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Das Für und Wider von Bonusprogrammen / Wer nichts zu verschenken hat, muss Punkte sammeln

Kartenflut – Sammelleidenschaft an der Kasse

Hameln-Pyrmont. Geld ausgeben und Punkte kassieren – es ist ein alter Marketingtrick und ein fragwürdiges Geschäft. Doch es funktioniert. Und es lässt die Portemonnaies immer dicker werden. Nicht etwa wegen der Geldscheine und Münzen, sondern wegen der bunten Plastikkarten, mit denen der Kunde durch seinen Einkauf sein jeweiliges Punktekonto füllen lässt. Kaum noch ein großer Einzelhändler oder Dienstleister glaubt, auf die Teilnahme an einem solchen Rabattsystem verzichten zu können. Die Anbieter solcher Kundenkarten kämpfen inzwischen erbittert um die Gunst der Verbraucher.

veröffentlicht am 11.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 18.11.2009 um 17:34 Uhr

Kartenflut

Autor:

Christian Fahrenbachund Marc Fisser

Einige große Bonusprogramme sind schon auf der Strecke geblieben. Zu den großen Verlierern zählt etwa die Telekom. Sie war einer der Hauptpartner bei Happy Digits, der Nummer zwei nach Payback (Real, Kaufhof). Bei Happy Digits können seit September keine Punkte mehr gesammelt werden, auch die SüdBest-Karte des Energieversorgers EnBW wird zum Jahresende eingestellt. Die vor allem durch die Edeka- und Marktkauf-Lebensmittelmärkte gestützte DeutschlandCard ist hingegen noch eine gewisse Konkurrenz für „Payback“.

Die Gründe für das Kartensterben liegen laut Verbraucherschützern auf der Hand. „Die Rabatte bewegen sich in geringen Größenordnungen von 0,5 bis 1 Prozent. Jeder kann sich die Frage selbst beantworten, ob er dafür ein Konsumprofil von sich preisgeben möchte“, sagt Verbraucherschützerin Evelyn Keßler. „Der Handel hat Kundenkarten nicht entwickelt, weil er seinen Kunden etwas zu schenken hätte.“ Vergünstigungen an einer Stelle werden anderswo aufgeschlagen.

Die Betreiber argumentieren nicht mit Prozenten, sondern in absoluten Zahlen: „Eine vierköpfige Familie spart mit Payback im Schnitt sehr einfach 200 Euro im Jahr“, sagt Nina Purtscher vom Branchenprimus. Zudem gebe es strikte Datenschutzregeln, wonach keine Informationen weiterverkauft oder im Kreis der Partnerunternehmen durchgereicht werden. Ähnliche Regeln haben sich auch die Betreiber der DeutschlandCard gegeben. Angesichts der Konzentration bei den Anbietern wundert es wenig, dass Purtscher von der Krise der Kartensysteme wenig spürt. „Unser Geschäft entwickelt sich weiterhin sehr gut“, erklärt sie. Neue Partner kämen hinzu, inzwischen sei man bei gut 180. Zudem halte die „Sammelleidenschaft“ der Konsumenten an. Fraglich ist allerdings, ob die wirklich aus Spaß sammeln oder nicht gezwungenermaßen, weil sie nichts zu verschenken haben. Denn der Rabatt ist ja in den Produkten eingepreist – wer ihn sich nicht über die Punkte zurückholt, tut dem Unternehmen einen Gefallen.

60 Prozent der deutschen Haushalte besitzen laut Purtscher eine Payback-Karte, 80 Prozent davon haben im letzten Jahr Punkte gesammelt, davon haben wiederum 90 Prozent Punkte eingelöst – damit sind gut 17 Millionen Haushalte bei Payback aktiv. Die DeutschlandCard kommt nach eigenen Angaben auf 5,5 Millionen aktive Teilnehmer. Die Stiftung Warentest zählte in einer Untersuchung im Jahre 2005 drei Dutzend Programme. Hinzu kommen die vielen Rabattkarten lokaler Anbieter – bis hin zur Stempelkarte beim Bäcker, mit der das zehnte Brot gratis ist.

100 Millionen Karten der größeren Systeme tragen die Deutschen laut Stiftung Warentest mit sich herum. Keßler weiß: „Kundenkarten sind umso beliebter, je mehr Akzeptanzstellen es gibt.“ Die Möglichkeit, sich die Punkte als Geld überweisen zu lassen oder beim nächsten Einkauf mit ihnen bezahlen zu können, ist außerdem attraktiver, als sich aus einem begrenzten Fundus von Sachprämien bedienen zu müssen.

Dennoch: Wer größere Anschaffungen plant, spart laut Experten mehr mit einer individuellen Preisverhandlung. Die Rabattjagd ist übrigens längst auch im Internet eröffnet. Payback etwa bietet sich dort als Portal zu zahlreichen Versendern an, spürt aber die Konkurrenz zu reinen Online-Punktevermittlern wie etwa Webmiles. So kann auch der Einkauf vom heimischen Computer aus zu einem Irrlauf im Rabattdschungel werden: Wer bietet welche Vergünstigung? Und auf welchem Weg komme ich an sie heran? Das kostet Rabattjäger viel Zeit. Dabei könnte das Einkaufen doch so einfach sein …

Kundenkarten füllen das Portemonnaie – aber bringen sie auch Geld?Foto: Dana

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