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Unterschriftenaktion für den Erhalt der Kirche / Pfarrer Ziemer: "Es geht hier nicht um 4000 Euro"

Katholiken wollen "Katharina" wiederbeleben

Rehren (la). 36 Auetaler Katholiken haben sich am Sonnabend nach dem Gottesdienst im Pfarrsaal getroffen, umüber die Zukunft ihrer Kirche St. Katharina und der Gemeinde zu sprechen (wir berichteten). "Die Feierstimmung in Osnabrück passt nicht zur Katerstimmung in den Gemeinden, stand in den Medien zu lesen und das stimmt", sagte Friedrich Franz Brehmeier vom Kirchenvorstand. Er erläuterte den Anwesenden den Stand der geplanten Profanierung der Kirche und warb um die Unterstützung zum Erhalt.

veröffentlicht am 27.05.2008 um 00:00 Uhr

Friedrich Franz Brehmeier

Antje Kronenberg vom Kirchenvorstand stellte das Konzept vor, dass die Gemeinde beim Bistum in Hildesheim einreichen wird. "Wir müssen mehr Gemeindeglieder in die Kirche locken und für die Gemeindearbeit aktivieren", sagte Kronenberg. Früher habe die katholische Kirchengemeinde mehr geboten, und es seien auch viele Gemeindeglieder zu den verschiedenen Gruppen und zum Gottesdienst gekommen. "Wir müssen alten und neue Wegeverknüpfen." Im Konzept sei die Bildung einer Jugend- und einer Seniorengruppe geplant, Gottesdienste mit Kirchenbands,ökumenische Gottesdienste und Angebote speziell für Jugendliche. Jährlich könnte ein Ehemaligentreffen und ein "Zugezogenen-Gottesdienst" für Neubürger angeboten werden. "Wir müssen außerdem versuchen, die Gemeinde auch nach dem Gottesdienst zusammenzuhalten", stellte Kronenberg fest. Nach dem Vorabendgottesdienst am Sonnabend könnten theologische Abendgespräche angeboten werden, Vorträge, musikalische Abende, gemeinsame Essen oder Wanderungen, Dämmerschoppen und Glühweinabende. Das Bistum hat der Gemeinde die finanzielle Unterstützung in Höhe von 4000 Euro pro Jahr für die St.-Katharina-Kirche gestrichen. "Wir zahlen mit 650 Gemeindegliedern eine Menge Kirchensteuern", stellte Andreas Seifert fest und fragte, wo dieses Geld den hinkäme, wenn die Kirche geschlossen würde. "Ist es wirklich nur das fehlende Geld, warum unsereKirche geschlossen werden soll", fragte Heike Fleischer und fügte an, dass dafür die Kirchensteuer aus dem Auetal wohl ausreichen müsste. Pfarrer Norbert Mauerhof, der für die Auetaler Kirchengemeinde zuständig ist, meldete sich schließlich zu Wort: "Wir haben nun mal das Steuergesetz, und im Jahresgeschäftsbericht können Sie nachlesen, wofür das Geld verwendet wird. Das ist wesentlich mehr, als nur der Erhalt der Kirchen. Wir leisten soziale Arbeit." Außerdem bezahlten nur 20 Prozent der Katholiken überhaupt Kirchensteuern, jährlich sänken die Einnahmen um zwei Prozent. "Deshalb will und muss das Bistum Hildesheim sparen und hat dieses Sparkonzept erarbeitet", so Mauerhof. Der Erhalt der Gebäude koste das Bistum jährlich fünf Millionen Euro, und um ein Immobilienguthaben zu erhalten müssten 14 Millionen Euro aufgewendet werden. "Dieses Geld haben wir nicht, und deshalb muss sich die katholische Kirche von Gebäuden trennen", so Mauerhof. Die Einteilung der Kirchen in die unterschiedlichen Kategorien sei zunächst ein Verwaltungsentwurf, über den im Oktober abgestimmt werde. "Wir müssen mit den Pastoren zusammen mehr für unsere Gemeindeglieder anbieten und die Zukunft rosiger sehen", sagte Andreas Seifert. Pfarrer Matthias Ziemens aus Bückeburg werde die Gemeinde jetzt für ein Jahr betreuen, danach müsse man weitersehen. "Vielleicht müssen wir einen Stiftungsverein für unsere Kirche gründen. Aber das dürfte doch kein Problem sein", so Seifert. "Wir wollen unsere Kirche als katholisches Zentrum erhalten. Deshalb haben wir auch das Konzept erarbeitet", sagte Antje Kronenberg. "Wir müssen unsere Kirche mit Leben erfüllen und dafür brauchen wir Ehrenamtliche", fügte Ursula Sapia hinzu. "Eines steht fest: Wir werden nicht mehr Pfarrer. Die Kräfte müssen vernetzt werden. Einzelne Gemeindeglieder müssen angesprochen und aktiviert werden. Das ist aber schwierig und aufwändig", stellte Pfarrer Mauerhof fest. "Ich habe festgestellt, dass die Entfernung von Bad Eilsen nach Rehren wirklich recht groß ist", sagte Pfarrer Ziemens und gestand ein, dass er bislang nur wenige Verbindungen ins Auetal hat. "Ich betreue bald 6000 Gemeindeglieder. Da bleibt wenig Zeit für Jugendarbeit. Ich finde nicht einmal eine Vertretung für die Messen am Sonnabend oder Sonntag, um einmal mit den Jugendlichen eine Freizeit zu machen", so Ziemens. Geärgert habe er sich über den Ausspruch von Brehmeier, dass er in Bückeburg bejubelt werde, weil dort bald mehr Gläubige in die Kirche kämen, wenn St. Katharina geschlossen wird. Es gebe immer weniger Pfarrer, sagte Ziemens, und man müsse damit rechnen, dass demnächst auch polnische oder indische Pfarrer in Deutschland predigen. "Außerdem reden wir beim Erhalt der Kirche nicht von 4000 Euro im Jahr", so Ziemens. Orgel- oder Dachreparaturen würden sofort heftig zu Buche schlagen. "Das müssen Sie in der Gesamtheit sehen", forderte er die Auetaler Gläubigen auf und stellte nochmals fest, dass "wir ein Ganzes sind und alle Opfer bringen müssen". Er fragte auch, ob es im Auetal überhaupt Potenzial für das Konzept gäbe. "Beweisen Sie mir, dass sie die Kirche mit Leben erfüllen können", forderte Ziemens, der angeboten hatte, einen Sonnabend-Gottesdienst am Vorabend anzubieten. "Ich muss aber schauen, was leistbar ist und ob Obernkirchen da mitspielt", schränkte er sein Versprechen ein. Brehmeier versprach abschließend, dass der Kirchenvorstand und der Katholikenrat für den Erhalt der Kirche kämpfen werden. Das Konzept würde dem Bistum vorgelegt und ebenso die Unterschriftenlisten. Die Anwesenden haben bereits alle auf der Liste unterschrieben, und in den nächsten Tagen will der Kirchenvorstand weitere Unterschriften in der Gemeinde sammeln. "Natürlich dürfen auch evangelische Gläubige unterschreiben. Wir hoffen sogar auf deren Unterstützung", so Brehmeier.

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