weather-image
15°
×

Grüner Bundestagsabgeordneter referiert auf Einladung des Stadtelternrats in der Graf-Wilhelm-Schule

Kindler: Bückeburg hat ein Nazi-Problem

Bückeburg (mig). Hat Bückeburg ein Nazi-Problem? Dieser Frage ist das Mitglied des Bundestags, Sven-Christian Kindler (Bündnis 90/Die Grünen), auf Einladung des Stadtelternrats in der Graf-Wilhelm-Schule nachgegangen. Vor dem Hintergrund rechtsextremer Übergriffe warnte Kindler: „Man darf diese Dinge nicht verharmlosen. Man hat in vielen Städten gesehen, dass es schlimmer wird, wenn man sich nicht wehrt.“

veröffentlicht am 28.06.2011 um 13:10 Uhr
aktualisiert am 26.11.2012 um 17:37 Uhr

Wie es überhaupt zu dem Vortrag kam, erläuterte den rund 90 Zuhörern Moderator Bernd Schierhorn. Anlass seien die rechten Übergriffe zu Jahresanfang gewesen. Danach seien die Grünen gebeten worden, sich der Sache anzunehmen. „Schnell war aber klar, dass man hier über Parteigrenzen hinaus aktiv werden muss und das ‚Bündnis für Familie‘ das richtige Forum ist“, erläuterte Schierhorn. Die große Resonanz auf die Auftaktveranstaltung habe gezeigt, dass das Thema viele Bürger beschäftigt. Ziel müsse es jetzt sein, deutlich zu machen, dass Bückeburg keine gewaltbereiten Personen braucht.

Einen Überblick über alte Nazis und die neue Rechte gab dann der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler. Letztgenannte hat sich in den zurückliegenden Jahren – zumindest, was den Kleidungsstil betrifft – durchaus verändert, so Kindler. „Es gibt heute tatsächlich Nazis, die tragen Irokese oder Turnschuhe“, erläuterte er. Abgesehen vom „Style“ seien die Rechten aber nur scheinbar moderner geworden. „Konkret ist das immer noch derselbe alte Scheiß“, betonte der Grünen-Abgeordnete.

Weiterentwickelt hat sich aber nicht nur der Kleidungsstil der Nazi-Szene. Auch die Propagandamaschine der Rechten ist in den vergangenen Jahren immer ausgefeilter geworden. „Sie sprechen heute andere Themen an, sind angeblich gegen den Krieg oder gegen Armut“, erläuterte Kindler. „Auf diese Weise versuchen sie, ihre Ideologie neu zu verkaufen.“

Im zweiten Teil seines Vortrags kam Kindler dann auch auf die rechten Übergriffe in Bückeburg zu sprechen. Hier zeigte sich der junge Abgeordnete vom Vorgehen von Polizei und Bürgermeister irritiert. Diese hätten versucht, das Problem kleinzureden und zu verharmlosen, so der Szenekenner im Pressegespräch. „Wenn Leute tödlich bedroht werden, kann man nicht von anpolitisierten Jugendlichen sprechen und die linken Aufkleber, die hier geklebt werden, damit vergleichen“, ergänzte Kindler seine Kritik während des Vortrags. Die Täterschaft von Nazis dürfe nicht verharmlost werden, man dürfe den Opfern keine Mitschuld zu schieben.

Wie wichtig es ist, frühzeitig zu intervenieren, zeigte Kindler dann am Beispiel des sogenannten „Trauermarschs“ in Bad Nenndorf. „Da hat alles mit nur 80 Leuten begonnen, heute sind es viel mehr.“ Es sei deshalb sehr wichtig, ein breites Bündnis zu schaffen und sich nicht spalten zu lassen. „Sie müssen eine klare Position beziehen und Naziparolen auch im Alltag widersprechen“, mahnte Kindler. Bildungsarbeit dürfe nicht nur auf die „bösen Ränder“ ausgerichtet werden, sondern müsse alle Schichten umfassen. Und ja, formulierte Kindler im Gespräch, Bückeburg habe ein Nazi-Problem.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt