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Vor Gericht: 59-Jähriger aus Steinbergen räumt Missbrauch ein / Angeklagt sind 140 Fälle

Kinderschänder-Prozess beginnt mit Geständnis

Steinbergen/Bückeburg (ly). Zum Auftakt des Kinderschänder-Prozesses gegen einen 59-Jährigen aus Steinbergen hat der Angeklagte gestern eine Art Geständnis abgelegt. Vor der 1. Großen Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts geht es um 140 Fälle von Missbrauch. Alle Taten seien "mit einem Eindringen in den Körper verbunden" gewesen, wie es inder Anklageschrift heißt. Zu Beginn der Übergriffe soll einer der Jungen erst elf Jahre alt gewesen sein.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

Sexuelle Kontakte mit den zwei Kindern gibt der Angeklagte zu, bestreitet aber die Anzahl. Auch mit Drohungen will der 59-Jährige, der zwischenzeitlich in eine weit entfernte Stadt umgezogen ist und dort in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt, nichts zu tun haben. "Ich bin nicht gewalttätig", erklärte er. Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein wirft dem Witwer dagegen vor, zumindest eines der Kinder eingeschüchtert und gefügig gemacht zu haben. So soll der eher schmächtige Mann angekündigt haben, seinen Sohn zu holen, damit dieser den 13-Jährigen und dessen Vater "kaputt haue". Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft erstreckt sich der Tatzeitraumüber mehrere Jahre. Begonnen hat der Missbrauch demnach im März 2002. Etwa einmal pro Woche soll es in Wohnungen des Steinbergers zu Übergriffen gekommen sein. Ein Junge, laut Anklageschrift in 138 der 140 Fälle das Opfer, habe dafür Bier, Zigaretten, Telefonkarten für sein Handy oder Geld bekommen, zwischen 20 und 50 Euro monatlich. Anfangs, wenige Jahre nach dem Tod seiner Frau, will der zurückgezogen lebende Mann das Nachbarskind "nur gestreichelt und in den Arm genommen" haben. "Ich habe mich sehr einsam gefühlt und irgendwie verkehrte Liebe gesucht", erzählte er. Mit den sexuellen Annäherungen, die später folgen sollten, war der Junge angeblich einverstanden. "Ich habe ihn jedes Mal gefragt", versichert der Angeklagte. Nach einem Umzug innerhalb Steinbergens hatte der Witwer einen anderen Jungen kennen gelernt und Ende 2005 den Angaben zufolge ebenfalls missbraucht. Während der Vernehmung eines der mutmaßlichen Opfer wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der zweite Junge soll morgen gehört werden, wenn der Prozess fortgesetzt wird. Viel könnte in diesem Verfahren von einem psychiatrischen Gutachten abhängen, das Klarheit über den Geisteszustand des Angeklagten bringen soll. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem 59-Jährigen mehrere Jahre Haft. Es sind zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt.

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