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Gruppenleiter Martin Höhler vermittelt Ideen für selbstständige Freizeitgestaltung

Kinderschutzbund hat "Zeit für Jungs" - und die basteln, bauen, sägen, kicken

Rinteln (cok). Treffen ist eigentlich erst um halb vier, aber Dennis und Mirko haben von der anderen Straßenseite aus gleich gesehen, dass Martin Höhler, ihr Gruppenleiter, heute schon eine halbe Stunde früher den Gruppenraum öffnet. Gut gelaunt sind sie sofort an seiner Seite: Ganz offensichtlich bedeutet ihnen die vom Kinderschutzbund organisierte Jungsgruppe sehr viel.

veröffentlicht am 15.05.2006 um 00:00 Uhr

"Zeit für Jungs", so heißt das vorläufig auf ein Jahr begrenzte Projekt, das unter der Schirmherrschaft des Rintelner Kinderschutzbundes steht und von der "Aktion Mensch" finanziell gefördert wird. Sechs Jungs, die meisten zwölf Jahre alt und Schüler der Pestalozzischule, treffen sich jeden Dienstagim Kellerwerkraum des Freizeitzentrums "Kulisse", um drei Stunden lang zusammen zu spielen, zu werken und sich zu unterhalten - ein spezielles Angebot nur für Jungs. "Mädchen sind insgesamt begabter darin, sich ihre Freizeit zu organisieren und richtig zusammen zu spielen", weiß Martin Höhler. "Vielen Jungs fällt das schwerer - erst recht, wenn die Familie, aus welchen Gründen auch immer, keine Freizeitangebote machen kann." Ziel des Projektes ist es, den Jungs zu zeigen, was an Interessen und Neigungen in ihnen steckt, damit sie dann selbstständig herausfinden, welche Hobbys und Spiele ihnen Spaß machen und wie sie entsprechende Kameraden finden. Dennis und Mirko, Kenan, Kevin und Lan, sie kamen bereits mit Vergnügen in die "Spiel- und Lernstube" des Kinderschutzbundes, wo sich Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren treffen, die von Lehrern oder dem Jugendamt für das Betreuungsprogramm empfohlen werden. Jetzt, wo sie aus dem Alter raus sind, ist "Zeit für Jungs" ein echter Glücksfall für sie. Der 24-jährige Martin Höhler ist ein gelassener Gruppenleiter, der seine Erfahrungen aus einem Lehramtsstudium, aus dem Zivildienst bei der Lebenshilfe und einem langen Sonderschul-Praktikum in die Arbeit mit den Jungs einbringen kann. Ein typischer Dienstag bei "Zeit für Jungs" beginnt mit einem kleinen Fußballspiel im Kulissen-Hinterhof. Dann besprechen sie, welchen der Rintelner Sportvereine sie sich näher ansehen wollen und wann sie Jugendfeuerwehr und Technisches Hilfswerk erkunden. Kevin und Lan bauen ein Segelflugzeug aus Holz und Papier. Mirko schnitzt, Dennis sägt mit der Laubsäge und Kenan, der schon 14 Jahre alt ist, holt die Fuchsschwanzsäge dazu und zeigt, wie gut und schnell es damit geht. Später werden sie zum Fußballfeld an der Jugendherberge zu gehen, wo sie mit ein paar anderen Jungs zum Spiel verabredet sind. Einmal im Monat treffen sich alle auch am Wochenende, zur Fahrradtour, zum Schwimmen oder für eine Wanderung mit Zelt und Lagerfeuer. Bis zum nächsten Winter werden sie zusammenbleiben. Und wer weiß, vielleicht entsteht dann eine neue Gruppe "Zeit für Jungs".

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