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Referent Carsten Reuß: GfW-Gäste hören eindeutiges Bekenntnis zur Wehrpflicht

Keine Alternative zum Schutz unserer politischen Lebensgrundlagen

Bückeburg / Minden (bus). In ein eindeutiges Bekenntnis zur Wehrpflicht ist die jüngste Vortragsveranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) gemündet. "Ich sehe keine realistische Alternative zu dieser Form des Schutzes unserer politischen Lebensgrundlagen", sagte Referent Carsten Reuß. Mit dieser Kernaussage traf der Historiker im gut besetzten Saal des Hotels "Bad Minden" auf keinerlei nennenswerten Widerstand. Reuß gab indes zu bedenken: "Wir werden die Wehrpflicht modifizieren und aktualisieren müssen, sie muss gedanklich neu eingebunden werden in einen größeren Zusammenhang der Wiederentdeckung und Stärkung staatsbürgerlichen Engagements in allen gesellschaftlichen Bereichen."

veröffentlicht am 19.03.2007 um 00:00 Uhr

Carsten Reuß

Reuß Ausführungen zum Thema "50 Jahre Wehrpflicht in der Demokratie - Ursprung, Bedeutung, Perspektive" führten das Auditorium bis in das Jahr 1733 zurück, in dem König Friedrich Wilhelm I. mit der preußischen Kantonverfassung eine Vorform der Allgemeinen Wehrpflicht installierte. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 bei Jena und Auerstedt fanden sich reformerische Kräfte aus allen Teilen des Volkes zusammen, um die Fundamente des Staates zu erneuern und den Kampf gegen die Fremdherrschaft vorzubereiten. Die Fortschrittlichsten beabsichtigten darüber hinaus, den allmählichen Wandel von der alten Untertanen- zur Staatsbürgergesellschaft herbeizuführen. Eine grundlegende Staatsreform war nur aber im engen Zusammenspiel der militärischen und zivilen Gewalten denkbar. Mit dem "Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienst" vom 3. September 1814 schrieb Preußen die allgemeine Wehrpflicht fest. Nach der Gründung des Kaiserreiches 1871 wurde die Wehrpflicht in die Reichsverfassung übernommen und auf alle Bundesstaaten übertragen. Am 7. Juli 1956, um 3.45 Uhr morgens, gab der Bundestag nach einer 18-stündigen, äußerst engagiert und teilweise heftig geführten Diskussion seine Zustimmung zum "Gesetz zur Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht", das am 25. Juli 1956 in Kraft trat. Am 1. April 1957 erfolgten die ersten Einberufungen. Den früher immer mal wieder latent unter den Generalverdacht der möglichen politischen Unzuverlässigkeit gestellten Streitkräften droht heute anderes Ungemach. Reuß: "Größer als die Gefahr der Abkehr der Bundeswehr von der demokratischen Gesellschaft erscheint 50 Jahre nach deren Gründung momentan eher der umgekehrte Weg, den Bundespräsident Horst Köhler bereits im Oktober 2005 mit der Formulierung ?freundliches Desinteresse' skizzierte." In seiner Schlussbemerkung ging der Referent noch weiter: "Wir benötigen nicht nur die Wehrpflicht, sondern auch eine grundlegende geistige ,Staatsbürgerpflicht' im ursprünglichen Sinne der preußischen Reformer des 19. Jahrhunderts." Dem Gefühl, Staatsbürger sein zu dürfen, nicht zu müssen, wohne etwas Befreiendes inne und wecke kreative Geister. Eine positiv vermittelte "Allgemeine Dienstpflicht" für Staatswesen und Gesellschaft könne gerade jungen Menschen wieder das Gefühl geben, gebraucht zu werden, könne ihnen helfen, Freude an der Verantwortung zu gewinnen und einen sinnvollen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten. "Dienst in den Streitkräften, im Sozialwesen, im Zivil- und Katastrophenschutz, oder auch im Umweltschutzbereich", gab der stellvertretende Leiter des Mindener Preußenmuseums zu verstehen, "kann alternativ angelegt die Bindung an das Gemeinwesen stärken und ist somit auch Sicherheitsvorsorge und Stabilisierung der inneren Verhältnisse."



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