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Nach "Kyrill": Forstamt entrindet gefällte Bäume und beugt Pilzbefall vor

(K)ein Fressen für die Borkenkäfer: Die Baumrinde wird abgeschält

Kleinenbremen/Nammen (ly). Für Borkenkäfer sind gefällte Bäume ein gefundenes Fressen. Und davon gibt es jede Menge, seit im Januar der Orkan "Kyrill" für Kahlschlag gesorgt hat, zum Beispiel in einem drei Hektar großen Fichtenwäldchen an der Autobahnbrücke Kleinenbremen. Auf einmal ließ sich all das Holz dort und anderswo natürlich nicht verkaufen. Ein Teil bleibt erst mal liegen.

veröffentlicht am 20.06.2007 um 00:00 Uhr

Pro Stunde 50 Stämme: Revierförster Achim Büscher und sein Jagdh

"Wir ziehen sämtliche Register, damit es nach den Sturmschäden nicht noch zu riesigen Schäden durch Borkenkäfer kommt", betont Achim Büscher (Nammen), Revierförster in Porta Westfalica. "Es bestand die Gefahr, dass die Käfer sich in den Rinden der gefällten Stämme erst massenhaft vermehren, dann auch gesunde Bäume befallen und diese zum Absterben bringen", erklärt er. Deshalb war jetzt mehrere Tage lang eine mobile Entrindungsmaschine aus Süddeutschland im Einsatz. Das Gerät dient der Konservierung von gefällten Bäumen, gegen die der Käfer sonst leichtes Spiel hätte, weil sie sich nicht mehr wehren können. Für den Schädling dürfte sich das Thema Wirtspflanze damit erledigt haben, denn er zieht seine Brut in der Rinde hoch. "Eine Form der biologischen Schädlingsbekämpfung", wie der Förster erklärt. Gleichzeitig beugt die Entrindung einem Pilzbefall der Stämme vor, als ebenfalls denkbare Folge von "Kyrill" die zweite große Gefahr. "Dabei geht es um den Werterhalt des Holzes", so Achim Büscher. Einerseits ist damit der Industrie gedient, andererseits dem Wirtschaftsbetrieb Forstamt, der einwandfreie Stämme viel besser vermarkten kann. Ohne Rinde ist das Risiko eines Pilzbefalls bei weitem nicht so groß. In Büschers Revier kam die (gemietete) Schälmaschine zum Einsatz. Im übrigen Bereich des Forstamtes Minden, zu dem die Kreise Minden-Lübbecke und Herford gehören, werden die Stämme dagegen unter Folien gelagert, ein relativ neues Verfahren. Dies ermöglicht einen Vergleich. Allein in Porta Westfalica hat der Orkan an die 20 000 Bäume beschädigt, im gesamten Forstamtsbereich etwa 240 000, die entweder abgeknickt waren oder so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass sie gefällt werden mussten. "Ungefähr 60 bis 70 Prozent sind bereits verkauft", berichtet Ralf Seipp vom Forstamt Minden. Trotzdem liegt ein Teil davon noch im Forst, gestapelt als Polter. "Der Wald ist praktisch das Holzlager für die Industrie", erklärt Büscher. Anders geht es auch nicht, denn zum Abtransport in beiden Kreisen brauchte es 4000 Lkw-Ladungen - ein logistisches Problem, das kurzfristig nicht zu lösen wäre. Ralf Seipp rechnet damit, dass bis Ende 2008 das gesamte Sturmholz vermarktet ist. Betroffen sei zu etwa 80 Prozent Nadelholz, überwiegend Fichten für die Industrie. Zu Brennholz verarbeitet wird circa ein Fünftel des Laubholzes, das die restlichen 20 Prozent ausmacht.



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