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Wildtier- und Artenschutzstation: Igelwelpen nicht aus Nestern nehmen

Keine falschen "Rettungsversuche"

Landkreis/Sachsenhagen (rd). Der Igel ist ein häufiger Gast in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Zwischen 160 und 180 verwaiste oder verletzte Igel werden dort jährlich aufgenommen und versorgt. "Es wären noch viel mehr, wenn wir nicht die vielen gesunden Igel, die Tierfreunde einfangen und in die Station bringen, sofort nach der Eingangsuntersuchung wieder zurück nach Hause schicken würden", sagt Stationsleiter Dr. Florian Brandes. Und "nach Hause" muss man hier wörtlich nehmen, denn einen Igel einfach irgendwo auszusetzen bedeutet, ihn obdachlos zu machen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:57 Uhr

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Nur dort, wo er gefunden wurde, kennt er sich aus und weiß, wo er Nahrung, Wasser und Schlafplätze findet. In den letzten Tagen haben die Anfragen über das korrekte Verhalten beim Fund von Igelnestern zugenommen. Deswegen gibt die Wildtierstation einige wichtige Tipps. Jetzt im August werden nach etwa 35-tägiger Tragzeit die meisten Igelkinder geboren. Unter Gartenlauben, Hecken, Laubhaufen, Holzstapeln oder in Gebäudenischen versteckt werden die Nester von den Igelmüttern angelegt. Da Igel nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind, ist es verboten, ihre Nester zu stören. Entsprechende Arbeiten an solchen Orten sollten möglichst vermieden werden oder erst nach vorsichtigerÜberprüfung erfolgen. Hat ein Hund ein Igelnest aufgespürt, hat der Besitzer dafür Sorge zu tragen, dass dem Hund der Zugang verwehrt wird, um weitere Störungen zu vermeiden. Brandes: "Werden Igelnester doch einmal versehentlich gestört oder geöffnet, sollte man versuchen den ursprünglichen Zustand so weit wie möglich wieder herzustellen und den Ort zunächst in Ruhe lassen." Bis Ende September sind die jungen Igel auf jeden Fall selbstständig und haben das Nest verlassen. Ein weit verbreiteter Irrtum sei es, so Brandes, dass Igelmütter ihre Jungen nicht wieder annehmen, wenn diese angefasst wurden. Dass die Igelmutter nicht immer im Nest anwesend ist, muss nicht beunruhigen, denn säugende Igelweibchen haben neben dem Aufzuchtnest noch weitere Tagesschlafplätze. Wenn sich die Igelmutter dennoch gestört fühlen sollte, wird sie ihre Jungen in der nächsten Nacht in ein anderes Nest transportieren. "Es muss deshalb unbedingt vermieden werden, gefundene Igelwelpen einfach dem Nest zu entnehmen, um sie zu ,retten' ", warnt Brandes. Informationen: Welche Igelwelpen Hilfe brauchen, steht im Internet unter www.pro-igel.de .

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