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Kaum noch Platz für die vierbeinigen Schnurrer / Vorsitzende mahnt Bewusstseinsänderung an

Katzenschwemmeüberflutet das Tierheim

Bückeburg (jp). Der Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung schlägt Alarm: So schlimm wie noch nie stellt sich die Situation herrenloser und sich unkontrolliert vermehrender Katzen dar. Vor kurzem berichtete unsere Zeitung über die Überbelegung des Bückeburger Tierheims. Inzwischen hat sich die Situation dort noch einmal dramatisch verschärft. Abgabe- und Fundkatzen werden mittlerweile in jedem nur erdenklichen Winkel des Gebäudes untergebracht. Und das sei nahezu überall so: "In ganz Deutschland ist es fünf Minuten vor Zwölf", so Monika Hachmeister, "und wenn nicht sofort Maßnahmen eingeleitet werden, steuern wir mitten in eine fürchterliche Katastrophe."

veröffentlicht am 31.10.2007 um 00:00 Uhr

Monika Hachmeister im völlig überbelegten Katzenkinderzimmer des

Konkret befürchtet die Vorsitzende des Tierschutzvereins, in Deutschland könnten in wenigen Jahren "südländische Verhältnisse" herrschen, also eine Überschwemmung von Städten und Dörfern durch verwilderte Katzen. "Und das wird dann früher oder später zu entsetzlichen Konsequenzen führen." Wie die aussehen, wurde der Welt vor drei Jahren in Griechenland vorgeführt: Dort wurden im Vorfeld der olympischen Spiele frei lebende Hunde und Katzen zu Tausenden eingefangen, erschossen, erschlagen und vergiftet. "Eine Horrorvision, von der wir aber in Deutschland nicht mehr allzu weit entfernt sind." Hauptursache für die unkontrollierte Vermehrung sei nach wie vor die Weigerung zahlreicher Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen. "Ganz schlimm", so Hachmeister, sei die Situation in ländlichen Gebieten. "Für viele Landwirte ist ein Tier erst dann ein Tier, wenn es Milch oder Fleisch produziert. Katzen gelten hingegen überhaupt nichts." Die seit Jahrzehnten tradierte Meinung, das werde dann die Natur schon regeln, werde durch die schlimme derzeitige Situation widerlegt. Als lokale Brennpunkte der Katzenvermehrung haben die Tierschützer unter anderem einen Bereich am Krankenhaus Bethel in Bückeburg ausgemacht. In Rinteln sind es vor allem der Blumenwall und ein Gebiet nahe der reformierten Kirche. Katastrophal sei die Situation auch am Doktorsee, wo der Tierschutzverein jedes Jahr über 20 Katzen einfängt: "Man hat uns regelrecht erpresst", so Monika Hachmeister, "würden wir die Katzen dort nicht wegholen, werde man sie erschießen." Schon jetzt entledigten sich viele gewissen- und gedankenlose Menschen ihrer Tiere wie Müll. "Katzen werden in Kartons im Straßengraben ausgesetzt, in Plastiktüten an unser Tor gehängt oder über den Zaun geworfen." Der Tierschutzverein Hannover erklärte 2007 daher bereits zum "Jahr des Kartons". Zur Abhilfe müsse vor allem bei Katzenbesitzern eine Bewusstseinsänderung erreicht werden, um für mehr Kastrationen zu sorgen: "Aber das können wir Tierschützer allein nicht leisten, dazu müssen Politik, Verwaltung und Interessengruppen an einem Strang ziehen." In ländlichen Gebieten sollten vor allem Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher aktiv werden: "Die haben dort den kürzesten Draht zur Bevölkerung." Als absolut vorbildlich betrachtet Monika Hachmeister die Aktion eines Ortsvorstehers im Auetal, der vor einigen Jahren Geld sammelte, um frei lebende Katzen seines Dorfs kastrieren zu lassen. Auch in anderen Bundesländern gebe es bereits Kastrationsaktionen. Hier sieht Hachmeister auch die tierärztliche Vereinigung am Zug: "Die Kastration einer weiblichen Katze ist noch viel zu teuer." Sogar die Kirche sei in der Pflicht, sich einzusetzen: "Auch Tiere sind Geschöpfe Gottes." Schließlich gelte der Satz Mahatma Gandhis: "Daran, wie ein Volk mit seinen Tieren umgeht, erkennt man seinen Entwicklungsstand."

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