weather-image
-2°
Fahndung mit Hubschrauber / Eheleute polizeibekannt: "Gewalt und Alkohol leider an der Tagesordnung"

Kinder (7 und 11) erleben Familientragödie mit

Hohenrode (crs). Gestern Nachmittag, 15 Uhr. Ein Polizeihubschrauber kreistüber dem Hohenroder Liethweg und dem angrenzenden Waldstück, mehrere Streifenwagen sind im Einsatz, etliche Beamte in Zivil. Gesucht wird ein 54-jähriger Familienvater aus Hohenrode, der im Verdacht steht, seine 45 Jahre alte Ehefrau bereits am Abend zuvor getötet zu haben. Von ihm fehlt zunächst jede Spur - deswegen das Großaufgebot. Nach einer halben Stunde Suche sichtet die Besatzung des Hubschraubers den Mann: Er hatte sich im Wald unter einem Baum versteckt. Der 54-Jährige wird gestellt und festgenommen.

veröffentlicht am 19.02.2007 um 00:00 Uhr

Die Wohnung der Familie in einem Mehrfamilienhaus am Hohenroder

Erst nach und nach klärt sich das Ausmaß der Tragödie, die sich hier abgespielt haben muss. Nach bisherigen Erkenntnissen ist es in den späten Abendstunden des Sonnabend zu einer heftigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten gekommen. Nach Auskunft von Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, soll dies kein Einzelfall gewesen sein: "Gewalttätigkeiten, Streit und starker Alkoholkonsum waren in der Familie leider an der Tagesordnung", sagt sie. "Die Kollegen kennen die Familie gut." Doch diesmal eskalierte der Streit. Im Verlauf der Auseinandersetzung griff der Mann gegen 23 Uhr offiziell unbestätigten Angaben zufolge zu einer Axt und tötete seine Frau, offenbar mit Schlägen auf den Kopf. Seine Motivlage ist bislang ebenso ungeklärt wie der genaue Tathergang und die Todesursache. Zwei Kinder der Familie, ein sieben Jahre alter Junge und ein elf Jahre altes Mädchen, haben die Tragödie offenbar mit eigenen Augen miterlebt; zumindest die Elfjährige hat nach Polizeiangaben alles mitbekommen. Doch damit nicht genug: Auf Anweisung des Vaters musste das Mädchen gestern Vormittag dabei helfen, die in einen Wäschesack gewickelte Leiche ihrer Mutter in einem etwa 30 Meter entfernten Waldstück zu vergraben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Leiche mutmaßlich in der Wohnung der Familie in dem Mehrfamilienhaus gelegen. Bekannt wurde die Tat erst gestern Mittag gegen 13 Uhr: Da vertrauten sich die beiden sieben und elf Jahre alten Kinder des Ehepaares ihrem 22-jährigen Bruder an, der ebenso wie zwei weitere Geschwister nicht mehr zu Hause lebt. Dieser verständigte sofort über Notruf die Polizei, welche die Leiche der Mutter im Dickicht entdeckte, zum Teil von Gegenständen bedeckt, und die Fahndung nach dem Vater einleitete. Zurzeit werden die Wohnung und der Fundort der Leiche durch Spezialkräfte der Spurensicherung untersucht, Rechtsmediziner aus Hamburg sind zum Fundort der Leiche unterwegs. Erst nach der Obduktion sind genaue Auskünfte zur Todesursache möglich. Die beiden Kinder der Familie, die die Tragödie miterlebt haben, werden psychologisch betreut. Bereits in der Vergangenheit war die sozial schwache Familie mehrfach auffällig geworden: Der Mann soll vor einigen Jahren mit einer Waffe durchs Dorf gelaufen sein, mehrmals war die Polizei von Nachbarn wegen Ruhestörungen gerufen worden. Außerdem hatte es bereits eine heftige körperliche Auseinandersetzung zwischen einem Sohn der Familie und dem Vater gegeben, in deren Verlauf auch ein Messer im Spiel war. Eine Kriminalakte gibt es deswegen zwar bei der Polizei - aber: Die Familie hatte sich damals entschieden, das intern zu regeln.

0000439974-12-gross.jpg

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare