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Live in der "Kulisse": Ruhrpott-Kabarett mit Andrea Badey / Einfühlsame Chansons und witzige Plaudereien

"Kind bleiben, ist ein Männerberuf! Hat Omma gesacht!"

Rinteln. Eigentlich nicht ganz einzusehen, warum das Gastspiel von Andrea Badey in der "Kulisse" nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft war, denn was diese Ruhrpott-Entertainerin musikalisch wie sprachlich und mimisch unter dem Programmtitel "Wunder gibt es immer wieder" zu bieten hat, ist allemal eine vergnüglich-sentimentale Lektion in Lebensbehauptung von hohem Unterhaltungswert.

veröffentlicht am 06.03.2007 um 00:00 Uhr

"Ja wo isser denn? Muss wohl auch nachm Arzt!" Foto: tol

Autor:

Ulrich Reineking

Die bekennende Oberhauserin, die sogar eine Klopapierrolle als Stola tragen darf ("In mir ist soviel Stadt") - sie weiss, dass man im Leben "alles falsch machen darf - nur nichts auslassen" und in ihrem Bühnen-Ich bemüht sie dazu als oberste Instanz die "Omma", die zwischen dem Schnäpschen und dem Kukident-Haftpulver immer noch irgendeine Lebensweisheit auf der frechen Zunge führt: "Wat bleibt, ist die Liebe. Allet andere is noch schlimma!" Und wenn das Wissen darum nicht hilft, gilt allemal das Rezept: "Nachn Arzt"... Badey lässt es zwischen Beziehungs-Szenen und alltäglichen Katastrophen menscheln ohne Ende, informiert beredt über die Bedeutung des Tragfens weißer Schuhe und stellt bedauernd fest: "Kind bleiben, ist ein Männerberuf!" Wo sie singt, da hört man von weitem die ganz großen Damen des Chansons aus dem Olymp der Kleinkunst durch und freut sich doch umso mehr, dass diese Frau Badey so wunderbar nah ist. Berührend vor allem ihre Version des "Moonriver", die sie mit kecken Sprücken über "dat dünne Ötry Hepörn" einleitet. Ihre beiläufig wirkenden, aber sprachlich stets auf den Punkt gebrachten Monologe sind eher verbindendes Erzählen zwischen den von Stefan Kaspring am Klavier aufmerksam begleiteten Liedern denn kabarettistische Parforce-Ritte, obwohl sich die gelernte und geborene Oberhausenerin durchaus auch auf Knalleffekte versteht. Schließlich gilt auch hier die Devise: "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht!" Andrea Badey erobert ihr Rintelner Publikum nicht im Sturm, sondern in einem anderthalbstündigen Prozess des Werbens und Irritierens, Angreifens und Animierens und zum Schluss haben doch fast alle das Gefühl, einen wunderbaren Abend erlebt zu haben - wofür die Künstlerin sich mit Katja Epsteins "Wunder gibt es immer wieder" bedankt, in das allerdings jede Menge Joy Fleming und sogar ein bisschen Janis Joplin einfließen. Dass sie mit ihrem nächsten Programm wiederkommen wird - man darf es wohl hoffen.



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