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"Gottesprobe" machte Angeklagten den Garaus

Kein Baden mehr in den "Hexenteichen"

Buchholz (gp). Still und friedlich geht es heute an den Steinberger "Hexenteichen" unterhalb der Arensburg zu. Nur der Lärm des hoch oben über die Autobahnbrücke hinwegrauschenden Verkehrs stört die beschaulich und abgeschieden wirkende Idylle. Auf Schildern wird auf die Besuchsregeln des als Naturdenkmal ausgewiesenen Areals hingewiesen: Das Betreten ist während der Sommermonate von 10 bis 18 Uhr und im Winternur von 10 bis 16 Uhr erlaubt. Baden, Paddeln oder Angeln sind streng verboten.

veröffentlicht am 26.09.2008 um 00:00 Uhr

Es gab einmal eine Zeit, da wären solche Hinweise gar nicht nötig gewesen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein machten die Leute um die "Arnsborch" herum einen großen Bogen. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, in den - damals schon vorhandenen - Teichen zu baden. Die Gegend war als unheimlich, düster und gruselig verschrien. Grund: Im 17. Jahrhundert gingen in den abgelegenen Burgkatakomben der Grafen zu Schaumburg und Schaumburg-Lippe zahlreiche Hexenprozesse über die Bühne. Als "peinlicher Ambtsancläger" war der dort sitzende gräfliche Amtsverwalter zuständig. Folter und Urteilsvollstreckung vollzog der "Nachrichter" (= Scharfrichter), der dabei von seinen Folterknechten unterstützt wurde. Als geistlicher Beistand stand den Beschuldigten- zumeist Frauen - der Steinberger Pastor zur Verfügung, und um die Verpflegung während der oft monatelangen Verhandlungen kümmerte sich der örtliche Krüger (= Gastwirt). Beide kassierten dafür von den Delinquentinnen je zwei Taler. Eine Zeit lang mussten die laut Anklage "vom Teufel Besessenen" auch eine "Gottesprobe"über sich ergehen lassen - eine ebenso grausame wie unmenschlich-unchristliche Prozedur. Die Opfer wurden gefesselt ins Wasser geworfen. Gingen sie unter, waren sie zwar tot, galten jedoch als unschuldig. Blieben sie oben, wurden sie für schuldig befunden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt - nach einem Kirchenbucheintrag am 11. November 1699 allein "20 Personen" aus Obernkirchen. Erst allmählich verflüchtigte sich der Spuk. Mehr noch: In den Jahren vor und nach den beiden Weltkriegen mauserte sich die Arensburg zu einem der beliebtesten Treffpunkte für Schulklassen sowie Kurgäste und Sommerfrischler aus Bad Eilsen und Steinbergen. Besonders beliebt und bekannt waren Schlossmuseum, Gaststättenbetrieb und nicht zuletzt der Park mit den Hexenteichen.

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