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Vor Gericht: Fahrendem Trinker ohne Schein drohen bis zu 40 Monate Haft / Sorge um kleine Tochter

"Kein Ganove, sondern ein braver Gefallener"

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Den Rettungsanker hat er noch geworfen, doch in einer Flut von Vorstrafen fand das Eisen keinen Halt. Es war schlicht zu spät für jene stationäre Alkoholtherapie, in die der Angeklagte (45) sich vor der entscheidenden Gerichtsverhandlung begeben hat.

veröffentlicht am 20.03.2007 um 00:00 Uhr

Nun drohen dem scheinbar unverbesserlichen Wiederholungstäter, der in Obernkirchen seit Jahren ohne Führerschein und gern auch betrunken fährt, bis zu 40 Monate Haft. Acht Monate wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und Fahren und Fahrerlaubnis hat jetzt die Berufungskammer des Bückeburger Landgerichts verhängt. Der Rest sind Strafen zur Bewährung, deren Widerruf vor dem Hintergrund der jüngsten Entscheidung als wahrscheinlich gilt. Leidtragende ist die kleine Tochter des 45-Jährigen, um die sich zurzeit das Jugendamt kümmert. "Warum tun Sie ihr das an?", fragte Richter Friedrich von Oertzen gleich zu Beginn der Verhandlung. Keine Antwort. Dabei sei der Angeklagte "kein Ganove, sondern ein braver Gefallener", wie von Oertzen später erklärte. "Er schadet sich, der Gesellschaft und seiner Tochter." Auf der anderen Seite "helfen wir ihm durch Inkonsequenz nicht weiter", so der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer. "Wenn man immer wieder Bewährung gibt, häuft sich das wie ein Stapel, der schließlich umfällt wie ein Dominostein." Der allein erziehende Vater hatte drei laufende Bewährungen und 13 überwiegend einschlägige Vorstrafen. Alle Chancen vertan, Kredit aufgebraucht: Die Konsequenz in diesem Fall heißt jetzt Haftstrafe. Zuletzt hatte die Polizei den 45-Jährigen während der Fußball-WM im vergangenen Jahr erwischt. In der Hitze einer Fußballschlacht wollte er an jenem Sommertag bei einem Obernkirchener Getränkehändler nur rasch Nachschub für seine durstigen Kumpane holen und warf das Mofa an. Mit 1,18 Promille Alkohol im Blut und einem KastenBier auf dem Gepäckträger fuhr der Zecher Polizisten in die Arme. Nur am Rande: Zu Fuß wären es 750 Meter bis zur Tränke gewesen. Für die Beamten war der Alkoholsünder obendrein ein alter Bekannter. Durch sein auffälliges Verhalten bettelte er förmlich darum, angehalten zu werden. Einen Monat später hatte der Obernkirchener von Mofa auf Mofaroller umgesattelt, bloß leider frisiert. Bei einem kleinen Fahrversuch ermittelte die Polizei Tempo 45 statt 25. Dafür hätte der Pilot eine Fahrerlaubnis gebraucht. Und die hat er schon lange nicht mehr. "Sie scheitern an sich, wir scheitern an Ihnen", erklärte Richter von Oertzen dem 45-Jährigen mit einem Anflug von Resignation. Der Vorsitzende hält es "nicht für ausgeschlossen, dass der Angeklagte nach der Hälfte wieder rauskommt". Wenigstens ein Hoffnungsschimmer.



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