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Vor Gericht: Mehrere Jahre Haft drohen

Kaum verurteilt, schon wieder mit Drogen gedealt

Bückeburg (ly). Das nennt man dreist: Wenige Tage nach seiner jüngsten Verurteilung wegen Rauschgifthandels soll ein Kleinenbremer (30) weiterhin ungerührt Drogengeschäften mit Kokain nachgegangen sein. Vor dem Bückeburger Schöffengericht hat jetzt ein neuer Prozess begonnen, der voraussichtlich über mindestens drei Verhandlungstage läuft. Falls er verurteilt wird, können dem Portaner mehrere Jahre Gefängnis drohen.

veröffentlicht am 31.05.2006 um 00:00 Uhr

Es geht um vier Fälle. In Untersuchungshaft sitzt der 30-Jährige bereits. Belastet wird er von einem Mitangeklagten (30) aus Stadthagen, dem Beihilfe vorgeworfen wird, sowie einem bereits verurteilten Kronzeugen. Die Strafgewalt des Schöffengerichts reicht bis zu vier Jahren Haft. Im vorausgegangenen Verfahren vor demselben Gericht war der Hauptangeklagte Anfang Dezember mit einer 23-monatigen Bewährungsstrafe davongekommen (wir berichteten). In nachweislich zehn Fällen hatte er Kokain, Ecstasy, Haschisch und Marihuana verkauft oder besessen. Zu den Abnehmern gehörte ein stadtbekannter Dealer, der von Kleinenbremen nach Bückeburg umgezogen war. Verbunden war die Entscheidung seinerzeit mit strengen Auflagen, darunter 300 Stunden gemeinnützige Arbeit. Großen Eindruck scheint dies auf den Portaner nicht gemacht zu haben - vorausgesetzt, die neuen Vorwürfe erhärten sich. Sowohl während des damals laufenden Verfahrens als auch vier Tage nach dem Urteil soll er nämlich in jeweils einem der vier Fälle erneut mit Drogen gedealt haben. Als Tatorte gelten unter anderem ein Parkplatz in Bückeburg sowie der Stadthäger Bahnhof. Mengen bis zu zehn Gramm, so heißt es in der Anklageschrift, seien dort verkauft oder erworben worden. Einmal soll fünf Gramm "Koks" für 300 Euro den Besitzer gewechselt haben. Zumindest zum Zeitpunkt der letzten mutmaßlichen Taten hatte die Polizei längst ein Ohr auf den Verdächtigen geworfen. Der Portaner stand unter Telefonüberwachung. Nach seiner Festnahme war es dem Mann noch gelungen, per Handy mit einer Familienangehörigen zu telefonieren. Bei einer späteren Hausdurchsuchung wurde kein "Stoff" gefunden. Im Fall eines Schuldspruchs dürfte Bewährung diesmal wohl kein Thema sein. Staatsanwalt Frank Hirt war im ersten Prozess von der "Spitze eines Eisbergs" ausgegangen. "Wenn sie rückfällig werden, bekommen sie es mit mir zu tun", hatte Richter Dr. Dirk von Behren dem Angeklagten damals ins Stammbuch geschrieben. Mit anderen Worten: Außer einer Haftstrafe könnte obendrein der Widerruf der Bewährung drohen. Allein das wären 23 Monate Haft.

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