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Selbstbewusstsein durch Seminar gestärkt / Rollenspiele für mehr Mut

Kinder müssen nicht höflich sein

Rehren (la). Erwachsenen gegenüber müssen Kinder Respekt haben, nett und höflich sein. So werden die Kinder in den meisten Familien erzogen - doch genau das kann sie auch in Gefahr bringen.

veröffentlicht am 01.10.2008 um 00:00 Uhr

Mutig liegen die Kinder auf der Matte, während die Eltern eine z

"Ihr müsst nicht mit Erwachsenen reden, wenn sie euch auf der Straße ansprechen. Ihr dürft einfach weitergehen", erklärte Kerstin Sander den 17 Zweitklässlern der Grundschule Auetal. Gemeinsam mit ihren Eltern haben die Kinder am vergangenen Wochenende an einem Seminar des Instituts für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (I-GSK) teilgenommen, um mehr über Gewaltprävention und Konfliktlösungen zu erfahren. Die Mutter, Tanja Buchholz, hatte das Seminar erneut organisiert. "Ich finde das Thema einfach unheimlich wichtig, und die große Resonanz zeigt, dass ich nicht allein so denke", sagte Tanja Buchholz. Die Stärkung des Selbstbewusstseins, Ängste nehmen und richtiges Handeln in bedrohlichen Situationen sollten die Kinder lernen. Sie wurden sensibilisiert, mögliche Gefahren frühzeitig wahrzunehmen, "Grenzverletzungen" zu erkennen und sich verbale Körpersprache anzueignen. Geübt wurden zahlreiche Situationen in Rollenspielen. So die Gefahr, die für Kinder besteht, wenn ein Auto neben ihnen hält und sie vom Fahrer angesprochen werden. Kerstin Sander demonstrierte den Kindern eindrucksvoll, wie schnell ein Kind in ein Auto gezogen werden kann. Grenzen erkennen und für sich beanspruchen war die Übung eines anderen Rollenspiels. Kerstin Sander kam dem neben ihr sitzenden Kind langsam immer näher. Sie lobte die schönen langen Haare, zeigte auf das witzige T-Shirt und rückte näher und näher. Die Kinder fühlten sich zunehmend unwohl, das war deutlich zu erkennen. Trotzdem dauerte es bei einigen recht lange, ehe sie mutig einfach aufstanden und gingen. Verbal und dabei sehr laut, zeigten die Kinder ihre Grenze, als sie den Erwachsenen gegenüberstanden und von ihnen zum Mitgehen aufgefordert wurden. Sie hoben die Arme, "wehrten" die Erwachsenen ab und riefen dabei laut "Nein". "Das muss man mit Kindern üben, damit sie sich in einer Gefahrensituation auch wirklich verbal wehren", weiß Kerstin Sander. Zwischendurch gab es immer wieder Spiele zur Auflockerung - aber immer mit dem Hintergrund, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken. Mut und Vertrauen zu ihren Eltern mussten die Zweitklässler beweisen, als sie sich auf eine dicke Matte legten. Die Erwachsenen hielten eine zweite Matte in den Händen und ließen sie auf die Kinder plumpsen. Natürlich achtete Kerstin Sander genau darauf, dass jedes Kind die richtige Haltung hatte, damit niemand verletzt wurde. Den Mut zu haben, bei anderen Menschen Hilfe zu holen, ist für Kinder nicht einfach. Kerstin Sander besprach mit den Kindern, wo sie hingehen könnten, wenn sie Angst haben oder ihnen eine Situation nicht "geheuer" ist. "Geht dahin, wo viele Menschen sind. In ein Geschäft, die Bank oder Post", riet die Seminarleiterin. "Und schreit laut um Hilfe, wenn ihr glaubt, in Gefahr zu sein." Die Eltern unterstützten ihre Kinder bei dem Seminar und hatten die Möglichkeit, das Verhalten ihrer Sprösslinge in Gefahrensituationen zu beobachten und zu verstehen. Oftmals reagierten die Kinder völlig anders, als es ihre Eltern erwartet hatten. "Dieses Seminar ist keine Garantie dafür, dass ihren Kindern nichts passieren kann, aber ich bin sicher, dass sie gelernt haben, wie sie sich wehren können und dass sie das auch tun müssen", sagte Kerstin Sander abschließend. Weitere Informationen zu Seminaren des I-GSK gibt es im Internet unter www.i-gsk.de.



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