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Immer wieder schön in München: HSV-Fan-Club-Vorsitzender Rennekamp über schlaflose Nächte und geplatzte Träume

"Keiner wollte mit dem HSV das erste Mal absteigen"

Obernkirchen. Direkt nach dem Ende der Bundesliga in den Urlaub: Auch von der turbulenten Saison musste Uwe Rennekamp, Vorsitzender des HSV-Fanclubs "Blauer Stern Schaumburg", sich erst einmal erholen. Den Fragen von (Bayern-Fan) Frank Westermann hat er sich natürlich trotzdem gestellt. Ehrensache.

veröffentlicht am 04.06.2007 um 00:00 Uhr

Uwe Rennekamp

. Vom Champions-League-Himmel in die Abstiegshölle und fast wieder zurück: An Emotionen hat es den HSV-Fans wohl nicht gefehlt. Wie oft haben Sie schlecht geschlafen? Das ist wirklich gut ausgedrückt. Von der Champions-League in die Abstiegshölle und fast wieder zurück, so kann man den Saisonverlauf unseres HSV sehr gut beschreiben. Diese Saison war wirklich einer der emotionalsten Saisonverläufe, die ich als HSV-Fan miterlebt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh, das diese Horrorsaison seit zwei Wochen zu Ende ist. Wie oft ich schlecht geschlafen habe? Da kann ich nur sagen: Ich habe sehr oft schlecht geschlafen. Denn an einem Spieltag war man auf den Tabellenplatz 9 oder 10, am nächsten Spieltag war man wieder, da man wieder einmal nur Unentschieden gespielt hat, 13. oder 14. und stand mit einem Fuß auf einen Abstiegsplatz. Kein Wunder, dass man, wenn man nachts aufwacht, gleich wieder die Tabelle und das nächste Spiel vor Augen hatte. Mal ehrlich: Gab es einen Moment, in dem Sie gedacht haben, wir steigen ab? Vom Potenzial her, von dem, was in der Mannschaft steckte, habe ich nie an Abstieg gedacht. Als wir jedoch zu Beginn der Rückrunde auch nicht die Siege eingefahren haben, die wir fest eingeplant hatten, wurde ich schon ein bisschen nervös. Zumal ja alle Mannschaften vom Platz 7 an gegen den Abstieg spielten. Eine derartige Konstellation hat es seit Gründung der Fußball-Bundesliga ja noch nie gegeben. Dazu kam, dass es erst einmal seit Gründung der Fußball-Bundesliga einer Mannschaft gelungen ist, die mit so wenigen Punkten am Ende der Hinrunde da stand, nicht abzusteigen. Wir sind nun die zweite Mannschaft, der das gelungen ist. Und ich denke, das wir gestärkt aus dieser sehr schwierigen Saison hervorgehen werden. Sprechen wirüber die magischen Momente: Rafael van der Vaarts Fernschuss in der Rückrunde gegen den FC Bayern war wohl das schönste Tor der Saison. Damit blies er zur Jagd des HSV auf den UI-Cup-Platz. Was hat Sie am meisten begeistert? Wenn man sich anschaut, gegen wenn unser HSV in der Rückrunde drei Punkte eingefahren hat, so hat mich das am meisten begeistert: die Siege auswärts gegen Bremen, auf Schalke und natürlich der tolle Sieg beim FC Bayern München. Da waren schon sehr viele Emotionen im Spiel, und wenn man sich einmal die Tabelle anschaut, weiß man, wie wichtig diese Siege gegen die angeblich Großen der Liga gewesen sind. Sie haben zu Beginn der Rückrunde dem Vorstand vorgeworfen, den Erfolg verkauft zu haben. Jetzt hat der neue Trainer mit genau dieser Mannschaft die zweitbeste Rückrunde aller Teams gespielt, Haben Sie zu Unrecht kritisiert? Tja, wenn man sich nur die Rückrunde anschaut. kann man behaupten: ja. Aber man muss sich ja die gesamte Saison anschauen, und da blieb man weit hinter den gesteckten Zielen zurück. Schließlich ist man ja in die Saison mit dem Ziel gestartet, möglichst ganz oben anzugreifen. Und das ist nicht gelungen. Und ich behaupte auch, hätte man die Mannschaft so beibehalten wie in der vorherigen Saison und hätte man sich im Sturm mit zwei Topspielern verstärkt, dann hätten wir locker um die Meisterschaft mitgespielt. Aber das ist nun Vergangenheit. Die aktuellen Spieler haben in der Rückrunde den Karren noch einmal aus dem Dreck gezogen - und das muss man den Jungs nach Ende der schrecklichen Hinrunde hoch anrechnen. Und darauf können wir alle der Verein, das Umfeld, die Spieler, der Trainerstab und vor allem die fantastischen HSV-Fans stolz sein. Auch wir HSV-Fans haben einen großen Anteil daran, dass wir die Rückrunde so erfolgreich gespielt haben. Statt die Spieler zu beschimpfen, nach jeder Aktion auszupfeifen oder eine Sitzblockade vor dem HSV-Bus zu machen, haben alle HSV-Fans geschlossen unsere Jungs permanent unterstützt. Die ganze Rückrunde lief unter dem Motto: Jetzt erst Recht - nur der HSV ! Der HSV ist ja plötzlich der Angstgegner des FC Bayern. Wie fühlt man sich als Fan, wenn man nach München zum Spiel fährt? Man fühlt sich richtig gut und siegessicher. Und man fährt mit einem richtig großen Selbstbewusstsein in die Landeshauptstadt Bayerns. Zumal immer wieder 10 000 HSV-Fans das Spiel in München zu einem Heimspiel machen, von den Bayern-Fans hörte man in den letzten beiden Spielen nämlich so gut wie gar nichts. Ihr Spieler der Saison? Frank Rost und Rafael van der Vaart. Begeistert hat mich aber auch die Einstellung der meisten Spieler in der Rückrunde, die endlich begriffen haben, für welche Mannschaft sie eigentlich spielen. Nämlich für den "Dino" und "Traditionsclub" des Deutschen Fußballs, den großen HSV. Keiner von den Spielern aus den aktuellen Kader wollte in seiner späteren Chronik stehen haben, ich bin ein Spieler vom HSVgewesen, der das erste Mal mit dem HSV abgestiegen wäre. Mal angenommen, der HSV erreicht das Uefa-Pokal-Finale und spielt gegen Bayern. Darf ich dann in Ihrem Bus mitfahren? Naja, das ist ja noch so lange hin, aber denkbar. Sollte es so kommen, haben wir kein Problem damit, Sie mitzunehmen. Dann hätten Sie auch viele Schaumburger dabei, die Sie nach dem Spielende trösten würden.



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