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Turbulente Hauptversammlung der Neschen AG / Aktionäre machen Front gegen die Führungsetage

"Kein Podium, einen Vorstand zu schlachten"

Bückeburg. Äußerst turbulente Hauptversammlung der Neschen AG gestern Nachmittag im Rathaussaal: knapp sechs Stunden lang löcherten vor allem zahlreiche Kleinaktionäre Vorstand und Aufsichtsrat mit kritischen Fragen - ein Aktionär trug einen Katalog mit 55 Fragen vor - zum Zustand des Unternehmens, der Arbeit vor allem des Aufsichtsrats und der durchgeführten Kapitalerhöhung. Dort im Hintergrund mitschwebend, dass mit den Investoren Bear Stearns und Värde "Heuschrecken" den Einstieg bei Neschen geschafft hätten und weitere schlechte Nachrichten zu erwarten seien. In der Kritik auch der Vorstand, so dass sich schließlich der neue Aufsichtsratsvorsitzende Heinzwerner Feusser genötigt fühlte, für Vorstandssprecher Stefan Zinn und Technik-Vorstand Martin E. Davies in die Bresche zu springen: "Hier auf einer Hauptversammlung ist nicht das Podium, einen Vorstand zu schlachten, das wird es mit mir nicht geben."

veröffentlicht am 22.06.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:48 Uhr

"Wir freuen uns, dass eine so große Anzahl von Aktionären erschi
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Erst während der Versammlung wurde der Antrag auf Einzelabstimmung über die Entlastung für jedes Vorstandsmitglied gestellt, so wie es bereits im Vorfeld ebensolche Anträge für die Einzelabstimmung für die Entlastung des alten Aufsichtsrates gegeben hatte. Bei der Abstimmung wurde schließlich sowohl Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Auch für Rolf-Werner Zinn, der immer wieder in der Kritik der Kleinaktionäre stand. Hier wurde vor allem ein mit jährlich 37 000 Euro dotierter Beratervertrag mit der Neschen AG kritisiert. Deutlich wurde aber auch, dass ein großer Anteilseigner, die Vermögensverwaltung Erbe Dr. Goldschmidt mit einem Anteil zwischen 25 bis 29,9 Prozent an Neschen, nicht mehr unbedingt hinter seiner Investition steht. Ungewöhnlich für eine Hauptversammlung, ergriff der Vertreter dieses Großaktionärs das Wort und bombardierte den Vorstand mit einem detaillierten Fragenkatalog; hakte mehrmals nach, als Antworten unbefriedigend ausfielen: "Wenn Fragen nicht beantwortet werden, kann dass auch Anlass für eine Anfechtungsklage gegen die gesamte Hauptversammlung sein." Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung waren zuvor schon von mehreren Aktionären in den Raum gestellt worden. Vor allem wurden Formfehler wie unterschiedliche Daten etwa unter der Satzung gerügt, die Vorlage des Prüfberichts, aber auch, dass der Jahresbericht des Aufsichtsrates noch vom alten Aufsichtsratsvorsitzenden unterschrieben worden ist - nachdem schon der neue Aufsichtsratsvorsitzende im Amt war. Er sei noch keine 100 Tage im Amt, warb Feusser dafür, dass er zum Teil keine Antworten auf die Fragen geben konnte: "Dafür war die Zeit einfach zu kurz." Er machte aber deutlich, dass unter seiner Regie der Aufsichtsrat künftig mehr die Arbeit des Vorstandes kontrollieren und ihm beratend zur Seite stehen wird. "Vier Aufsichtsratssitzungen pro Jahr reichen nicht aus, die Arbeit, die bei Neschen zu erledigen ist, zu bewältigen." Und Feusser muss wissen, wovon er spricht, wurde er doch als Aufsichtsrat in ein Unternehmen geholt, das vor einigen Jahren ebenfalls auf der Kippe stand. Jetzt ist es saniert und feiert an der Börse Erfolge. In seinem Jahresbericht hatte Stefan Zinn für Vertrauen in das Unternehmen geworben. Mit dem Einstieg des Investors sei die Eigenkapitalquote und die Liquidität deutlich erhöht worden. Auch die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Monate stelle sich positiv dar, im operativen Geschäft würden Gewinne erwirtschaftet. Die Restrukturierung und Refinanzierung der Neschen AG sei abgeschlossen. Das Unternehmen habe sich - vor allem in Europa - stabilisiert und könne wieder wachsen. Anders dagegen die "große Baustelle USA": Dort wird Neschen voraussichtlich erst 2009 Gewinne einfahren



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