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Fusion mit Heye? Betriebsrat: "Derzeit reine Spekulation"

Kartellamt sagt Ja: Ardagh darf Rexamübernehmen

Obernkirchen/Bad Münder (mf). Das Bundeskartellamt hat dieÜbernahme der deutschen Rexam-Glassparte in Bad Münder durch den irischen Wettbewerber Ardagh genehmigt. Die Entscheidung sei am Mittwochnachmittag gefallen, teilte Behördensprecherin Irene Sewczyk auf Anfrage mit. Durch diese Entscheidung werden Vermutungen über eine Verschmelzung der Ardagh-Werke von Bad Münder und Obernkirchen laut: Der Rexam-Betriebsrat hält dies für wahrscheinlich, der Heye-Betriebsrat spricht von reiner Spekulation.

veröffentlicht am 05.05.2007 um 00:00 Uhr

Am 12. März hatte Ardagh den Kauf von Rexam Glass zum Preis von 660 Millionen Euro bekannt gegeben. Das Unternehmen mit Sitz in Dublin will alle 13 europäischen Rexam-Standorte mit insgesamt 3600 Beschäftigten schlucken. Sieben Produktionsstätten befinden sich in Deutschland, allein in der Glashütte Bad Münder sind 430 Mitarbeiter beschäftigt. "Wir haben keine Bedenken gegen eineÜbernahme", sagte Kartellamtssprecherin Sewczyk. Wenngleich dadurch ein neuer Glasriese entstehe, könne man noch nicht von einer marktbeherrschenden Stellung sprechen. In einem wochenlangen Prüfverfahren hatten die Bonner Kartellwächter die möglichen Konsequenzen des Zusammenschlusses untersucht und dabei auch Kunden der beiden Glashersteller angehört, unter anderem die belgische Brauereigruppe InBev (Beck's, Gilde, Löwenbräu). Dort habe es keine Einwände gegeben, so Sewczyk. Nach Genehmigungen aus Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Italien und Deutschland steht jetzt nur noch eine Zustimmung der Kartellbehörde Polens aus, wo Rexam zwei und Ardagh ein Werk betreibt. In Branchenkreisen gilt eine Übernahme aber auch hier als abgemachte Sache. Rexam-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Hans-Georg Diekmann begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung des Bundeskartellamtes. "Schlecht wäre es gewesen, wenn ein oder zwei Werke ausgenommen worden wären. Allein hätten sich diese kaum am Markt behaupten können." Diekmann befürchtet durch eine Übernahme keine negative Folgen für den Standort Bad Münder. Ein Arbeitsplatzabbau sei höchst unwahrscheinlich, weil die Nachfrage nach Behälterglas derzeit sehr groß, die Hütte bis Ende nächsten Jahres ausgelastet sei. "Im Gegenteil, wir hoffen auf millionenschwere Investitionen für eine neue Produktlinie." Allerdings erwartet der Betriebsratschef, dass es innerhalb kurzer Zeit zu einer Verschmelzung des Ardagh-Werkes Obernkirchen (Heye Glas) mit dem in Bad Münder kommt. Es sei davon auszugehen, dass die neuen Inhaber Synergieeffekte suchen werden. Nur spekuliert werden kann darüber, unter welcher Führung ein möglicher Betriebsübergang über die Bühne ginge. Für die Beschäftigten ist diese Frage nicht unerheblich: Während beispielsweise in Bad Münder der Tarifvertrag "Rhein-Weser" gilt, wurde in Obernkirchen ein Haustarifvertrag geschlossen. Noch völlig offen ist auch, wo die Ardagh-Zentrale ihren Sitz haben wird. Das deutsche Rexam-Management agiert derzeit von Nienburg aus. Stephan Seiffert, Betriebsratschef von Heye Glas, spricht zum gegenwärtigen Zeitpunkt beim Thema Verschmelzung von reiner Spekulation. "Das operative Geschäft wurde noch nicht von Rexam übernommen", verweist er auf die fehlende Zustimmung der polnischen Kartellbehörden.



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