seien. "Und jedes Instrument trägt zum guten Klang der Musik bei." Fehle ein Instrument, dann fehle der Musik etwas. Allerdings gelte auch, betonte Schmidt: "Wenn ein Instrument eine andere Melodie spielen und sich nicht mehr der Leitung des einen Dirigenten fügen will, dann ist es besser, es scheidet aus dem Orchester aus." Auf die Frage "Was heißt heute reformiert?" gab der Kirchenpräsident die drei Antworten: die eigene Tradition gut kennen, sie weiterentwickeln, Neues wagen; dass es presbyterial und synodal und immer gemeinsam und in Gremien bei uns zugeht sowie dass die Gemeinde kirchliche Gesetze und Verordnungen und die Aufsicht achtet und respektiert und zugleich auch kritisch damit umgeht. "Wir wollen nicht besser sein als andere, aber wir wollen uns daran messen lassen, ob wir wirklich nach Gottes Wort reformiert sind und welchen Stellenwert bei uns die Bibel hat", gab Schmidt zu verstehen. Auf die Vielfalt reformierter Traditionen Bezug nehmend, stellte der Referent die mannigfaltigen Ausprägungen eines gemeinsamen Glaubens als "Reichtum und Chance und nicht als provinzielle Kleinlichkeit" dar. "Einer nivellierenden Gleichmacherei im deutschen Protestantismus", versicherte Schmidt, "wird darum niemand aus der evangelisch-reformierten Kirche Vorschub leisten wollen." Was in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche ebenso mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde wie die Offenbarung des "Reformierten": "Als durch Gottes Wort reformierte Kirche bekennen wir, dass die Kirche nicht davon lebt, dass das Pfarrhaus besetzt ist, Tante Emma gut unter die Erde kommt und die Kirche im Dorf bleibt."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare