weather-image
Abschluss der Vortragsreihe "Confessio": Baptistische Gemeinde am Blumenwall

Keine Steuer, eindrucksvolle Taufe - und: "Jeder Baptist ein Missionar!"

Rinteln (cok). Dass die baptistische Gemeinde in der Christuskirche am Blumenwall selbstbewusst und aufgeschlossen auf andere christliche Glaubensbekenntnisse zugehen kann, hat sie eindrucksvoll mit der Vortragsreihe "Confessio - ich bekenne" bewiesen, in der sich nacheinander die elf Kirchengemeinden und Glaubensgemeinschaften des Landkreises vorstellten. Zum Abschluss nun ging es im Vortrag von Pastor Detlev Brandt um das Glaubensbekenntnis der Gastgeber selbst.

veröffentlicht am 26.02.2007 um 00:00 Uhr

Selbstbewusst und aufgeschlossen: Lothar Fischer (l.) und Pastor

Was viele in Deutschland nicht wissen: Die Baptisten gehören mit insgesamt 150 Millionen Mitgliedern zur größten protestantischen Kirche der Welt. Ihre wichtigste Grundlage, die so genannte "Glaubenstaufe", fand seit Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem in Amerika den allergrößten Zuspruch: Nicht als unmündiges Kind soll der Mensch getauft werden, sondern erst als verantwortungsbewusster Erwachsener, der sich damit persönlich zu seinem Gott bekennt. In Europa war die Ablehnung der Kindertaufe ein Skandal, die Baptisten wurden verfolgt, ihr Name, der sich aus dem Griechischen ableitet und "untertauchen" bedeutet, galt als Schimpfwort. Und obwohl es inzwischen auch in Deutschland etwa 800 000 Baptisten gibt, die sich als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Bund der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden zusammengeschlossen haben, gelten sie hier immer noch eher als Exoten. "Oft hören wir: Ihr seid wohl eine Sekte?", sagte Pastor Detlef Brandt. Sein Vortrag zeigte aber, wie konsequent die Baptisten in der reformatorischen Tradition verwurzelt sind. Sie stellen die Bibel als Wort Gottes in den Mittelpunkt, brauchen keinen Vermittler zwischen Gott und Mensch, und jedes Gemeindemitglied darf Taufe, Abendmahl und Predigt vollziehen. Von jeher bestehen sie auf einer Trennung von Kirche und Staat, deshalb verzichten sie auf den Einzug von Kirchensteuern, stattdessen finanzieren sie sichüber freiwillige Beiträge. Jede Gemeinde ist nur sich selbst verantwortlich und muss keiner höheren Kircheninstanz Rechenschaft ablegen über ihre personellen und finanziellen Entscheidungen. Wie in vielen Freikirchen spielt die "Evangelisation" eine wichtige Rolle: "Jeder Baptist ein Missionar!" Der lebendige Glaube in christlicher Nächstenliebe entscheidet, ob ein Mensch in Gottes Heilsplan aufgenommen wird. Dementsprechend eindrucksvoll ist der Taufakt, während dessen der Täufling bis zur Hüfte im Wasser steht und sich dann vertrauensvoll in den Arm des Pastors lehnt, der ihn nach hinten einmal ganz untertaucht. Die Rintelner Baptistengemeinde besteht seit 60 Jahren. Gemeindemitglied Lothar Fischer gehörte zu den ersten Mitgliedern, die 1946 nach dem Krieg zum großen Teil Flüchtlinge aus Ostpreußen waren und alle wunderschön singen konnten, so dass mehrstimmige Choräle eine Selbstverständlichkeit waren in den Gottesdiensten, die zunächst in Turnhalle oder Zeichensaal der damaligen Stadtschule in der Klosterstraße stattfanden. Fischer erzählte, wie die Gottesdienstbesucher aus den umliegenden Dörfern klaglos zu Fuß ankamen und später nach Kräften mithalfen, das Gebäude am Blumenwall 1957 zur "Kapelle" auszubauen. Heute hat die Baptisten-Gemeinde etwa 60 Mitglieder. Sie hält guten Kontakt zu den anderen Kirchengemeinden Rintelns - und bereits jetzt ist eine zweite Vortragsreihe geplant, in der auch nicht-christliche Glaubensrichtungen über sich und ihre Geschichte Auskunft geben.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare