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Kastration von Streunern im großen Stil nötig / Hasengarten braucht Notfall-Boxen / Ersatz für Einsatz-"Oldie" fehlt

"Katzenjammer" im Tierheim: Für gute Taten fehlt's an Geld

Bückeburg. Tiefe Sorgenfalten bei Monika Hachmeister - und das gleich aus mehreren Gründen. Der Wichtigste: "Auf Stadt und Land", prophezeit die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg, Rinteln und Umgebung, "kommt ein Riesenproblem mit herrenlosen - unkastrierten - Katzen zu". In Berlin etwa, gebe es davon schon 80 000. Gelinge es nicht, diese Streuner im großen Stil kastrieren zu lassen, "werden wir hier bald südländische Verhältnisse haben - Katzen auf der Straße, Katzen auf den Bürgersteigen, Katzen allerorten". Der Tierschutzverein sei bereit, die Kastrationen zu übernehmen, aber das koste Geld. Geld, das der auch personell am Limit arbeitende Verein nicht hat.

veröffentlicht am 06.10.2007 um 00:00 Uhr

Am Hasengarten in liebevollen Händen: Monika Hachmeister und Kur

Derzeit betreuen vier Vollzeit- und drei 400-Euro-Kräfte Tag für Tag und oft auch in der Nacht rund 200 Tiere. Laut Hachmeister wirken insbesondere die Bauernhöfe bei dem Problem des Katzen-Zuwachses allzu oft als Multiplikatoren. Weil die Bauern in aller Regel nämlich nicht daran dächten, die Tiere zu kastrieren, vermehrten sie sich auf den Anwesen immens. "Wenn dann irgendwann die Nachbarn Alarm schlagen, werden die Katzen-Babys - damals wie heute -nicht selten in der Jauchekuhle ertränkt oder mit dem Spaten erschlagen." Das aber könne und dürfe nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Die zweite "Sorgenfalte": Um künftig zu verhindern, dass gewissenlose Tierhalter ihre Vierbeiner nach Einbruch der Dunkelheit mit einem Wurf über den Zaun auf dem Gelände des Heims "entsorgen", möchte die Einrichtung am Hasengarten zwei "Notfall-Boxen" bauen lassen. Sie funktionieren ähnlich wie eine "Baby-Klappe". Fünf Minuten, nachdem ein Tier in die Box gelegt wurde, wird im Heim Alarm ausgelöst. "In dieser Zeit", sagt die Vorsitzende, "kann der Besitzer das Weite suchen - ,sein' Tier wird dann umgehend versorgt." Besagte Notfall-Boxen indes kosten "mehrere tausend Euro". - "Der Verein kann sie aus dem laufendenEtat nicht bezahlen", sagt die ehrenamtliche Tierschützerin. Sorgenfalte Nummer drei: "Wir müssen jedes Jahr eine horrende Summe an Abfallgebühren bezahlen", bedauert Hachmeister; mehr als 4000 Euro waren das allein 2006. Geld, das dann für die Tiere selbst nicht mehr zur Verfügung steht. "Wenn wir bei den Gebühren zumindest eine Ermäßigung bekommen könnten, wäre uns schon geholfen", sagt die Vorsitzende. Zwar habe der Verein schon daran gedacht, den Abfall, um die Kosten zu senken, mit dem Bulli selbst auf die Deponie nach Sachsenhagen zu transportieren, doch daraus wird nichts ... Denn dieses Problem hängt mit Sorgenfalte Nummer vier zusammen: Den Tierschutz-Einsatzwagen, einen etwa 15 Jahre alten Ford Transit, hält nur noch der Rost zusammen; er wird den nächsten TÜV-Termin nicht mehr erleben. Hachmeister: "Wenn uns irgend jemand einen gern auch gebrauchten Bus spendieren könnte, wäre dasgroßartig." Gleichwohl ist der Verein natürlich nicht untätig. Nachdem alle 34 Hundezwinger eine Fußbodenheizung erhalten haben, steht das Team um Monika Hachmeister jetzt vor der Aufgabe, neue und gut isolierte "Hundeklappen" aus Stahlblech zu beschaffen. Die Kosten belaufen sich auf 13 000 Euro. "Werden die Klappen nicht installiert, heizen wir das ganze Röcker Feld mit", weiß die Vorsitzende. Besagte Fußbodenheizung war nötig geworden, weil die unsinniger Weise an der Decke (!) angebrachte Heizung nichts nutzte. Die Tiere verkühlten sich auf dem kalten Untergrund, wurden nicht selten krank. Zumindest in Sachen Abfallkosten ist - vielleicht - eine Wende zum Besseren in Sicht. MdL Friedel Pörtner (CDU), der dem Tierheim jetzt einen Info-Besuch abstattete, hat versprochen, auf Kreisebene zu versuchen "eine Reduzierung zu erreichen". Laut Hachmeister ist Pörtner übrigens der erste und einzige Politiker, den das Tierheim in ihren sechs Jahren als Vorsitzende bislang gesehen hat: "Alsuns unlängst 59 Katzen an einer Seuche gestorben sind, haben wir sehr viel Sachspenden aus der Bevölkerung erhalten - von ,offizieller Seite' aber hat nicht mal jemand angerufen, um sich nach unseren Problemen zu erkundigen", bedauert Hachmeister. Und ergänzt: "Wir fühlen uns hier nach wie vor sehr allein gelassen." Übrigens: Wer sich selbst ein Bild vor Ort machen möchte, den lädt die Einrichtung am Hasengarten schon jetzt für Sonntag, 25. November, zu einem "Tag der offenen Tür" mit Punsch und Plätzchen ein. Nicht zu vergessen: 2008 wird der Verein 100 Jahre alt. Dann wird im großen Stil gefeiert. Pörtner will sich darum bemühen, dass ein Minister, "wenigstens aber ein Staatssekretär", den Termin wahrnimmt. Spendenkonto des Vereins bei der Sparkasse Schaumburg: 333 220 721.



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