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Langes Bangen um Aufenthaltserlaubnis hat für jungen Kosovaren und St.-Joseph-Gemeinde ein Ende

Kehrtwende mit Herz: Fidan Qorri darf bleiben

Stadthagen (fox). Nicht viel größer als eine Spielkarte ist der bunte Aufkleber im Reisepass von Fidan Qorri, der das Leben des 22-Jährigen um 180 Grad dreht. Seit dem 18. September besitzt der junge Kosovare den "Aufenthaltstitel" für die Bundesrepublik Deutschland - ein Umstand, den der Stadthäger einerseits seinem Ehrgeiz, andererseits zu einem großen Teil dem Engagement der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph zu verdanken hat.

veröffentlicht am 30.09.2006 um 00:00 Uhr

Der bunte Aufkleber im Reisepass hat große Wirkung: Fidan Qorri

"Der ganze Aufwand hätte nicht sein müssen", fasst Pastoralreferent Stefan Hagenberg seine Sicht des aufreibenden Kampfes um die Aufenthaltserlaubnis Qorris in den vergangenen zweieinhalb Jahren zusammen. Immer wieder hatte Hagenberg während dieser Zeit Rückschläge einstecken müssen (wir berichteten). Dazu zählte unter anderem eine gescheiterte Bittschrift an den Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags, in dem sich 800 Schaumburger mit ihrer Unterschrift für das Bleiberecht Fidans Qorris ausgesprochen hatten. Die Duldung Qorris, der Angehöriger der ethnischen Minderheitsgruppe Aschkali ist, lief im August vergangenen Jahres aus. Seitdem hatte sich der 22-Jährige genau genommen illegal im Landkreis aufgehalten. Die Kehrtwende für den Kosovaren kam Ende 2005 und gewissermaßen von Herzen. "Meine Freundin fragte mich, ob ich sie heiraten wolle", erzählte Qorri. Der Stadthäger führte bereits seit rund zwei Jahren eine Beziehung mit der 24-jährigen Deutschen Shyrete Benishe aus Lüdenscheid. Am 15. September heirateten die beiden standesamtlich in Stadthagen. Benishe erwartet ein Kind von Qorri. Laut Ausländerrecht ist dies eine Grundlage für die Erteilung eines eheabhängigen Aufenthaltstitels. Doch um diesen zu erhalten, musste Qorri zunächst den Schritt in sein Heimatland wagen, um ein Einreisevisum für Deutschland zu bekommen. "Mit großer Unterstützung des Landkreises haben wir den Vorgang zur Erteilung einer so genannten Unbedenklichkeitsbescheinigung als Grundlage für das Visum von rund zweieinhalb Monaten auf eine Woche verkürzt", berichtete Hagenberg. Mit finanzieller Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde, "flatternden Herzens" (Hagenberg) und der Grenzübertrittsbescheinigung als "Eintrittskarte" für das deutsche Konsulat im Gepäck, machte Qorri sich Anfang August auf den Weg nach Pristina im Kosovo. Nach einer bedrückenden Woche in Pristina kehrte Fidan Qorri mit dem nötigen Eintrag in seinem Pass zurück nach Stadthagen, wo ihm bei der Ausländerbehördeinnerhalb kurzer Zeit die so genannte Aufenthaltserlaubnis zum Familiennachzug erteilt wurde. Wie ein Behördensprecher mitteilte, ist das Aufenthaltsrecht für Qorri abhängig vom Gelingen der ehelichen Beziehung und auf ein Jahr begrenzt. Nach dieser Frist kann die Erlaubnis auf weitere zwei Jahre verlängert werden, im Anschluss ist die Erteilung einer dauerhaften Niederlassungserlaubnis möglich. Hat Qorri sich insgesamt acht Jahre "rechtmäßig" in der Bundesrepublik aufgehalten - die 20 Jahre, die der Stadthäger zuvor offiziell in Stadthagen geduldet war, sind laut Ausländerbehörde davon ausgenommen - kann er einen Antrag auf Einbürgerung stellen. Jetzt will Qorri zunächst den Hauptschulabschluss bei der Volkshochschule nachholen. Auch seinem seit Jahren selbst gesetzten primären Ziel, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten, darf Fidan Qorri jetzt endlich nachgehen. Der von beiden Seiten unterschriebene Arbeitsvertrag dazu liegt seit anderthalb Jahren in Qorris Schreibtischschublade. Doch die lang ersehnte Arbeitserlaubnis kommt für Qorri in diesem Fall zu spät - die Landschaftsgärtnerei in Porta hat mittlerweile Insolvenz angemeldet.

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