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Weltkindertag: Jedes sechste Kind in Schaumburg lebt von "Hartz IV" / "Kreislauf der Armut" hat vielfältige Ursachen

Kinderarmut: Es liegt nicht nur am fehlenden Geld

Landkreis (ssr). Heute ist Weltkindertag. Durchaus Anlass für das Augenmerk darauf, dass es auch in einer wohlhabenden Region wie Schaumburg viele Kinder gibt, die in relativer Armut leben. Wir haben Fakten gesammelt und stellen ein Einzelbeispiel vor.

veröffentlicht am 20.09.2008 um 00:00 Uhr

Die Armut grenzt Kinder aus vielen sozialen und menschlichen Ber

Rund 4100 Kinder unter 15 Jahren leben im Schaumburger Land in Familien, die "Hartz IV" beziehen - das ist etwa jedes sechste Kind. Dass dies freilich nur ein ungefähres Kennzeichen für Armut sein kann, darauf verweist die Sozialdezernentin des Kreises, Eva Burdorf. Denn keineswegs in jeder "Hartz IV"-Familie seien auffällig verarmte oder gar verwahrloste Kinder anzutreffen. "Selbstverständlich gibt es ,Hartz IV'-Haushalte, in denen Kinder zwar notgedrungen sparsam, aber durchaus gesund und fürsorglich aufgezogen werden." Andererseits gebe es Familien, die kein "Hartz IV" beziehen, deren Einkommen aber so knappüber diesem Satz liegen, dass zumindest phasenweise materielle Armut eintritt. Burdorf nennt ein Beispiel: "Ein Postbote als Alleinverdiener mit drei Kindern, dem die Waschmaschine kaputt geht, der muss monatelang sparen, bis er eine neue kaufen kann." Rein materielle Nöte, die sich etwa dadurch ausdrücken, dass Kinder morgens hungrig zur Schule kommen, sind nach Auffassung von Burdorf demnach ein wichtiger, aber nicht alleiniger Ausdruck für Armut. Vielmehr gehören soziale Merkmale zum Kreislauf von Armut und deren Auswirkungen auf Kinder. Ein geringer Bildungsstand von Eltern gehöre oft dazu, ebenso eine schwache Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eine geringe Fähigkeit zu kommunizieren, Fehlernährung, der Missbrauch von Medien oder die Unfähigkeit, Kinder angemessen zu erziehen. Der Anteil von armen Familien mit Migrationshintergrund sei unzweifelhaftüberproportional hoch. Nach Erkenntnissen der Experten der Sozial- und Jugendämter verstärken sich nach den Worten Burdorfs die genannten sozialen Schwächen mit finanziellen Problemen und bilden einen "Kreislauf der Armut", der nicht selten auf die nächste Generation übertragen wird. Insofernist Burdorf überzeugt, dass Kinderarmut hierzulande nicht ausschließlich durch höhere Finanztransfers bekämpft werden sollte. Sondern wichtig sei ein umfassendes Angebot an Beratung und Begleitung (wie Elterntraining, Familienhilfe, Erziehungsbeistände, Sprachkurse oder spezielle Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit). Wichtig sei vor allem, diese Hilfen vorbeugend anzusetzen - ganz nach dem Motto: je frühzeitiger geholfen wird, desto wirksamer.

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