weather-image
25°
Interview mit Eilsens Bürgermeisterkandidat Bernd Schönemann: Eine Verwaltung wird pragmatisch geführt

"Keiner Partei anzugehören, das ist ein Vorteil"

Eilsen (tw). Er ist Amtsrat in Eilsen und will am 10. September Chef im Rathaus werden: Bernd Schönemann. LZ-Redakteur Dr. Thomas Wünsche sprach mit dem Parteilosen, der für die CDU das Rennen um die Nachfolge von Heinz Wischnat machen soll, über seinen Wahlkampf und seine Ziele.

veröffentlicht am 24.08.2006 um 00:00 Uhr

"Ich bin ein echter Schaumburger und Eilser": Bernd Schönemann (

Herr Schönemann, gemessen an Ihrem SPD-Mitbewerber Oliver Keller haben Sie Ihren Wahlkampf spät begonnen. Warum? Glauben Sie, der Sieg sei Ihnen schon so gut wie sicher ? Nein. Ich möchte die Frage umdrehen: War es klug, dass Herr Keller so früh mit seinem Wahlkampf begonnen hat? Ich kann mir vorstellen, dass die Bürger keinen Wert darauf legen, mit sich immer wiederholenden Aussagen und Prospekten überhäuft zu werden. Ich selbst bin spät gestartet, weil ich beruflich stark eingespannt bin. Außerdem wollte ich mein Wahlprogramm - alleine - in Ruhe ausarbeiten. Das habe ich im Urlaub getan. Seitdem bin ich pausenlos unterwegs, verteile das Programm persönlich in den Eilser Haushalten. Sie kandidieren als Parteiloser für die CDU, wollen der Partei auch später nicht beitreten. Haben Sie Berührungsängste? Nein. Ich halte es für einen Vorteil, keiner Partei anzugehören. Nur so kann ich offen für die Anliegen aller Parteien sein. Für die Ratsmitglieder ist es auch einfacher, auf einen parteilosen Bürgermeister zuzugehen. Eine Verwaltung wird nicht sozial- oder christdemokratisch, sondern pragmatisch geführt. Unabhängig davon wird es auch künftig so sein, dass ein Feuerwehrauto rot ist und eine Straße schwarz geteert wird. Kritiker behaupten, Sie seien zu "lieb", könnten nicht Nein sagen. Meinen Sie, Sie können so eine Verwaltung führen? Diese Aussage trifft nicht zu. Ich führe Abteilungen dieser Verwaltung bereits seit zwölf Jahren. Darunter war früher auch das Sozialamt. Da musste ich oft Nein sagen. Das führte dazu, dass ich vier Dienstaufsichtsbeschwerden erhalten habe. Die habe ich nicht bekommen, weil ich Ja, sondern weil ich Nein gesagt und den Antragstellern/innen Leistungen nicht gewähren konnte. Davon abgesehen gilt: Lieb zu sein, wie Sie es nennen, ist sicher ein besserer Charakterzug als böse zu sein. Oder? Die Wahlaussagen von Ihnen und Oliver Keller unterscheiden sich kaum. Wird derjenige von ihnen beiden das Rennen machen, der die "schönere Nase" hat? Die Wahlaussagen unterscheiden sich nicht nur zwischen Oliver Keller und mir kaum. Sie unterscheiden sich auch zwischen den Parteien innerhalb der Samtgemeinde fast nicht. Am Ende einer Ratsperiode zeigt sich meist, dass 98 Prozent aller Entscheidungen einvernehmlich getroffen wurden. Wer die schönere Nase hat - das mögen andere beurteilen. Ich bin mir sicher, dass es am 10. September nicht nach der Nase, sondern nach Kompetenz, Qualifikation und Erfahrung geht. Mal ganz ehrlich: Warum sollen die Eilser Sie zum Samtgemeindebürgermeister wählen? Aus mehreren Gründen. Ich bin ein echter Schaumburger und Eilser. Ich habe die geeignetste Ausbildung (Verwaltungsdiplom), arbeite seit 1992 für die Samtgemeinde. Dort habe ich fast alle Ämter geleitet. Durch meine Tätigkeit als 1. Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins und Mitglied des Kirchenvorstands seit 1994 bin ich hier fest verwurzelt. Dadurch, dass meine Frau ein Hotel führt, bekomme ich in Sachen Tourismus sehr viele Interna mit, kenne die Probleme. Und mit 48 Jahren kann auch ich "frischen Wind in die Verwaltung" bringen. Dank meiner Erfahrung kann ich dabei allerdings eher die Richtung bestimmen, aus der er weht und welche Stärke er haben wird. Welches Projekt würden Sie nach einem Wahlsieg als erstes anschieben? Ich werde mich als erstes um die Förderung des Bereichs Kindergarten, Krippe und Hort kümmern. Die Kinder von heute sind unsere Zukunft. Doch dort liegt vieles im Argen. Statistiken belegen, dass Fünf- bis Sechsjährige täglich bis zu vier Stunden vorm Fernseher sitzen. Bei meiner Arbeit als Leiter des Sozialamtes habe ich das in einigen Familien oft vor Ort erlebt. Es gibt Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind. Hier müssen Staat und Kommune helfen. Deshalb plädiere ich zum Beispiel für eine Kindergartenpflicht. Morgen : Interview mit Oliver Keller (SPD). Nicht vergessen: Am Dienstag, 29. August, 19 Uhr, beginnt im Heeßer Krug eine von dieser Zeitung moderierte öffentliche Podiumsdiskussion mit beiden Kandidaten.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare