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Milchviehhalter "kampfesmutig und entschlossen" / Molkerei befürchtet keine Lieferengpässe

Keine Milch: Schaumburgs Bauern streiken

Landkreis (crs). Schaumburgs Milchbauern streiken. Alle 31 im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) organisierten Betriebe im Landkreis liefern seit gestern keine Milch mehr an die Molkereien, auch einige dem Interessenverband nicht angehörende Milchviehhalter haben sich solidarisch erklärt. Ziel des unbefristeten Lieferstreiks: Um von der Milchproduktion leben zu können, fordern die Bauern 43 Cent pro Kilo Milch und die Umstellung auf ein System, das sich an ihren Kosten orientiert.

veröffentlicht am 28.05.2008 um 00:00 Uhr

Seit gestern geht die Milch an die Kälber: Heike Niehoff aus Möl

Der bundesweite Milchstreik, einmalig in der Geschichte deutscher Milchbauern, war seit Wochen erwartet worden. "Und trotzdem kam er am Ende schneller als gedacht", sagt Heinrich-Jürgen Ebeling aus Rolfshagen, Mitglied des sechsköpfigen Leitungsteams der Milchviehhalter Weserbergland/Lippe. Die Kampfbereitschaft der Milchbauern erklärt Ebeling mit immer schlechteren Konditionen: "Die Preise sind so schlecht, dass wir nicht länger warten konnten." Seit gestern also gilt ein Lieferstopp bei gut der Hälfte der insgesamt 80 Milchbauern im Landkreis - die Tankwagenfahrer mussten unverrichteter Dinge wieder abrücken. Ebeling hofft, dass sich noch weitere Betriebe der Aktion anschließen, schon damit sich keine Gräben auftun: "Denn das wird lange nachhalten für die, die nicht mitmachen." Dass der Streik in drei, vier Tagen beendet sein könnte, glaubt Ebeling nicht mehr: "Das wird länger dauern", befürchtet er. "Aber darauf sind wir eingestellt." Vorerst jeden Abend wollen sich die Streikenden treffen, um die neuesten Nachrichten auszutauschen, um gegenseitig die Moral zu heben. Denn Ebeling zumindest befürchtet demotivierende Aktionen der Molkereien: "Wir müssen mit allem rechnen." Auch Karl-Heinrich Niehoff aus Möllenbeck hält Probleme mit den Molkereien für möglich, beschwört aber genauso den gemeinsamen Willen: "Zusammen stehen wir das durch." Und so sind die Milchbauern "gedämpft optimistisch", was die Erfolgsaussichten des Streiks angeht. "Kampfesmutig und entschlossen" seien die Schaumburger Bauern, sagt Ebeling: "Ich bin überrascht, wie eindeutig sich die Mitglieder positioniert haben." Der Betrieb geht unterdessen weiter wie sonst auch. "Die Kosten haben wir volle Pulle", sagt Ebeling. Gemolken wird nach wie vor, die Milch wird nur nicht an die Molkereien weitergegeben, sondern innerbetrieblich genutzt - damit werden Kälber gefüttert oder Schweine. Und wenn die Tanks voll sind, wird die Milch als Dünger verwendet. "Es ist ganz bitter, den Tank leerlaufen zu lassen", sagt der Möllenbecker Milchbauer Christian Requardt zu dieser Verwertung. "Aber wer heute nicht mitmacht, darf sich morgen nicht beschweren." Zu den Hauptabnehmern der Milchlieferanten aus dem Landkreis zählen die frischli-Milchwerke in Rehburg-Loccum. Geschäftsführer Hans Holtorf misst dem Boykott keine großen Erfolgsaussichten bei: "Wenn der Streik vorbei ist, haben wir wieder das gleiche Problem - so funktioniert kein Markt", verweist Holtorf auf das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die 43-Cent-Forderung der Milchbauern bezeichnet er als "Wunschdenken" und stellt zudem die Solidarität unter den Bauern infrage: "Aus unserer Sicht ist die Beteiligung bislang eher begrenzt." Lieferengpässe bei Milchprodukten jedenfalls seien nicht zu befürchten: "Die Auslieferung ist sichergestellt." Schaumburgs Milchbauern hoffen auf das Verständnis der Bevölkerung. "Wir wollen keine Millionäre werden", sagt Heinrich-Jürgen Ebeling. "Wir wollen nur unser Auskommen haben."



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