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Zu: „Keine Alternative zum Kahlschlag?“, vom 26. Oktober

Katastrophale Fehlentscheidungen

Lassen sich die Damen und Herren der Stadtverwaltung Hameln auch alle Zähne ziehen aus Angst vor Zahnschmerzen? Wohl kaum. Warum also alle Bäume fällen? Was sagt denn der in Pension gegangene Stadtförster Ottmar Heise zu dem geplanten Kahlschlag? Hat er jahrzehntelang falsch und leichtsinnig gehandelt? Hat er den Baumtod von Autofahrern fahrlässig in Kauf genommen?

veröffentlicht am 23.11.2020 um 17:25 Uhr

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Herr Heise ist seit Jahrzehnten Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Die Ziele der ANW orientieren sich an natürlichen Wäldern: keine Kahlschläge, es werden nur einzelne Stämme geschlagen. Viele Baumarten. Junge und alte Bäume nebeneinander. Das Kronendach ist offen, es kommt Sonnenlicht bis auf den Boden. Auf ganzer Fläche Naturverjüngung, die Baumarten vermehren sich selbst, es muss nicht gepflanzt werden. Die Bäume haben große stabile Kronen, sie sind Spiegelbild der großen und stabilen Wurzeln. Dies alles hat Herr Heise in vorbildlicher Weise ausgeführt, wohl auch deshalb hat es keine gefährlichen Windwürfe gegeben. Die Autofahrer durften sich sicher fühlen.

Als ehemaligem Förster oblag auch mir die Verkehrssicherungspflicht entlang öffentlicher Straßen. Ich hatte zu beurteilen, ob Kronen-, Stamm- oder Wurzelschäden an Waldbäumen vorhanden waren und ob diese Schäden geeignet waren, den Straßenverkehr zu gefährden. Wenn ja, dann wurden diese Bäume gefällt. Diese Praxis kann als bewährt und erfolgreich bezeichnet werden. So wird überall gehandelt. Bis jetzt.

Bäume sind die Lebewesen, die älter werden als alle anderen. Buchen können bis zu 400 Jahre alt werden! Eichen bis 1000 Jahre! Diese hohen Buchen entlang der Holtenser Landstraße sind mit ihren 100 Jahren noch junge Erwachsene! Sehr vital und keinesfalls altersschwach und gebrechlich. Die ältesten dürften im vorletzten Jahrhundert ihr Leben begonnen haben. Seitdem haben sie Dürren, Stürme, Kälte, Eis, Schnee und Holzhiebe überstanden. Sie sind gewachsen, haben die Lücken ausgefüllt und sind gesund geblieben. Warum sollte sich jetzt was daran ändern? Sie werden auch mit der Klimakatastrophe fertig.

Wir brauchen intakte Waldökosysteme und keine 08/15-Waldränder. Unsere Gesellschaft verliert zusehends den Bezug zur Natur. Die Angst, dass man haftbar gemacht wird für Sach- und Personenschäden, führt zu katastrophalen Fehlentscheidungen, die sich vor allem gegen Bäume richtet. Was für eine fatale Signalwirkung, wenn die Kommune Hameln ihre Wälder an Straßen plattmacht! Muss der Finkenborn ebenso geschoren werden? Wie ist es mit den Wanderwegen? Müssen nicht auch große Bäume in der Stadt sicherheitshalber gefällt werden? In meinem Leben bin ich Tausende Stunden im Wald gewesen. Ich habe nicht eine einzige brenzlige Situation mit umstürzenden Bäumen oder herabstürzenden Ästen erlebt.



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